Zeil am Main
Lesermeinung

"Verschönerungsmaßnahmen" sind in Wahrheit ein Angriff auf das Erbe der Stadt Zeil

Leserbrief zu den Abholzungen und Grünordnungsmaßnahmen in Zeil: Was seit einiger Zeit in Zeil vorgeht, muss man in zwei Sachverhalte aufteilen. Erstens das...
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Leserbrief zu den Abholzungen und Grünordnungsmaßnahmen in Zeil:

Was seit einiger Zeit in Zeil vorgeht, muss man in zwei Sachverhalte aufteilen.
Erstens das Zurückschneiden beziehungsweise auf Stock setzen von Hecken. Dagegen ist natürlich nichts zu sagen, solange alles mit Maß und Ziel ausgeführt wird. Jede dieser Maßnahmen stellt einen teilweise massiven Eingriff in die Natur dar. Mit entsprechenden Folgen. Deshalb ist darauf zu achten, dass zum Beispiel Vögel auf andere Flächen ausweichen können. Erst wenn sich die Natur erholt hat, macht man die nächsten. Das sagt einem doch allein der gesunde Menschenverstand. Die Stadt Zeil aber macht verantwortungslos und ohne Rücksicht auf Verluste einen Standort nach dem anderen platt. Ohne an die Folgen zu denken. Alles gleichzeitig zu machen, ist aus ökologischer Sicht eine Katastrophe. Weniger wäre mehr.
Es wäre also von Anfang an Pflicht von Herrn Bürgermeister Stadelmann und seinen Stadträten gewesen, diese fatalen Folgen in die Planung der Maßnahmen mit einzubeziehen. Vielleicht hätte die Stadt jemand fragen sollen, der sich mit sowas auskennt. Es steht ja auch jedem Bürger frei, sich bei neutralen Fachleuten zu informieren, was die beste Vorgehensweise ist.
Ich habe mir natürlich auch Rat bei Experten geholt und mir erklären lassen, wie die Richtlinien aussehen. Vielleicht hätte die Stadt Zeil eng und in Absprache mit dem Landratsamt zusammenarbeiten können?
Zweitens das Entfernen von Bäumen, Hecken, Sträuchern. Auch hier gilt, dass die Stadt ohne Rücksicht auf Verluste vorgeht. Auch hier gilt, es handelt sich immer auch um Lebensraum, durch dessen Zerstörung unter anderem Vögel, Insekten unmittelbar betroffen sind.
Erinnern möchte ich hier an die sinnfreie und sehr teure Rodungsaktion am Käppele und an das Gemetzel am Tuchanger. Hier handelte es sich nicht nur um Lebensraum, sondern auch um Sicht- und Lärmschutz. Diese Liste könnte man nahezu endlos fortführen, jeder Zeiler kennt solche Ecken, die inzwischen sang- und klanglos für immer von der Bildfläche verschwunden sind. Traurig. Jede dieser Maßnahmen für sich allein ist schlimm genug, alle zusammen gesehen stellen für mich eindeutig einen Angriff auf das Erbe der Stadt Zeil dar. Weil der Bestand an Grünflächen, Bäumen, Hecken, Sträuchern und so weiter wichtiger Teil der 1000-jährigen Geschichte der Stadt ist und untrennbar damit verbunden ist und einfach dazugehört.
Der Grundsatz "Bewahren - Erhalten - Pflegen" müsste mehr denn je gelten und oberste Priorität haben.
Der Bürgermeister und die Stadträte sind angesichts der 1000-jährigen Geschichte der Stadt nur für einen Wimpernschlag gewählt und zuständig. Was ist, wenn die Nachfolger, vielleicht und hoffentlich, die Sache ganz anders sehen? Was wollen sie denen dann noch übergeben? Den traurigen Rest!
Aber solange im Stadtrat zum Beispiel ein Baum nur daran gemessen wird, dass er ja Dreck macht, ist nichts Gutes zu erwarten. Nachhaltigkeit ist nicht zu erwarten. Man kann nur auf die Nachfolger hoffen. Meine Kritik richtet sich nur und ausschließlich an Bürgermeister Stadelmann und seinen Stadtrat, in keinster Weise gegen Bauhofmitarbeiter, die die Arbeiten ausführen.
Zu den Feierlichkeiten zum 1000-jährigen Bestehen der Stadt soll ja ein 1000-stimmiger Chor erklingen und ein fröhliches Lied singen, während in Zeil gleichzeitig die schönen Ecken, die Zeil ausmachen, systematisch zerstört werden.
Ich schlage dem Chor darum als Zugabe das schöne Lied "Karl, der Käfer" vor. Es würde hervorragend zum Stimmungsbild vieler Bürger passen und Sein und Schein wieder näher zusammenbringen.
Horst Steinmüller
Zeil


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