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Verhängnisvolles Video: Gräfenberger Thomas Müller verlässt die CSU

Ekkehard Roepert Gräfenberg —  Thomas Müller hat mit sofortiger Wirkung den CSU-Ortsvorsitz niedergelegt - und wird auch aus der Partei austreten. Wie berichtet, war Müller im Februar ins Kreuzfeuer d...
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Ekkehard Roepert Gräfenberg —  Thomas Müller hat mit sofortiger Wirkung den CSU-Ortsvorsitz niedergelegt - und wird auch aus der Partei austreten. Wie berichtet, war Müller im Februar ins Kreuzfeuer der Kritik geraten: Facebook-Posts des Gräfenberger CSU-Ortsvorsitzenden legten den Verdacht nahe, er habe sich an Hetze gegen die Demokratie beteiligt. Daraufhin hatte sich Müller entschuldigt und sich von den Posts distanziert.

Doch am Wochenende ging Müllers Gräfenberger CSU-Karriere nun schlagartig zu Ende. Eine Video-Aufnahme wurde ihm zum Verhängnis. Das Video vom November 2018 zeigt Thomas Müller im Kreis einer Gruppe, die das Lied "Auf Kreta im Sturm und im Regen" singt. Am Ende des Liedes ist eine unbekannte Person zu sehen, die den Hitler-Gruß zeigt.

Wie Michael Hofmann, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der CSU im Landkreis Forchheim, dem FT bestätigte, habe seine Partei am Wochenende die Konsequenzen aus dem Vorfall gezogen. Hofmann, der durch die Medien mit dem Video konfrontiert worden war, berief ein Treffen ein, an dem neben Thomas Müller auch die vier stellvertretenden Kreisvorsitzenden der CSU und der stellvertretende Gräfenberger Ortsvorsitzende Hans Derbfuss teilnahmen.

Hofmann sagte unserer Zeitung gestern, dass er sich selbst erst über das Lied habe informieren müssen. "Es handelt sich um ein sogenanntes Kontextlied." Der Begriff "Kontextlied" verdeutliche, dass man den geschichtlichen Kontext, nämlich die Kriegsverbrechen der Nazis auf Kreta, kennen muss, um die Bedeutung des Liedes einordnen zu können.

"Keine weiteren Erklärungen"

Michael Hofmann fasst das Treffen vom Wochenende folgendermaßen zusammen: Thomas Müller habe erklärt, dass er sich "beim Singen des Liedes nichts Schlechtes gedacht" habe; die "konkreten Hintergründe des Liedes" seien ihm nicht bekannt gewesen. Müller habe eingeräumt, dass er sich an diesem Abend anders hätte verhalten und auf die Vorkommnisse anders hätte reagieren müssen; er bedauere sehr, dass von ihm ein falscher Eindruck entstanden sei und verwiese auf seine bereits veröffentlichte Erklärung, die nach wie vor gelte.

Wie Thomas Müller gestern dem FT sagte, wolle er über diese Äußerungen hinaus "keine weiteren Erklärungen" abgeben. Michael Hofmann betonte "im Namen der Teilnehmer des Treffens", dass der Inhalt des Videos "für ein CSU-Mitglied ganz und gar inakzeptabel" sei. Die CSU grenze sich "klar zur AfD und anderen rechtsradikalen Parteien" ab. "Jedes Mitglied muss frei von dem Verdacht sein, solch extreme Positionen nicht mit aller Entschiedenheit zu bekämpfen."

Müller sei bereit gewesen, die Konsequenzen von sich aus zu ziehen, betont Hofmann. Müller verlässt die Partei und wird im Falle einer Wahl (15. März) in den Stadtrat von Gräfenberg das Mandat nicht antreten. Damit, so Hofmann Müller zitierend, wolle er auch Schaden von der CSU und den vielen, sich derzeit im Wahlkampf befindlichen CSU-Kandidaten abwenden.