Haßfurt
Gerichtsverhandlung

Vater verpfeift Tochter wegen Drogenbesitzes

Ein ungewöhnlicher Anruf ging bei der Polizeistation in Haßfurt im Juni vergangenen Jahres ein: Ein Vater wies die Beamten darauf hin, dass seine Tochter in Zeil in der Nähe eines Einkaufsmarktes mit ...
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Ein ungewöhnlicher Anruf ging bei der Polizeistation in Haßfurt im Juni vergangenen Jahres ein: Ein Vater wies die Beamten darauf hin, dass seine Tochter in Zeil in der Nähe eines Einkaufsmarktes mit einer geringen Menge Marihuana unterwegs sei, und bat die Ordnungshüter, sie zu suchen und zu kontrollieren. Eine Polizeistreife fand daraufhin die Tochter im Bereich des Zeiler Schulgeländes. Bei der Kontrolle entdeckten die Beamten eine Tüte mit einer geringen Menge "Gras" bei der jungen Frau, die bereitwillig angab, dass sie das Rauschgift von einem 20-jährigen Händler aus dem Steigerwald geschenkt bekommen habe. Sie nannte auch den Namen und die Adresse des Dealers.

Die Polizeibeamten durchsuchten daraufhin am 16. Juni 2018 nach Mitternacht das Zimmer des mutmaßlichen Drogendealers und fanden 32 Gramm Marihuana sowie eine Feinwaage, Druckverschlusstütchen und weitere Drogenutensilien.

Am Montag musste sich der "Gras"-Freund vor dem Jugendgericht verantworten, wo er durch seinen Anwalt Alexander Wessel verlauten ließ, dass er selbst nicht Marihuana konsumiere, sondern nur damit handele. Die geringe Menge "Gras", die bei der jungen Frau gefunden wurde, sei übrigens gar nicht von ihm, sagte der Angeklagte vor Gericht.

Kein unbeschriebenes Blatt

Ganz unbekannt ist er den Ermittlungsbehörden nicht: Im Jahr 2017 erhielt er einen Strafbefehl über 2250 Euro wegen eines Verkehrsdelikts. Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich lobte den Angeklagten für seine "stringente Biografie". Der Angeklagte habe den zweitbesten Quali-Abschluss seines Jahrgangs erreicht und sei in seinem Dorf durch seine Mitgliedschaft in Feuerwehr und Sportverein verwurzelt. Eine Schreinerausbildung habe er erfolgreich abgeschlossen. Da keine Reiferückstände zu erkennen seien, riet Heinrich zur Anwendung von Erwachsenenstrafrecht.

Plädoyers und Urteil

Der Staatsanwalt forderte eine Geldstrafe von 6000 Euro.

Verteidiger Wessel führte die im Grundgesetz verankerte "Unverletzlichkeit der Wohnung" ins Feld und bezweifelte, dass "Gefahr in Verzug" gewesen sei, womit die unangemeldete Hausdurchsuchung begründet wurde. Wessel hielt eine Geldstrafe von 2000 Euro für angemessen.

Der Vorsitzende, Richter Martin Kober, blieb in seinem Urteil in der Mitte der beiden Anträge und verhängte eine Geldstrafe von 3200 Euro für die "nicht unerhebliche Menge". "So ein Ding können Sie sich kein zweites Mal erlauben. Sonst heißt es beim nächsten Mal: einrücken - ja oder nein?, mit fatalen Folgen für Ihr weiteres Leben", ermahnte Kober den Verurteilten.

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