Lichtenfels

Unterm Deckmantel des Naiven

Die wiederbelebte Theatergruppe des Meranier-Gymnasiums wagte sich an "Der kleine Prinz".
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So geht Bühnenbild: Drei Rosen in Andeutung. Fotos: Markus Häggberg
So geht Bühnenbild: Drei Rosen in Andeutung. Fotos: Markus Häggberg
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Das Flugzeug ist gelandet - wie doppeldeutig. In der einen Richtung verweist der Satz auf die Notlage einer Hauptfigur, auf der anderen Seite auf den erfreulichen Umstand, wonach es am Meranier-Gymnasium wieder Theater gibt. Schauspieltheater, wohlgemerkt. Mit "Der kleine Prinz" gelang einem Schülerensemble ein erster Achtungserfolg.
"Die großen Leute sind sonderbar", lautete ein Satz, der am Mittwoch und Donnerstag in den Aufführungen fiel. Schon wieder so ein Satz mit Übertragungsmöglichkeit, denn tatsächlich saßen vergleichsweise wenige Erwachsene im Publikum. Aber warum? Es mag ja sein, dass die Tradition hochwertiger Theaterarbeit am heimischen Gymnasium durch vierjährige Inaktivität eine Delle bekommen hat, die nun wieder ausgebeult werden soll. Doch dass diese Delle auch ins Besucherinteresse geriet und sich dort hielt, war auch sonderbar. Was die Abwesenden verpassten, war eine liebenswerte Aufführung, die von einem naiven Charme lebte, der darum überzeugte, weil er beabsichtigt wirkte.
Da war also der Erzähler, gespielt von Tamara Schnapp, der in der Wüste mit seinem Flugzeug notlandete und dort auf einen Prinzen und naseweisen melancholischen Optimisten traf, gespielt von Lewis Vincent. Was folgte, ist bekannt: Es wird unter dem Deckmantel des Naiven vom Autor Antoine de Saint-Exupéry (1900-1944) bilderreich und tief in Psyche und Gemüt gegriffen, es wird Kritik an der Welt der Erwachsenen geübt, an ihrer fragwürdigen Sicht darauf, ob, wenn ausschließlich Geld zum Zweck eines Bestrebens wird, die Vernunft diesen Weg noch begleitet.


Oberflächlichkeit demaskiert

Mit literarischen Bildern, die auch Kindern zugänglich sind, demaskiert Saint-Exupéry die Oberflächlichkeit Erwachsener und das kulminiert irgendwann in dem weltberühmten Satz, den ein Fuchs dem kleinen Prinzen auf den Weg mitgibt: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."
Was zu den Vorzügen dieser von dem siebenköpfigen Schauspielensemble aus zumeist 14-Jährigen getragenen Aufführung aus kurzen szenischen Sequenzen zählte, war beispielsweise das gekonnt reduzierte Bühnenbild, bestehend aus bemalten Kartonquadern, die immer wieder neu zusammengestellt werden konnten. In schlichter Größe gelang so beispielsweise die Symbolisierung dreier Rosen durch drei Schauspieler, die hinter mit Stängeln bemalten Quadern saßen und rote Kopftücher und Sonnenbrillen trugen. So reduziert das Bühnenbild auch war, es blieb immer angemessen.
Schon auf einem guten Weg zur Glaubwürdigkeit in ihrer Rolle als Fliegerin und Erzählerin war auch Tamara Schnapp. Und wie verhielt es sich bei dem Prinzendarsteller Lewis Vincent? Das Kuriose an seiner Darbietung war, dass selbst dann, wenn die von ihm manchmal zur Schau getragene Unsicherheit echt gewesen wäre, man diese überzeugend nennen müsste.
Doch auch dem Rest der Truppe gebührte Lob für das Eintauchen in die Wiederbelebung der Theatertradition. Die Frau, die das ermöglichte und die Regie übernahm, ist die Studienrätin Christina Weisenseel-Wiesen, eine Lehrerin, die einst selbst ihr Abitur am Meranier-Gymnasium ablegte. "Wir brauchen das wieder, das fehlt so", erklärte sie während der Pause gegenüber unserer Zeitung zur Wiederbelebung der pausierenden Theatertradition. Mit Plakaten sei sie darum an die Schüler herangetreten und im Januar seien erste Meldungen eingegangen. Die Frau beweist Humor und Wortwitz, wenn sie sagt, dass sie "in einem Anfall von Mut und Selbstüberschätzung" so gehandelt habe, wird aber ernst, wenn sie eine weitere Facette angedachter weiterer Theaterarbeit erwähnt: "Wir haben hier Schüler, denen wir nachmittags auch gerne ein Zuhause bieten wollen, da wir mehr sind als eine Lernanstalt." Eine Tradition ist also zurück, weitere Produktionen sind angedacht. Und sollten besucht werden.
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