LKR Bamberg

Unter Strom quer durchs ganze Land

Viel von dem, was Politik und Wirtschaft aktuell predigen, wird im Landkreis bereits praktiziert. Der Maßstab ist natürlich nicht zu vergleichen, doch die Modellprojekte zeigen, was möglich ist.
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Die Elektromobilität ist mal wieder in den Schlagzeilen. Die Bundeskanzlerin verspricht beim Autogipfel eine Million neuer öffentlicher Ladepunkte und der Tesla-Chef kündigt den Bau einer "Gigafactory" bei Berlin an. Nach vielen Jahren, in denen die Stromer auf vier Rädern hierzulande teils belächelt, teils verschmäht wurden, scheint sich rund um die deutsche Automobilbranche eine gewisse Torschlusspanik breitzumachen.

Ginge es nach Robert Martin, wäre der Boden für diese Mobilitätswende schon länger vorbereitet. Im Landkreis Bamberg wirbt der Klimaschutzbeauftragte seit Jahren für die Vorzüge der Elektromobilität und setzt alles daran, eine realistische Basis zu schaffen. Zunächst ging es darum, im Landkreis eine halbwegs flächendeckende Ladeinfrastruktur aufzubauen. 2015 legte der Landkreis ein Förderprogramm auf, das Gemeinden für die Errichtung einer Ladesäulen einen Zuschuss von 2500 Euro zusicherte. Immerhin zwei Drittel der Landkreiskommunen stiegen ein.

Infrastruktur aufgebaut

Inzwischen gibt es im Landkreis etwa 50 kommunale Ladestationen plus eine Handvoll von privaten und sonstigen Betreibern mit insgesamt rund 100 Ladepunkten, die alle öffentlich zugänglich sind. Und auch in der Stadt Bamberg war der Landkreis aktiv. Zunächst am Landratsamt, dann auf dem Parkplatz Schillerplatz auf dem Areal des Landwirtschaftsamtes. Dort war zwar schon 2012 die erste Ladesäule in der Bamberger Innenstadt installiert worden, doch in diesem Sommer wurde deren Zahl auf acht erhöht.

Nicht, dass der Bedarf dafür jetzt schon da wäre. Dessen ist sich auch Robert Martin bewusst. Sein Ziel war es, die Plätze nicht exklusiv für Elektroautos frei zu halten und dennoch für deren Fahrer die Chance zu erhöhen, an einem Ladepunkt andocken zu können. Was Martin jetzt allerdings feststellt: Offenbar ist das Thema Elektromobilität schon so stark im allgemeinen Bewusstsein verankert, dass sich Verbrennerfahrer oft nicht mehr trauen an einer E-Zapfsäule zu parken, obwohl sie es in diesem Fall dürften.

E-Carsharing als Appetitmacher

Als zweite Säule der E-Mobil-Offensive startete dann 2016 das Projekt E-Carsharing. Nicht aus kommerziellen Überlegungen, sondern um die Schwellenangst vor der Elektromobilität abzubauen. Denn bislang lief (und läuft) der Teufelskreis meist so: Weil nur wenige Autos mit Strom unterwegs sind, rechnet sich der Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur kaum. Und die Leute kaufen kein E-Auto, weil sie nicht wissen, wie und wo sie Stromtanken können oder weil die Reichweite ihnen zu gering erscheint.

"Ich habe keine Reichweitenangst", meint aber zumindest Michael Ullwer, Nutzer der ersten Stunde des E-Carsharings. Der Bamberger und seine Familie legen fast alle Strecken mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurück. Ein Auto haben sie nicht. Wenn's aber mal etwas weiter weg gehen soll, dann ist für Ullwer das geliehene Elektroauto die beste Lösung. Auf den Geschmack kam er gleich im Mai 2016. Zum Auftakt des E-Carsharings gewann Ullwer bei einer von Martin organisierten Verlosung für ein halbes Jahr einen BMW i3 zur kostenlosen Nutzung.

Erfahrung auf Langstrecken

"Das war noch das alte Modell mit 130 Kilometer Reichweite, danach das Auto vom Carsharing mit 170 Kilometer und jetzt sind es ungefähr 250", erinnert sich Ullwer. Das hinderte ihn aber nicht an Urlaubsreisen bis nach Dänemark und Österreich. Mit etwas Vorausplanung und Übernachtung sei das überhaupt kein Problem und ein entspanntes Reisen.

"Die Fahrzeuge waren schon in Dänemark, den Niederlanden Österreich, der Schweiz und Italien", weiß auch Martin. Als Geschäftsführer der Regionalwerke, über die seit diesem Sommer das E-Carsharing läuft, hat er das genau im Blick. Und die Zahlen zeigen, dass die Fahrzeuge rege genutzt werden. Rund 150 000 Kilometer haben die 16 Autos des E-Carsharings von Anfang Mai dieses Jahres bis Mitte November zurückgelegt.

Ein Standort - wobei "stehen" in diesem Zusammenhang es nicht ganz trifft - ragt dabei heraus. Der Gundelsheimer Elektro-BMW hat allein mehr als 18 000 Kilometer zurück gelegt. Womöglich liegt es daran, dass der Bamberger Michael Ullwer das Auto vorzugsweise in stadtnahen Gemeinden wie Gundelsheim bucht. Und sehr wahrscheinlich hat Robert Martin, neben all seinen Jobs im Klimaschutz- und Energiebereich des Landkreises, als Zweiter Bürgermeister der Gemeinde Gundelsheim auch außerdienstlich viel zur dortigen Popularität der Elektromobilität beigetragen.

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