Herzogenaurach

Unterschiedliche Realitäten

Mandatsträger aus Herzogenaurach und Region haben auf einen offenen Brief von Wolfgang Seitz, Hans Schmid und Konrad Eitel geantwortet. Ausgerechnet der für alle antwortende CSU-Vertreter habe die Chance zu einem Dialog vertan.
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Wolfgang Seitz wundert sich über die Stellungnahme der CSU - er hatte sich mehr Dialog gewünscht.  Foto: Michael Busch
Wolfgang Seitz wundert sich über die Stellungnahme der CSU - er hatte sich mehr Dialog gewünscht. Foto: Michael Busch
Michael Busch

Es ist kein einfaches Thema. Wolfgang Seitz weiß das. Aber umso wichtiger sei es, dass dieses Thema nicht unter den Tisch falle und in der Bevölkerung mehr Aufmerksamkeit erfahre. "Wir brauchen einen Dialog und keinen politischen Schlagabtausch" sagt er und geht damit gleich tief ins Thema hinein: Flüchtlinge.
Vorgeschichte: Nachdem Kardinal Rainer Woelki, Erzbischof von Köln, sich mit einem dramatischen Appell zur Asyl- und Flüchtlingsdebatte zu Wort gemeldet hatte, nahmen die drei Herzogenauracher Wolfgang Seitz, Hans Schmid und Konrad Eitel sich dieses Aufrufes an. In einem Schreiben an die lokalen Politiker forderten sie diese auf, klar Stellungnahme zur stattfindenden "Asylwende" zu nehmen. "Wir erhoffen eine klare Distanzierung." Immerhin gehe es um ein Wertesystem, das ausgerechnet von Politikern, die sich selber "christlich" titulieren, nachteilig ausgehöhlt werden solle.


Großer Zuspruch zum Brief

Nun gab es die Antworten. "Es ist kein einfaches Thema", wiederholte Seitz erneut. Nüchtern kann man hier die Statistik wiedergeben: Von der CSU antwortete eine Person (Stefan Müller), die SPD antwortete mit drei Stimmen (Martina Stamm-Fibich, Alexandra Hiersemann, Curd Blank), bei den Grünen gab es zwei Antworten (Uschi Schmidt, Retta Müller-Schimmel), bei den Freien Wählern gab es ein gemeinsames Schreiben der Stadträte Christian Schaufler und Manfred Welker. Von der FDP gab es keine Antwort.
Wolfgang Seitz ist in der Reaktion auf die Antworten allerdings gespalten. "Der Zuspruch zu unserem offenen Brief war größer, als wir dachten." Es seien viele Mitmenschen gekommen, die den Brief mit unterschreiben wollten. Deutlich sei geworden, "dass viele Menschen aus allen Parteien von der Verrohung der Sprache in Sachen Flüchtlinge und Asyl irritiert sind". Seitz ist aber enttäuscht, dass die CSU offensichtlich kein Interesse an dem angebotenen Dialog gehabt habe.
Lediglich Stefan Müller (MdB) habe im Namen aller geschrieben. "Das irritiert mich etwas", sagt Seitz. Da er wisse, dass eben auch in der CSU sehr differenzierte Meinungen vorlägen. Einige der Unterzeichner des Briefes seien eben aus der Partei, die den Wert "christlich" im eigenen Namen verankert habe. "Aus persönlichen Gesprächen wissen wir, dass viele CSU-Vertreter eben nicht mit Müller übereinstimmen, der zum Beispiel in seinem Brief bestreitet, dass im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Asylpolitik christliche Werte und grundlegende Menschenrechte verloren gehen." Müller beklagte die moralische Anmaßung, die hinter dieser Aussage stehe, andere CSU-Politiker sehen das ebenso wie Kardinal Woelki oder die Verfasser des Herzogenauracher Briefes.
Letztlich sei es aber auch ein Zeichen, dass Stefan Müller auf weitere zwei Briefe, die dann noch folgten, gar nicht mehr antwortete. Seitz beklagt: "Die CSU nimmt Initiativen wie die unsrige in der gegenwärtigen Situation offenbar als Aktionen wahr, die ihr vor der Landtagswahl schaden könnten." Dagegen sei es aber gerade bei dem versuchten Dialog mit den kirchlich engagierten Initiatoren aber gegangen.


Falsche Wortwahl

Die anderen Beantwortenden hätten das erkannt und entsprechend geantwortet. Neben dem Dank für das Engagement gab es sehr unterschiedliche Ausführungen. Martina Stamm-Fibich verweist auf ihre bekannte Haltung in diesem Bereich der Politik, bat aber, von einer Veröffentlichung des Antwortschreibens abzusehen. Alexandra Hiersemann "teilt die Wut und Empörung über die Behandlung der Menschen, die hilfesuchend zu uns kommen". Curd Blank beklagt die Wortwahl in der Asyldebatte und den Zulauf zum rechten Parteienspektrum.
Retta Müller-Schimmel beklagt "die Abschottung Europas gegenüber Flüchtlingen und die Kriminalisierung von Seenotrettern". Im gemeinsamen Schreiben der Freien Wähler heißt es: "Die aktuelle Politik kann mehr machen, als heute getan wird."
Und wie geht es weiter? Wolfgang Seitz zeigt sich noch nicht erschöpft oder gar ideenlos. "Es wird eine Podiumsdiskussion geben - noch vor der Wahl." Dort sollen politische Vertreter nochmals klar Stellung zum Thema Asylpolitik beziehen. Denn eines sei wichtig, nämlich das, was Kardinal Woelki an das Ende seines Appells gestellt hat: "Es geht um unser Land. Es geht um Europa, seine Werte, seine Würde!"
Unausgesprochen blieb: "Und da gehört Herzogenaurach dazu!"
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