Kulmbach
Rangelei

Unschuldig vor Gericht

Ein 22-jähriger Kulmbacher stand am Donnerstagvormittag vor dem Kulmbacher Amtsgericht. Er soll im September 2017 zusammen mit einem Kumpel einen 19-jährigen am zentralen Omnibusparkplatz zusammengesc...
Artikel drucken Artikel einbetten

Ein 22-jähriger Kulmbacher stand am Donnerstagvormittag vor dem Kulmbacher Amtsgericht. Er soll im September 2017 zusammen mit einem Kumpel einen 19-jährigen am zentralen Omnibusparkplatz zusammengeschlagen haben, weil dieser nicht seine letzte Zigarette hergeben wollte.

Wie sich jedoch aus der Befragung durch Richterin Sieglinde Tettmann ergab, war der Vorwurf wegen gefährlicher Körperverletzung gegen den Angeklagten nicht haltbar. Der Zeuge und gleichzeitig Geschädigte verzettelte sich in Widersprüche und musste schließlich eingestehen, dass der Beschuldigte nicht wie bei der Polizei ausgesagt gemeinsam mit seinem Kumpel auf ihn eingeschlagen hatte.

An den Hals gegangen

Vielmehr sei es so gewesen, dass der Angeklagte und sein Freund dem Geschädigten dessen Mütze aus Spaß entwendet hätten. Daraufhin sei Letzterer dem 22-Jährigen an den Hals gegangen und habe nicht mehr losgelassen. Der Angeklagte habe ihm daraufhin eine Ohrfeige versetzt.

Mit dem dritten Beteiligten, der als Zeuge die Aussage des Angeklagten unterstützte, sei er schließlich in eine Auseinandersetzung geraten, weil er aus Versehen dessen Bierflasche umgestoßen hätte.

Richterin Sieglinde Tettmann klärte den Zeugen darüber auf, dass er sich einer Falschaussage oder einer falschen Verdächtigung durch seine Zeugenaussage bei der Polizei strafbar machen könnte. Um sich selbst nicht zu belasten, machte er daraufhin von seinem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch und nahm seine bisherigen Aussagen zurück. "Denken Sie in Zukunft nach, wenn Sie jemanden zu Unrecht beschuldigen, und lassen Sie sich diesbezüglich von niemandem mehr beeinflussen", ermahnte Richterin Tettmann. Der Zeuge, der bislang keine Vorstrafen hat, hatte nämlich angegeben, er habe sich von anderen zu dieser Falschaussage verleiten lassen.

Das Verfahren gegen den Angeklagten wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft eingestellt, da eine wechselseitige Auseinandersetzung im Raum steht, ein Tatnachweis nicht gesichert ist und die zu erwartende Strafe nicht ins Gewicht fällt.

Außerdem erfolgte die Einstellung in Hinblick auf ein neues Verfahren gegen den Angeklagten wegen Trunkenheit im Straßenverkehr, bei dem er mit einer nicht unerheblichen Strafe rechnen muss.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren