Redwitz
Gericht

Verfahren nach einem tränenreichen Auftritt eingestellt

Dass es zu einer Verfahrenseinstellung gegen einen Mann aus dem östlichen Landkreis kommen sollte, stand zu Beginn des Prozesses um Körperverletzung nicht zu erwarten. Doch was folgte, war eine tränen...
Artikel drucken Artikel einbetten
Dass es zu einer Verfahrenseinstellung gegen einen Mann aus dem östlichen Landkreis kommen sollte, stand zu Beginn des Prozesses um Körperverletzung nicht zu erwarten. Doch was folgte, war eine tränenreiche Wendung.
Als Staatsanwalt Michael Koch am Donnerstagmorgen aufzählte, weshalb sich der 32-jährige Angeklagte auf der Anklagebank befand, mochte ein Zuhörer im Saal 14 des Amtsgerichts durchaus meinen, dass sich der Vorwurf wohl bewahrheiten werde. Denn seine damalige elf Jahre jüngere Lebensgefährtin soll der Mann in einem Streit geschubst haben. So sehr, dass die junge Frau umknickte und sich einen Zeh brach. Zwei Monate später, so die Anklageschrift, sei die Frau von ihm gegen einen Schrank gestoßen und geraume Zeit darauf mit der flachen Hand gegen den Kopf geschlagen worden.
Doch der Beschuldigte, begleitet von Rechtsanwalt Peter Christ, verneinte rigoros. "Ich möchte mich schon gerne dazu äußern - es stimmt so nicht!" Dann erklärte der junge Mann, dass er mit der Frau, die Anzeige gegen ihn erstattete, im vergangenen Jahr eine Beziehung führte. Als die Frau schwanger wurde, kam die Frage auf, ob eine Abtreibung nicht sinnvoll wäre, und was folgte, war eben diese sowie sein Versuch, der Frau aus dem Weg zu gehen. Von einem gebrochenen Zeh, so der Mann gegenüber Richter Stefan Jäger und Staatsanwalt Michael Koch, habe die damalige Partnerin ihm gegenüber auch nie gesprochen. Einmal, durch ein Schubsen, habe er sich gegen die sich mitunter aufgebracht gebende Frau "gewehrt". Ihre Vorwürfe, geschlagen und misshandelt worden zu sein, seien "an den Haaren herbeigezogen". Mehr noch: Auf seinen Vorschlag, sich zu trennen, hätte die 21-Jährige damit gedroht, er würde noch "sein blaues Wunder erleben".


Ein Bild von Enttäuschung

Der Höhepunkt des Verfahrens bestand im Auftritt der 21-jährigen angehenden Studentin aus dem östlichen Landkreis im Zeugenstand. Doch hier sollte sich kein Bild von böser Absicht ergeben, eher ein Bild von Enttäuschung, Zerfahrenheit und Traurigkeit. So schilderte die Frau, zu einem bestimmten Zeitpunkt im Januar 2018 selbst schon eine Rücknahme der Strafanzeige gegen ihren Ex-Freund angeregt zu haben. Immer wieder verfiel die Frau in Tränen und der Grund dafür schien zu sein, dass sie auf Anraten ihres damaligen Freundes und jetzigen Angeklagten eine Abtreibung vornahm, mit deren Folgen sie heute noch zu kämpfen hat. Immer dann, wenn er seine Tochter bei seiner Ex-Frau besuchte, "bin ich sauer gewesen". Mitunter gab die Frau an, sich wie "eine Furie" benommen zu haben. "Ich war überfordert", so die 21-Jährige zu den psychischen Folgen ihrer Abtreibung. Mehr als einmal wurde sie von Richter Jäger und Staatsanwalt Koch darauf aufmerksam gemacht, dass sie ein Auskunftsverweigerungsrecht habe, so sie sich durch Angaben selbst belaste. Unter Tränen nahm die Frau diesen Hinweis an und versicherte: "Es war net so, dass er auf mich zugegangen und mir eine runtergehauen hat - nie!" An dieser Stelle regte Jäger an, das Verfahren einzustellen. Eine Anregung, der Staatsanwalt Koch eingedenk der durch die Abtreibung hervorgerufenen damaligen schwierigen Situation der Frau beipflichtete.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren