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Forchheim
Verhandlung

Verletzungen durch Schläge oder Sturz?

Ein 48-Jähriger soll während des Annafestes seine Lebensgefährtin angegriffen haben. Doch die Zeugen widersprechen sich.
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Auf dem Annafest ist die Polizei präsent, in dem Fall der möglichen Körperverletzung, der jetzt verhandelt wird, rückten die Beamten mit zwei Einsatzfahrzeugen an. Foto: Josef Hofbauer/Archiv
Auf dem Annafest ist die Polizei präsent, in dem Fall der möglichen Körperverletzung, der jetzt verhandelt wird, rückten die Beamten mit zwei Einsatzfahrzeugen an. Foto: Josef Hofbauer/Archiv

"Der Vorwurf ist affig", lautete der erste Satz, den ein Angeklagter an Amtsrichterin Silke Schneider richtete. Dem 48-jährigen Forchheimer wird vorgeworfen, dass er seine damalige Lebensgefährtin Ende Mai auf dem Parkplatz unterhalb des Annafestgeländes mit Fäusten verletzt hat.

Der Prozess wurde unterbrochen, da zwei geladene Zeuginnen fehlten: eine war erkrankt, die andere einfach nicht gekommen. Gegen Letztere verhängte Schneider ein Ordnungsgeld von 200 Euro oder zwei Tage Ordnungshaft. Das Verfahren wird am 5. November fortgeführt.

Am 29. Mai kurz nach 22 Uhr ging ein Notruf bei der Polizei ein. Junge Leute, so der Leiter der Einsatzgruppe, meldeten, dass es bei einem Streit zwischen einem Paar zu Tätlichkeiten gekommen sei. Die Frau liege blutend am Boden. "Das hat sich massiv angehört, so dass wir mit zwei Autos und Blaulicht anrückten und die Rettungskräfte alarmierten." Genau gegenüber dem Hauptweg zum Annafest fanden die Polizisten den jetzt Angeklagten vor einem Auto vor, mit einem Rucksack auf dem Rücken. Die Frau kniete hinten am Auto und blutete im Gesicht. "Es ist nichts; ich bin bloß gestolpert", behauptete sie gegenüber dem Zeugen aus dem Polizeidienst.

"Er hat mich geschlagen"

Die unbeteiligten Zeugen, die allerdings der Angeklagte kennt, hatten das laut Polizei anders gesehen: Das Paar sei laut streitend den Berg heruntergekommen; der Mann habe beim parkenden Auto heftig auf die Frau eingeschlagen, so dass sie zu Boden ging. Sie habe sich wieder aufgerappelt und wollte flüchten. Da habe sie einen weiteren Faustschlag einstecken müssen. Zu den Sanitätern soll sie gesagt haben: "Er hat mich geschlagen."

Die Richterin hörte dann den jungen Mann, der mit zwei Frauen den Vorfall mitbekommen haben soll. "Er ist ein guter Mann", sagte der 25-jährige Ausländer, der sich zu Ausbildungszwecken in Deutschland aufhält, ungefragt. Er kenne den Angeklagten, habe aber keine Probleme mit ihm.

Er sah das Paar mit einem Hund kommen, will sich dann aber den zwei Frauen, die wenig später die Polizei verständigten, zugewandt haben. Als die eine sagte, der schlage seine Frau, habe er das für einen Scherz gehalten. Als er sich umdrehte, habe er Mann und Frau stehend gesehen. "Und dann ist gleich die Polizei gekommen", schilderte er das Geschehen.

Diese Version kam der Amtsrichterin seltsam vor, hatten doch die aufnehmenden Polizisten vermerkt, dass die drei Personen das Schlagen mit Fäusten beobachtet hätten. Deshalb belehrte sie den jungen Ausländer, dass ihm ein Verfahren wegen Falschaussage drohen könne. Der beharrte jedoch auf seiner Geschichte: "Die Frau hat nicht geblutet und dann kam schon die Polizei." Schneider warnte erneut. Es müssten mindestens zehn Minuten vergangen sein, bis die Polizei anrückte. "Auch die können sich nicht herbeamen." Und als der Zeuge seine Version aufrechterhielt: "Sie kommen in echte Schwierigkeiten, wenn die anderen Zeugen was anderes sagen."

Da rief der Angeklagte drohend dazwischen: "Sie wollen mich heute verurteilen. Nach der Verhandlung nehme ich mir einen Anwalt." Der Zeuge reagierte: "Ich habe meine Wahrheit gesagt." Für die Fortsetzungsverhandlung lädt die Richterin neben den abwesenden Frauen auch die Polizeibeamten, die alle Zeugenaussage vor Ort notiert haben. Der Einsatzleiter: "Die wissen noch genau, wie es ablief."