Hirschaid

Uran ist fast überall im Grundwasser

Beim Trinkwasser im Westen von Hirschaid wurde der Grenzwert für Uran überschritten. Das Problem ist nicht zum ersten Mal im Landkreis Bamberg aufgetaucht. Das sind die Ursachen.
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Uran findet sich vor allem in weiten Teilen des westlichen Landkreises im Grundwasser. Mit einem Urangehalt von 5,2 Mikrogramm liegt das Wasser aus den Tiefbrunnen im Aurachtal (Foto) allerdings deutlich unter dem Grenzwert. Foto: Ronald Rinklef/Archiv
Uran findet sich vor allem in weiten Teilen des westlichen Landkreises im Grundwasser. Mit einem Urangehalt von 5,2 Mikrogramm liegt das Wasser aus den Tiefbrunnen im Aurachtal (Foto) allerdings deutlich unter dem Grenzwert. Foto: Ronald Rinklef/Archiv
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Die Schlagzeile "Trinkwasser mit Uran belastet" sorgte im Sommer vor elf Jahren bundesweit für Aufsehen und hitzige Diskussionen. Der Verein Foodwatch hatte die zuständigen Behörden aller Bundesländer über die konkreten Uranbelastungen im Trinkwasser befragt und die Antworten ausgewertet.

Einen Grenzwert für das giftige Schwermetall gab es damals noch nicht, lediglich einen "gesundheitlichen Leitwert von zehn Mikrogramm je Liter, den das Umweltbundesamt auch erst seit 2004 empfahl. 150 der gemeldeten Messdaten lagen darüber, zum Teil deutlich - vor allem in Bayern und Baden-Württemberg. Deutscher Spitzenreiter war Maroldsweisach in den Haßbergen mit 40 Mikrogramm, in Erlach (Markt Hirschaid) waren es 31 Mikrogramm - mehr als das Dreifache des Leitwerts, der schließlich im November 2011 zum gesetzlichen Richtwert aufgewertet wurde.

Hirschaid war Vorreiter

Doch schon zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Liste war das Problem in Hirschaid gelöst. Insgesamt vier Brunnen dort versorgen die Gemeindeteile westlich der Regnitz. Erhöht war die Uranbelastung vor allem beim Brunnen Erlach IV. Bereits 2007 beschloss der Gemeinderat einstimmig den Einbau einer bis dahin deutschlandweit einmaligen Uranfilteranlage.

Im Dezember 2007 ging sie in Betrieb. Das kostete etwa 130 000 Euro - und lohnte sich. Der Filter entzog dem Grundwasser das Uran fast vollständig - bis vor ein paar Tagen. Am vergangenen Donnerstag meldeten Landratsamt und Gemeinde, dass der Grenzwert überschritten wurde.

Messungen hätten Werte von elf und zwölf Mikrogramm erbracht. Vorsorglich dürfe das Wasser in den Ortsteilen Erlach, Großbuchfeld, Kleinbuchfeld, Köttmannsdorf, Juliushof, Regnitzau, Röbersdorf, Rothensand und Sassanfahrt "nicht für die Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern bis zum Alter von zwei Jahren verwendet werden".

Der betroffene Brunnen wurde am Wochenende vom Netz genommen, wie der Hirschaider Bauamtsleiter Stefan Endres bestätigt. Doch das kann keine Dauerlösung sein. Denn der Brunnen, der im vergangenen Jahr mehr als 130 000 Kubikmeter Wasser lieferte, wird benötigt, um die verbliebenen drei Erlacher Brunnen nicht dauerhaft zu überlasten.

Belastung auch anderswo

Um die Ursache des plötzlichen Urananstiegs zu klären, sei man bereits in Kontakt mit dem Hersteller des Filters. Möglicherweise liege es am Harz, das verwendet wird, um dem Wasser das Uran zu entziehen. Man hoffe, noch im Juli eine Lösung zu finden, um dann nach einer erneuten Beprobung und in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt den Brunnen wieder in Betrieb nehmen zu können.

Uran im Trinkwasser ist nicht im ganzen Landkreis, aber doch in einigen Gebieten ein Thema. So waren laut der Foodwatch-Veröffentlichung von 2008 zum Beispiel auch für die Ortsnetze Burgebrach, Baunach und Reckendorf Werte von elf bis 16 Mikrogramm je Liter gemeldet worden. In Burgebrach, wo sich drei von insgesamt sieben Brunnen des Wasserzweckverbands Auracher Gruppe befinden, wurde nach Erlass des Grenzwerts das Wasser zunächst mit einem höheren Anteil von Fernwasser aus Südbayern vermischt, wie Wassermeister Klemens Philipp und Geschäftsführer Joachim Karl in einem Gespräch anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Gruppe im vergangenen Jahr berichteten.

Mit Fernwasser gestreckt

2014 wurde dann schließlich eine Uranentfernungsanlage in Betrieb genommen und der Anteil des teuren Fernwassers wieder zurückgefahren. Das Trinkwasser, mit dem fast der ganze westliche Landkreis versorgt wird, hat laut der jüngsten Analyse nun eine Uranbelastung von etwa 2,3 bis 2,5 Mikrogramm je Liter. In den vier Brunnen der Gruppe im Aurachtal, bei denen nach Einführung des Grenzwerts keine Beanstandung gab, sind es dagegen 5,2 Mikrogramm.

Problematischer Grenzwert

Für Foodwatch und andere Experten gilt jedoch auch der Grenzwert von zehn Mikrogramm als nicht unproblematisch. Sie verweisen darauf, dass in Flaschen abgefülltes Mineralwasser, das als "geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung" beworben wird, den Wert zwei Mikrogramm nicht übersteigen darf. Die Kritiker fordern daher, dass der gegenwärtige Uran-Grenzwert gleich auf diese Marke - oder zumindest die Wasserversorger die Bevölkerung warnen müssten, damit Säuglinge und Kleinkinder kein uranhaltiges Leitungswasser trinken.

Im Falle des Erlauer Brunnens wurde diese Warnung erst beim Überschreiten des Zehn-Mikrogramm-Grenzwertes vom Gesundheitsamt ausgesprochen. Bei Mineralwasser in Flaschen, das nicht mit der Eignung für Säuglingsnahrung wirbt, muss der Urangehalt übrigens gar nicht angegeben werden.

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