Zeil am Main

Verzweifelte Menschen

Monika Schraut bringt das Schauspiel "Bitte für uns Sünder" erneut auf die Bühne. Tanja Kinkel ist als Gast dabei.
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Vor drei Jahren schon hat Monika Schraut das Dramolett auf die Bühne gebracht: eindrucksvoll.  Foto: K. Schmitt
Vor drei Jahren schon hat Monika Schraut das Dramolett auf die Bühne gebracht: eindrucksvoll. Foto: K. Schmitt

Monika Schrauts Stadtführungen zum Thema Hexenverfolgung sind schon ein Geheimtipp. Als sich die Musikpädagogin vor drei Jahren des Themas Hexenverfolgung annahm, entstand dabei auf der Grundlage des Romans von Tanja Kinkel ein Drama über die Hexenverfolgung in Zeil, das bei seiner Premiere tiefen Eindruck hinterließ. Nun stellt Monika Schraut dieses Dramolett erneut auf die Bühne - und bei einer der Aufführungen ist die Autorin Tanja Kinkel dabei.

Dokument von 1628

"Unschuldig wurde ich verhaftet, unschuldig wurde ich gefoltert und unschuldig werde ich sterben." Mit diesen drei Feststellungen beginnt 1628 Johannes Junius, aus dem Hexengefängnis heraus, einen Brief an seine Tochter Veronika. Dieser Brief ist historisch dort nie angekommen.

Was aber, wenn doch? Die Schriftstellerin Tanja Kinkel aus Bamberg stellte sich die Situation vor, als die zweite Junius-Tochter Anna-Maria den Brief auffindet. Daraus ist ein Dramolett (ein Mini-Drama) entstanden, das wie geschaffen ist für die Kulisse der Zeiler Anna-Kapelle. Dort fand auch 2015 die Premiere statt.

Zum Stadtjubiläum

Monika Schraut wird anlässlich des Stadtjubiläums 1000 Jahre Stadt Zeil zusammen mit Martina Angebrand und Christa Doelker dieses erschütternde Schauspiel zur Aufführung bringen. Ein Kurzvortrag im Dokumentationszentrum "Zeiler Hexenturm" wird zu Beginn den Hintergrund dieser Geschichte erläutern, dafür richtet sich Christa Doelker an die Anwesenden.

Anschließend schlüpft Monika Schraut in die Rolle der Tochter Anna-Maria und spielt in der Anna-Kapelle das Dramolett "Bitte für uns Sünder". Dabei versteht es Monika Schraut, eine Frau zu vermitteln, die innerlich zerrissen ist, zweifelnd an der Kirche und sich selbst, hadernd mit ihrem Schicksal. Ihr Vater, der angesehene Bamberger Ratsherr und Bürgermeister Johannes Junius, ist als Hexer verurteilt und tot.

Ein Umtrunk und eine Gesprächsrunde (am Samstag auch mit der Autorin Tanja Kinkel selbst) beenden den Abend. Für die Musik zeichnen Heinz Martin und Martina Angebrand, Zeil, verantwortlich, wie die Veranstalter mitteilen.

Der geschichtliche Hintergrund: In Zeil wurden zwischen 1616 und 1631 rund 400 Menschen als Hexen verfolgt und getötet. Hier stand der Brennofen des berüchtigten Fürstbischofs Johann Georg von Dornheim und des Weihbischofs Friedrich Förner. Es gab mehr als 600 Hexenprozesse. Der Glaube an Zauberei, der 30-jährige Krieg, Seuchen, Krankheiten, Ernteausfälle kamen zusammen, letztlich auch die wirtschaftliche Gier nach Bereicherung, das alles führte zu dem Wüten.

In Erinnerung und zu Ehren der Opfer hat die Stadt Zeil vor einigen Jahren am und im Stadtturm das Dokumentationszentrum "Zeiler Hexenturm" eingerichtet.

Es ist ein Originalschauplatz, denn im Turm befand sich ein Verlies, in dem die sogenannten Hexen eingesperrt waren. red

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