Höchstadt a. d. Aisch

Viel Applaus für christliche Sozialkritik

Es waren sicher zwei Umstände, die am Sonntag die Stadtpfarrkirche füllten: Eine großartige musikalische Darbietung und ein prominenter Gast aus der Schweiz. Der Kirchenchor St. Georg hatte die Missa ...
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Abt Urban Federer Foto: Harald Dorsch
Abt Urban Federer Foto: Harald Dorsch

Es waren sicher zwei Umstände, die am Sonntag die Stadtpfarrkirche füllten: Eine großartige musikalische Darbietung und ein prominenter Gast aus der Schweiz. Der Kirchenchor St. Georg hatte die Missa pastoralis von Mozart zusammen mit dem Höchstadter Kammerorchester (Einstudierung Rüdiger Kaufmann) und Reinhard Döring an der Orgel unter der Leitung von Florian Meyer einstudiert.

Aus dieser G-Dur Messe brachte der Chor das Kyrie, das Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei zu Gehör. Dabei übernahmen Petra Kellermann (Sopran), Elke Oleson (Alt), Hans Werner Denzler (Tenor) und Michael Ulbrich (Bass) den gesanglichen Soli-Part. Die aus weihnachtlichen Melodien und Pastorellen zusammengestellte Mozartmesse stellt ein Meisterwerk der Wiener Klassik dar und bot einen festlich-erhebenden Rahmen. Die Harmonie und Rhythmik, die von der Orgelempore in die Kirche hinein erklang, fand eine durchaus adäquate Entsprechung im Altarraum des Gotteshauses.

Maria als Prophetin

Abt Urban Federer aus der schweizerischen Benediktinerabtei Einsiedeln, der als Sympathieträger der eidgenössischen Bischofskonferenz gilt, leitete den Festgottesdienst. Als die Höchstadter im August zu ihrer Jubiläums-Pfarreifahrt nach Einsiedeln gepilgert waren, ließ sich der Abt jenes Marienwallfahrtsortes von der Begeisterung im Hinblick auf den Bau einer Lourdesgrotte anstecken. So nahm Federer die Einladung seines Freundes Kilian Kemmer an und beschloss die Veranstaltungsreihe, die auf die Lourdesgrotteneinweihung folgte.

In seiner Predigt stellte der Abt die Gottesmutter Maria in die Reihe der biblischen Propheten. Diese seien weder im Alten Testament noch mit Johannes dem Täufer im Neuen Testament "einfach nur Menschen, die die Zukunft vorhersagen wie das Wetter". Vielmehr traten all diese männlichen wie weiblichen Propheten auf, um "im Namen Gottes eine Sozialkritik an den verheerenden Lebensumständen in der Gesellschaft ihrer Zeit zu artikulieren und auf die Veränderung von Gewohnheiten ohne Vertröstungsabsichten in der Gegenwart zu pochen". Durch ihr Gebet und ihren Aufruf zur Umkehr, den Maria unter anderem in ihrem Magnifikat-Lied besinge, stelle sie ein glaubwürdiges Zeugnis solch prophetischen Mutes dar, das der Kirche von heute für ihren gesellschaftlichen Auftrag nach wie vor gut anstehe, so Federer.

Nachdem sie zuvor einen eigens vom Vorbereitungsteam unter der Leitung von Wolfgang Först gestalteten Gottesdienst feierten, zogen am Ende des Pontifikalamtes die Kinder in den Kirchenraum ein, die der Gast aus der Schweiz einzeln segnete. Mit einem marianischen Lied, das in Einsiedeln komponiert wurde, endete ein Gottesdienst, der zum Schluss sogar viel Applaus erhielt.

Besuch auf dem Kellerberg

Im Rahmen der Feierlichkeiten um die Lourdes-Grotte besuchte Abt Urban auch die noch "geheimere Krypta" des Arnulf von Metz, des Schutzheiligen der Bierbrauer, auf dem Höchstadter Kellerberg. Im Kellerhäuschen "Zum Boläsdä" konnte er mit Mitgliedern der Pfarrei, der Mannschaft der Grottenbaugruppe und Mitgliedern des Höchstadter Heimatvereines unter den Zitherklängen von Klaus Schauer einen fränkischen Advent mit Höchstadter Bier und humorvollen Gesprächen erleben . LM/rec

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