Thurnau

Viel Spaß statt Hass und Hetze

In der Werkstatt der Schreinerei Bartels in Thurnau fand ein Poetry-Slam für mehr Menschlichkeit statt.
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Der Erstplatzierte Cris Ortega und die Zweitplatzierte Rahel Behnisch gratulierten sich gegenseitig.
Der Erstplatzierte Cris Ortega und die Zweitplatzierte Rahel Behnisch gratulierten sich gegenseitig.
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Wenn Poeten in den Wettstreit treten, zählen auch die Zuschauer zu den Gewinnern. Zum zweiten Mal organisierte der Kreis der "Montagsgespräche - Werkstatt für Menschlichkeit" einen Poetry Slam unter dem Motto "Mit!Mensch" in den Räumen der Schreinerei Klaus Bartels in Thurnau.

"Bei den Montagsgesprächen beschäftigt uns, dass die Sprache und der Umgangston immer rauer werden, dass Hass und Hetze immer mehr Raum gegeben wird", sagte Franziska Bartels zur Begrüßung.

Deshalb sollte man Wege finden, mit dem Schönen zu locken, sich mit Spaß dem Guten zuzuwenden, ergänzte ihr Mann Klaus, der den Slam mit einem selbst verfassten Gedicht eröffnete. "Viel lieber Neues erfinden, die Schätze des Lebens weitläufig erkunden."

Fünf Poeten am Start

Slam-Masterin "Monchen" hatte fünf Poeten nach Thurnau geholt, die jeweils zwei Texte zum Rahmenthema "Miteinander und Menschlichkeit" vortrugen. "Bei einem Slam ist alles erlaubt, außer Requisiten", erklärte sie.

Die Poeten würden eigens geschriebene Texte vortragen - "und man darf nur das verwenden, was man am Körper trägt, und zwar schon bei der Anreise". Eine zuvor ausgewählte Jury vergibt Punkte, und am Schluss wird ein Gewinner gekürt. "Die Slam-Poeten bekommen dabei keine Gage, sondern lediglich Fahrtkostenerstattung und etwas zu essen", sagte "Monchen".

Den Anfang machte Raphael Breuer aus Fürth, der sich mit dem Umweltschutz befasste und zu dem Schluss kam: "Jeder fängt auf seine Weise mit der Klimawende an und ändert, was er ändern kann." Der 23-Jährige studiert "irgendwas mit Medien", hat in der Schule Theater gespielt und in jungen Jahren Tagebuch geschrieben - und er probiert sich gerne aus.

Der Traum von einem Roman

Das gilt auch für die 19-jährige Rahel Benisch, die als nächste die Werkstattbühne betrat. Sie begann im Alter von 13 Jahren, Gedichte zu schreiben, heute verfasst sie Bühnentexte und Kurzgeschichten und träumt davon, einen Roman zu schreiben.

Mit 15 hatte sie ihren ersten Auftritt auf einer Slam-Bühne, und das Thema Frauen hat es ihr angetan. "Das liegt vielleicht daran, dass ich kein typisches Mädchen war und oft Probleme mit anderen hatte", erzählte sie. Mit ihren Texten über "Mädchen, die träumen" oder das "Feuerwerk" schaffte sie es im Finale auf Platz zwei.

Gesang eingebaut

Dorothee Mügge aus Fürth baute in ihre Texte sogar Singstrophen ein, während der 41-jährige "Maestro Confusione" aus Oberkeil sich eine Welt vorstellte, auf die er Bock hat. "Auf einer solch kleinen Murmel kann es kein unbegrenztes Wachstum geben", sagte der Poet aus dem Landkreis Kulmbach, der im Hauptberuf Lehrer für Deutsch als Zweitsprache sowie freiberuflicher Texter und Bühnenkünstler ist.

Cris Ortega aus Erlangen bestieg im ersten Durchgang als Letzter die Werkstattbühne, kam aber beim Publikum so gut an, dass er am Ende zum Sieger des Abends gekürt wurde. Sein Text "Weihnachten" über zwei Brüder, die sich im Schrank verstecken, während die Eltern streiten, berührte die Besucher ebenso wie seine Gedanken über einen Menschen, der auf die Liebe hofft.

Auf die Bühne geschubst

Der 23-Jährige studiert Soziologie und digitale Geistes- und Sozialwissenschaften und kommt aus dem Singer-Songwriter-Bereich. "Ein ehemaliger Lehrer, der selbst Slammer ist, hat mich auf die Bühne geschubst, und heute ist der Poetry Slam für mich eine weitere Form des kreativen Ausdrucks."

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