Unverhoffte Freude

Dank des Domorganisten Karl-Heinz Böhm und eines großzügigen Spenders hat St. Hedwig in Höchstadt-Süd eine neue Orgel bekommen.
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Das neue Instrument testete Harald Matthes, der Senior des Organistenteams von St. Georg, in der Dienstwohnung des Bamberger Domorganisten Karl Heinz Böhm (3. v. l.). Henning Schwarz, Gabriel Konjaev und Bernhard Schöfer konnten sich vom passenden Klang der Orgel für St. Hedwig überzeugen. Foto: Peter Schramm
Das neue Instrument testete Harald Matthes, der Senior des Organistenteams von St. Georg, in der Dienstwohnung des Bamberger Domorganisten Karl Heinz Böhm (3. v. l.). Henning Schwarz, Gabriel Konjaev und Bernhard Schöfer konnten sich vom passenden Klang der Orgel für St. Hedwig überzeugen. Foto: Peter Schramm
Momentan hat die Stadtpfarrei St. Georg viele finanzielle Aufgaben bezüglich der Kirchenrenovierung zu schultern. 1,6 Millionen Euro umfassen die Kosten für die Sanierung der Dachstuhlstatik sowie der Rauminnenschale und der Innenausstattung in Höchstadts altehrwürdiger Stadtpfarrkirche, heißt es in einer Mitteilung der Pfarrei. Hinzu kommen 100 000 Euro nicht bezuschussbare, von der Gemeinde alleine zu tragende Kosten für die Orgelsanierung.
Für einen solchen finanziellen Kraftakt bedarf es vieler Spenden sowie großen Wohlwollens, und innerhalb der Pfarrei haben alle anderen Wünsche hintanzustehen. Da kommen unverhoffte Geschenke gerade recht. Bambergs Domorganist Karl-Heinz Böhm stellte seine private, sieben Register und drei Manuale umfassende Orgel mit Pedal zur Verwendung in einem kleinen Gotteshaus der Erzdiözese Bamberg zur Verfügung. Der Marktwert der Orgel beträgt 150 000 Euro.


"Ein Volltreffer"

"Ein solches Instrument zu bekommen, stellt an sich schon einen Volltreffer dar. Wenn jemand da noch das passende Gotteshaus zur Verfügung stellen kann, ist das ideal", meint Höchstadts Dekan Kilian Kemmer. So traf er sich bereits im Spätherbst mit dem Bamberger Orgelvirtuosen Böhm in der Kapelle St. Hedwig in Höchstadt-Süd. Dieser stimmte sofort zu und hielt die St.-Hedwigs-Kapelle als sehr geeignet für sein Instrument.
Einziger Wermutstropfen aus Höchstadter Sicht: Für Ab- und Aufbau sowie für die Neuintonierung der Orgel als Raumanpassungsmaßnahme wären im Gesamtpaket 44 000 Euro zusammengekommen. Damit war für den Dekan die einzigartige Möglichkeit gestorben. "Im Jahr der Kirchenrenovierung gibt es für die Kirchenverwaltung logischerweise nur das eine notwendige Projekt. Für alles andere haben wir kein Geld." So war der Fall vom Tisch, hätte nicht ein großer Förderer der St.-Hedwigs-Kapelle davon erfahren und als Einzelspender den Einbau der Orgel doch noch ermöglicht.
Die Kapelle und der angebaute gleichnamige Kindergarten wurden im Jahr 1995 eingeweiht. Das kleine Gotteshaus dient der Kindertagesstätte, der Grundschule Süd und auch der Fachakademie Höchstadt immer wieder als Gottesdienstort. Allwöchentlich findet eine Messe in St. Hedwig statt. Am letzten Freitag des Monats treffen sich die Familien, die im Zeitraum der vergangenen vier Wochen einen Angehörigen verloren haben, jeweils in St. Hedwig zur monatlichen Totenmesse. Im zweiten Quartal des Jahres wurde nun genau dort die neue Orgel eingebaut und wird am Samstag, 14. Juli, eingeweiht. "Ein völlig ungeplantes Projekt, das uns zum Nulltarif geschenkt wird", so der Dekan.
Weitere Nutznießer dieses Projektes sind die St.-Laurentius-Kapelle in Nackendorf und die dortige Dorfgemeinschaft. Denn die bisherige, 20 Jahre alte Truhen-Pfeifenorgel aus der Hedwigskapelle kann in die Nackendorfer Kapelle platziert werden, um dort die Gottesdienste zu umrahmen und damit das bisherige, 25 Jahre alte elektronische Instrument zu ersetzen. Bereits im Dezember kündigte Dekan Kilian Kemmer bei der Dorfweihnachtsfeier diese Nachricht zur Freude der Filialgemeinde im Höchstadter Ortsteil und zur Überraschung des Kapellenvereins an.


Einsatz bei der Kulturmeile

Das Höchstadter Organistenteam der Stadtpfarrkirche mit Wolfgang Först, Gabriel Konjaev, Bernhard Schöfer, Reinhard Döring, Katharina Heilmann, Henning Schwarz und Harald Matthes zeigte sich über diese Überraschung sehr erfreut und wird auch im Rahmen der Höchstadter Kulturmeile die neue Orgel von St. Hedwig mit einbeziehen.
Dankbar zeigt sich der Dekan im finanziell so angespannten Jahr der Kirchenrenovierung, in dem "so viele Spenden flossen und noch gebraucht werden", dass die Pfarrei ein solches Geschenk bekommt. "Genauso dankbar bin ich, dass wir nicht nur an uns selbst gedacht haben." Über 86 000 Euro wurden für die sozialen Projekte der kirchlichen Hilfswerke in St. Georg gesammelt. Der alte Sinnspruch scheint in der Stadtpfarrei mit einem Orgelgeschenk in Erfüllung gegangen zu sein: "Gib und dir wird gegeben." red
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