Forchheim

Vertreibung und Integration

Die Ausstellung des Heimatkreises Braunau/Sudetenland, die im vergangenen Jahr in Forchheim zu sehen war, wird nun im Haus des Deutschen Ostens in München gezeigt. Heute ist Eröffnung mit dem OB und der Kuratorin.
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Festführer 20. Braunauer Heimattag in der Patenstadt Forchheim, 12. bis 14. Juli 1991, Forchheim 1991, Umschlag, Vorderseite, Exemplar der Bibliothek des Hauses des Deutschen Ostens München. Foto: HDO
Festführer 20. Braunauer Heimattag in der Patenstadt Forchheim, 12. bis 14. Juli 1991, Forchheim 1991, Umschlag, Vorderseite, Exemplar der Bibliothek des Hauses des Deutschen Ostens München. Foto: HDO

Als Folge des Zweiten Weltkriegs kamen Millionen Flüchtlinge und Vertriebene, unter anderem aus Böhmen, Mähren und Schlesien, nach Bayern. Die Ausstellung "(Nicht) gekommen, um zu bleiben", die vom 15. Januar bis 28. Februar im Haus des Deutschen Ostens in München zu sehen ist, zeichnet am Beispiel der Städte Braunau/Broumov (Böhmen, heute Tschechische Republik) und Forchheim einen erfolgreichen Weg nach: von der Integration der vertriebenen Braunauer in den ersten Nachkriegsjahren bis zur Verständigung mit Broumov nach 1989.

Mit Kirschstein und Mainusch

Die Ausstellung war im vergangenen Jahr auch in Forchheim zu sehen. Zur Ausstellungseröffnung in München am Dienstag, 14. Januar, um 18 Uhr, sprechen Andreas Otto Weber (Direktor des Hauses des Deutschen Ostens), Uwe Kirschstein (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Forchheim, Günther Reichert (Heimatkreis Braunau/Sudetenland) und Christina Meinusch, die Kuratorin der Ausstellung.

Anfang 1946 landeten viele Deutsche aus Braunau in Forchheim. Bereits 1952 entstand hier der Verein "Heimatkreis Braunau" mit Ernst Kähler als erstem Heimatkreisbetreuer. Drei Jahre später übernahm die Stadt Forchheim die Patenschaft über die Stadt und den Kreis Braunau. Sie setzte damit ein Zeichen der Solidarität mit den Vertriebenen und trug maßgeblich zum Erhalt des Kulturguts aus deren Heimat bei. In den 1990er Jahren entwickelte sich aus dieser Patenschaft eine lebendige Städtepartnerschaft zwischen Forchheim und dem tschechischen Broumov.

Die Ausstellung schlägt einen Bogen von der Geschichte der Deutschen in Braunau während der Zeit der Tschechoslowakischen Republik (1918 bis 1938) über die Vertreibung und die Ankunft in Forchheim 1945/46 bis in die Gegenwart, in der die Kooperation zwischen dem tschechischen Broumov und der oberfränkischen Kreisstadt fortgesetzt wird.

Thematisiert werden die Aspekte des deutsch-tschechischen Zusammenlebens in Braunau nach dem Zusammenbruch des Habsburger Reiches, dem Friedensvertrag von St. Germain (1919) und dem Münchner Abkommen (1938), die Organisation und Abwicklung der Vertreibungsmaßnahmen 1945/46, als Gewalt und Terror sie begleiteten und zahlreiche Opfer forderten, die Eingliederungsprobleme in Forchheim samt der Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den Neuankömmlingen und der Aufnahmegesellschaft sowie das gesellschaftliche Engagement der ehemaligen Braunauer in Forchheim, das unter anderem in der Gründung des Heimatkreises Braunau/Sudetenland zum Ausdruck kam, schließlich die politischen Voraussetzungen für eine "Partnerschaft der Versöhnung" zwischen Braunau/Broumov und Forchheim vor und nach 1989.

Zeugnisse aus Privatarchiven

In der Ausstellung werden veröffentlichte wie unveröffentlichte Text- und Bilddokumente gezeigt, darunter autobiografische Zeugnisse der Opfer aus den Privatarchiven der ehemaligen Braunauer sowie Dokumente aus den Beständen des Heimatkreises Braunau/Sudentenland, des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und deutscher wie tschechischer Archive.

Die Ausstellung wurde von der Stadt Forchheim, der Sparkasse Forchheim, dem Deutsch-tschechischen Zukunftsfonds und dem Sudetendeutschen Museum gefördert. red

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