Bamberg

Vertrauen ausgenutzt

Ein 51-jähriger angeblicher Professor hat mit Daten seiner Bekannten Profile auf Dating-Plattformen eröffnet.
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Manchmal hat Strafrichterin Christine Schäl kuriose Fälle vor sich. Diesmal soll sich ein angeblicher syrischer Professor die persönlichen Daten seiner Bekannten verschafft haben, um damit Profile auf Dating-Plattformen zu eröffnen. Es geht um 18 Fälle mit einem Gesamtschaden von fast 3000 Euro. Der 51-jährige Angeklagte aus Bamberg bestritt jede Schuld und gab vor, selbst Opfer von Identitätsdiebstahl geworden zu sein. Vor einer Verurteilung rettete ihn das nicht.

Wenn jemand seine Hilfe braucht, dann hilft Abdul F. (Name geändert) doch gerne. Der Syrer lebt seit inzwischen drei Jahren in Bamberg. Viele seiner Landsleute haben keinen Computer, auch kein Internet und zudem Sprachprobleme. So wie Mohammed (55), der sich eine Goldcard machen lassen will. Also gibt er Abdul F. all die dafür nötigen Daten, die dazu nötig sind. Oder der notiert sich die eingegebenen Angaben, wie bei Baschar D. (42), der gerne ein Online-Konto bei der Sparkasse hätte, als dieser neben ihm am Laptop zugange ist. Andere wie Nurat (34) oder Amar (28) wollen mit Abdul F.s Unterstützung Geld in die Heimat transferieren oder sich in Bamberg und Umgebung eine Wohnung suchen. Sie alle ahnen nicht, dass sie im Laufe des Jahres 2018 in eine Falle laufen.

Einige Wochen später bekommen die Landsleute plötzlich Rechnungen, Mahnschreiben von Inkasso-Unternehmen, ja sogar Post von Rechtsanwälten aus München. Wie bei Hasan H. (43), der als Zeuge berichtete, dass er und seine Nachbarn im Flüchtlingswohnheim noch immer Briefe bekämen.

Bald noch einmal vor Gericht?

Was ihnen unverständlich ist: Es geht um Online-Dating-Seiten eindeutigen Inhalts, auf denen sie ein Profil haben sollen. Sie heißen "Livesex", "Gibsmir" oder "Wowdate". Mit ihrem eigenen Konterfei, all den persönlichen Informationen und angemeldet mit ihrer E-Mail-Adresse. Die hat, außer ihnen doch nur jener hilfsbereite Abdul F. Jener Angeklagte, der staunte, dass er vielleicht bald noch einmal am Amtsgericht Bamberg erscheinen muss. Dann geht es um eine Betäubungsmittel-Geschichte, in der Haschisch eine Hauptrolle spielt.

Der Angeklagte erklärte, er selbst sei gehackt worden. Ihm seien alle Daten seiner Bekannten entwendet und gegen seinen Willen genutzt worden. "Ich bin doch nicht so dumm, dass ich meine eigenen Daten für solch einen Betrug verwende." Er habe mit der ganzen Sache nichts zu tun. Auch er habe Rechnungen erhalten, von seinem Konto seien Beträge abgebucht worden. Eine Schutzbehauptung, die Staatsanwältin Sandra Mahr nicht glauben wollte. "Sie können durch die Indizien überführt werden." Der Angeklagte sei mit erheblicher krimineller Energie vorgegangen. Ihrem Antrag auf eine Bewährungsstrafe von fünf Monaten folgte Strafrichterin Schäl. Nur die Tatsache, dass er bislang noch nicht vorbestraft ist und weitere Verfahren selbigen Inhaltes vorerst eingestellt worden waren, verhinderte Schlimmeres. Als Geldauflage muss Abdul F. 500 Euro an das Frauenhaus Bamberg zahlen und darf sich zwei Jahre lang nichts zuschulden kommen lassen. Die Richterin: "Sie haben das Vertrauen dieser Personen schamlos ausgenutzt."

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