Stralsbach

Ursachenforschung in Stralsbach

In dem Ortsteil des Marktes Burkardroth sorgt eine Abwasserleitung für Unmut. Deshalb begab sich die Interessengemeinschaft Stralsbach auf die Spurensuche nach dem Gestank und dem Lärm und nahm Messungen vor.
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Mitglieder der Interessengemeinschaft Stralsbach begutachten einen Kanalschacht in Stralsbach.  Fotos: Johannes Schlereth
Mitglieder der Interessengemeinschaft Stralsbach begutachten einen Kanalschacht in Stralsbach. Fotos: Johannes Schlereth
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Johannes Schlereth Wer sich in Stralsbach auf die Straße stellt, hat manchmal das Gefühl, dass in direkter Nähe ein Wildbach fließt. Alpenidylle herrscht im Ort allerdings nicht. Hinter dem Geräusch verbirgt sich die Abwasser-Druckleitung. Bei den Stralsbachern sorgt diese wegen des Lärms und des Gestanks für Unmut. Deshalb haben einige Bürger die "Interessengemeinschaft Stralsbach" (IG Stralsbach) reaktiviert, die sich vor einigen Jahren gegen das Industriegebiet an der B 286 stark machte. Die Gruppe fertigte wegen des Kanalproblems Gestankprotokolle an und maß jüngst die Lautstärke der Druckleitung.

"Selbst nachts um 2 Uhr früh wird noch gepumpt", sagt Berthold Kröckel von der IG. An Schlaf ist für ihn dann nicht mehr zu denken. Und das, obwohl der Markt Burkardroth bereits aktiv wurde. An einigen Schächten baute die Kommune Geruchsfilter ein, die nicht nur den Gestank, sondern auch den Lärm eindämmen sollen. "Die Geruchsbelästigung ist etwas zurückgegangen, aber immer noch wahrnehmbar", sagt Kröckel.

Lärm stört die Stralsbacher

Anders sieht es beim Lärm aus. Die nachts durchgeführten Messungen der IG lagen etwa bei 60 Dezibel. Das entspricht einem vorbeifahrendem Auto. Erlaubt sind nachts in Wohngebieten laut dem Bundesimmissionsschutzgesetz allerdings nur etwa 35 bis 45 Dezibel. Die Stralsbacher Druckleitung liegt also deutlich über dem Richtwert. Die Dezibel-Skala hat eine Eigenheit: Zehn Dezibel mehr bedeuten eine Verzehnfachung der Schallenergie.

Das nervt die Stralsbacher. Ob die Pumpaktionen in der Nacht vermeidbar sind, ist eine technische Frage. "Das hängt von der Menge des Zulaufs am Pumpwerk ab", sagt Heiko Schuhmann, der Kämmerer des Marktes Burkardroth. Denn das Abwasser von Lauter, Katzenbach und Waldfenster wird erst durch Stralsbach gepumpt, sobald am Pumpwerk ein gewisser Abwasser-Pegelstand erreicht ist.

Eine Hauptursache des Lärms sieht die IG in der baulichen Ausführung des Kanals. Neuralgische Punkte machte die IG vor allem entlang des "Grabenwegs" und der Straße "In der Strütt" aus. Bei einem Ortstermin warfen die Mitglieder gemeinsam mit Ortssprecher Bernd Müller einen Blick unter die Gullydeckel.

Geöffnet wurde unter anderem der Kanalschacht, in den die Druckleitung mündet. Dort befindet sich ein Absturzschacht, bei dem das Abwasser zunächst gegen die Schachtwand prallt und anschließend wie ein Wasserfall auf die Kanalsohle fällt. "Im Grunde genommen sind das dann zwei Lärmquellen: Das an die Wand platschende Wasser und die daraus entstehenden Verwirbelungen", meint Waldemar Straub von der IG. Damit gehe außerdem der Gestank einher. Durch die Verwirbelungen werde Luft ins Abwasser eingetragen, mit der Folge, dass der Gestank aus dem Gullydeckel ausgast.

Nur wenige Meter weiter zeigte sich ein ähnliches Problem. "Der Kanal hat dort einen seitlichen Versatz. Wenn gepumpt wird, prallt das Wasser gegen die Kanalwände und verwirbelt sich", sagt IG-Mitglied Christian Zwiefel. In der Kritik steht auch der Kanalschacht an der Kreuzung der "Von-Henneberg-Straße" und des "Grabenwegs", bei dem es ebenfalls zu starken Verwirbelungen und Lärmbelästigung kommt. Ob es an den Schächten tatsächlich bauliche Fehler gibt, ist Schuhmann nicht bekannt. Dabei handele es sich um eine Frage für einen Ingenieur.

"Wir wollen zunächst die Laufzeiten weiter optimieren", sagt Schuhmann. Außerdem stehe demnächst noch eine Gasmessung an. "Wenn sich die Probleme letztlich nicht lösen lassen, und die Lärm- und Geruchsbelästigung weiterhin vorhanden ist, dann muss ein Ingenieur tätig werden."

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