Laden...
Herzogenaurach

Verstorbene sind nicht vergessen

In Herzogenaurach halten die Katholiken das Gedenken an ihre Liebsten mit verschiedenen Bräuchen wach.
Artikel drucken Artikel einbetten
Moison Michael und Helmut Hetzel (v. r.) segneten die Gräber mit Weihwasser. Fotos: Manfred Welker
Moison Michael und Helmut Hetzel (v. r.) segneten die Gräber mit Weihwasser. Fotos: Manfred Welker
+1 Bild

Am Fest Allerheiligen gedenkt die Kirche nicht nur der vielen bekannten Heiligen. Sie hält an diesem Tage besonders die Erinnerung an die vielen namenlosen Menschen wach, die gleichfalls zu der unzählbaren Schar aus allen Nationen und Sprachen gehören und nach der Offenbarung des Johannes (Kapitel 7,9) vor Gottes Thron stehen. Der Feiertag wird jedoch in Deutschland nur teilweise begangen.

Für viele Herzogenauracher Bürger ist mit dem Fest Allerheiligen der Friedhofsgang untrennbar verbunden, der meist dem Gedenken der Verstorbenen gewidmet ist. Zuvor wurden aus diesem Anlass die Gräber hergerichtet. Am Nachmittag wurde der Friedhofsgang auf dem alten Friedhof mit Stadtpfarrer Helmut Hetzel und Kaplan Pater Moison Michael von den katholischen Pfarreien von Herzogenaurach abgehalten.

Wie Hetzel erläuterte, wurde der Friedhofsgang ursprünglich an Allerseelen durchgeführt, dann aber auf den Feiertag Allerheiligen verschoben. "Es ist eine gute Tradition, sich am Friedhof zu treffen, weil all unsere Verstorbenen mit den Heiligen bei Gott leben!"

Alle seien auf den Friedhof gekommen, um die Gräber ihrer Verwandten zu besuchen, um ihnen ganz nahe zu sein. Alle eine der Glaube an die Auferstehung und daran, dass die Verstorbenen bei Gott leben. Jesus habe uns gezeigt, dass ein Leben über den Tod hinaus möglich ist, "denn er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben".

Nach der Lesung aus dem Buch Jesaia mit dem Schlüsselsatz: "Ich habe dich beim Namen gerufen, du bist mein!" fasste Hetzel die Situation an den Gräbern in seiner Predigt zusammen. Der Satz des Propheten Jesaia bedeute, wir haben Anteil an der Göttlichkeit.

Hetzel ist gegen Anonymität

Inzwischen habe sich die Bestattungskultur geändert, es sei eine Entwicklung weg von der Erd- hin zur Urnenbestattung zu beobachten. Eine Ursache sei die Frage: "Wer pflegt das Grab nach meinem Tod?" Urnen werden unter Bäumen, auf einem Urnenfeld oder in Stelen deponiert, es gibt auch teilanonyme Bestattung.

Für Hetzel muss aber gewährleistet sein, dass der Name des Verstorbenen nachvollzogen werden kann. Denn dieser Name wurde durch die Taufe bestätigt. Das Einmaligsein des Menschen sei mit dem Namen verbunden. Dies bedinge eine Wertschätzung und Achtung vor dem Einzelnen.

Zwei Punkte sind für Hetzel wichtig: "Jeder ist bei seinem Namen von Gott gerufen. Wir sind dadurch eingeladen, unser Leben mit Respekt vor anderen Menschen zu gestalten. Verstorbene Menschen sind nicht anonym, sondern müssen mit dem Namen angesprochen werden. Indem wir von dem Verstorbenen erzählen, lassen wir ihm Wertschätzung zukommen." Damit beendete Hetzel seine Predigt.

Nach der kurzen Andacht in der Aussegnungshalle begab sich Hetzel begleitet von Kaplan Pater Moison Michael sowie acht Ministranten auf den Weg durch den Friedhof. Besucht wurden das Priestergrab, das Schwesterngrab, die Kapelle und die Gedenkstätten für die Heimatvertriebenen im Friedhof. Im Anschluss daran segneten die Geistlichen alle Gräber mit Weihwasser. Das Weihwasser solle jeden Einzelnen an seine Taufe erinnern, so Hetzel, und uns immer helfen, unsere Verbindung mit Gott zu halten.

Um den Brauch des Gräberbesuchs an Allerseelen, dem 2. November, der im zehnten Jahrhundert im Kloster Cluny begonnen worden war, nicht völlig in Vergessenheit geraten zu lassen, wurde am Samstag in der Kirche St. Maria Magdalena aller im Jahr 2019 Verstorbenen gedacht.

Für jeden Toten eine Kerze

Stadtpfarrer Helmut Hetzel verlas die seit Allerheiligen 2018 Verstorbenen, vor dem Zelebrationsaltar waren die Trauerbilder aufgestellt, für jeden Einzelnen wurde eine Kerze angezündet und dadurch an sie erinnert. Ihre Namen wurden vorgelesen, damit der Name genannt wird, den die Verstorbenen in der Taufe vor Gott erhalten haben. "Ja, sie leben bei Gott und sind nicht vergessen", erklärte Stadtpfarrer Hetzel. Nach dem Gottesdienst konnten die Angehörigen eine Kerze für das Grab der Verstorbenen mit nach Hause nehmen.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren