Höchstadt a. d. Aisch

Viel Applaus für eine Uraufführung

Rüdiger Kaufmanns kleines Oratorium "Hildegundis - Legende einer Höchstadter Heiligen" erlebt in der Stadtpfarrkirche St. Georg eine gelungene Premiere. Tabea Feuerbach sowie Andrea und Georg Schlee brillieren als Solisten.
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Rüdiger Kaufmann dirigierte sein eigenes Werk. Foto: Dieter Gropp
Rüdiger Kaufmann dirigierte sein eigenes Werk. Foto: Dieter Gropp

Der Einladung zur Uraufführung des kleinen Oratoriums "Hildegundis - Legende einer Höchstadter Heiligen" von Rüdiger Kaufmann waren am Sonntagnachmittag viele Höchstadter Musikfreunde in die Stadtpfarrkirche St. Georg gefolgt. Neben dem Hauptwerk, welches das Konzert krönte, erklangen Werke von Meistern des Barock wie Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann.

Die Kammermusik-Vereinigung "Alte Freunde", ehemalige Kommilitonen der Eheleute Kaufmann aus der Zeit ihres gemeinsamen Studiums in Erlangen, verstärkt durch die Musiker des Kammerorchesters Höchstadt, bildeten das Projekt-Kammerorchester. Sie spielten gemeinsam Ausschnitte aus "concerti grossi" von Händel und beim kleinen Oratorium über die heilige Hildegundis. Die "Alten Freunde" allein bestritten weitere kammermusikalische Werke. Ihre Ensemble-Leistung während des Konzertes - fast ohne Proben - war virtuos.

Die Vergessenheit drohte

Mit dem dreistimmigen Geburtstagskanon "Zum Geburtstag viel Glück ..." gratulierte der "große Chor" aller Besucher in der Kirche der Hauptperson des Abends, Rüdiger Kaufmann, zu seinem 70. Geburtstag vor wenigen Tagen.

Die Legende von der heiligen Hildegundis wurde schon vor über 20 Jahren der drohenden Vergessenheit entrissen. Dies ist nicht zuletzt Stadtpfarrer Kilian Kemmer zu verdanken, der dafür sorgte, dass ihre Skulptur heute die Rückseite der Pfarrkirche schmückt. Kemmer schrieb auch 2014 den Text zu einem Lied über die heilige Hildegundis, vertont von Rüdiger Kaufmann. Beinahe ebenso lange hatte Kaufmann schon das kleine Oratorium geschaffen.

Er habe jedoch die Einstudierung lange hinausgezögert, weil ihm diese als sehr kompliziert erschien. Umso erstaunlicher sei es für ihn, wie bravourös alle Mitwirkenden diese Aufgabe bewältigt hätten. Wenn anfangs Solisten und Chorsänger noch etwas gehemmt gewesen seien, so hätten sie sich zunehmend frei gesungen und zu einer hervorragenden musikalischen Leistung gesteigert.

In Kaufmanns Werk ist im Zentrum der Handlung eben auch dieses erste Hildegundis-Lied wieder zu finden. Um dieses Lied rankt sich Kaufmanns musikalisch-literarische Erzählung von der Frau, die von Graf Goswin vor vielen hundert Jahren als ferne Verwandte aufgenommen und großgezogen wurde. Schließlich sollte sie auch von ihm gegen ihren Willen verheiratet werden. Hildegundis' Liebe galt ausschließlich ihrem Gott. Der Hochzeitszeremonie in der damaligen Auracher Kirche entfloh sie und betete so lange zu Gott, bis er sie erhörte und tot zu Boden fallen ließ. In der Auracher - der heutigen Münchauracher - Kirche wurde sie auch begraben.

Rüdiger Kaufmann erklärte in seinen einführenden Worten, bevor er das Singspiel dirigierte, dass nicht jede Stadt eine "Heilige" besitze. Er wolle mit seinem Werk diese Tatsache würdigen und damit auch Dank sagen für all die Möglichkeiten, die ihm die Stadt gab und gibt, um sich und seine Musik hier und heute verwirklichen zu können. Diesen Dank bringe er stellvertretend auch für andere Musikschaffende der Stadt zum Ausdruck.

"Kummerlied"-Text als Anker

Der erste Satz des Singspiels ähnelt dem Finale. Das Werk ist also zyklisch gearbeitet und dazwischen spannt sich die Handlung wie ein bunter Regenbogen. Im Zentrum des Werkes steht der "Kummerlied"-Text von Kilian Kemmer. Rüdiger Kaufmann sagte, dass dieser Text der Anker für das gesamte Werk gewesen sei.

Die drei tragenden Säulen des Sologesangs sind Hildegundis (gesungen von Tabea Feuerbach) und Gräfin und Graf Goswin (gesungen von Andrea und Georg Schlee). Alle drei trugen mit ihren glasklaren Stimmen zum guten Textverständnis bei. Der Projektchor, hauptsächlich bestehend aus Mitgliedern der verschiedenen Höchstadter Chöre, rundete dieses musikalische Erlebnis ab. Starker, nicht enden wollender Beifall kündete von der begeisterten Zustimmung zum Werk Rüdiger Kaufmanns und erstritt sich als Zugabe die Wiederholung des letzten Satzes. In anschließenden Gesprächen mit Zuhörern war sehr viel Lob für die ins Ohr gehenden Texte und für die wundervolle Musik zu hören.

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