Bamberg

Unerschrocken gegen Unrecht

Vor 75 Jahren, am 3. Juli 1944, wurde der Bamberger Rechtsanwalt Hans Wölfel von Nazischergen ermordet. Heute erinnert eine Feier an seinem Ehrengrab auf dem Hauptfriedhof an diese vorbildliche Persönlichkeit.
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Ehrengrab von Hans Wölfel im Bamberger Friedhof Foto: Ronald Rinklef
Ehrengrab von Hans Wölfel im Bamberger Friedhof Foto: Ronald Rinklef
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Marion Krüger-Hundrup Die Worte, die der damalige Bamberger Oberbürgermeister Herbert Lauer anlässlich des 100. Geburtstages von Hans Wölfel am 9. April 2002 fand, sind auch heute gültig. Lauer sagte in der Gedenkveranstaltung: "Hans Wölfel war eine der Persönlichkeiten, für die wir in Bamberg dankbar sein müssen und deren Haltung zur Unrechtdiktatur der Nazis uns Vorbild und Verpflichtung sein muss ... Hans Wölfel ist ein leuchtendes Beispiel für den inneren und äußeren Widerstand, den jeder auch im Kleinen gegen entsprechende Tendenzen in der Gesellschaft aufbringen kann."

Schon in der ersten Ausgabe des Fränkischen Tags nach dem Zweiten Weltkrieg zum 8. Januar 1946 würdigte Wölfels Berufskollege und Freund Thomas Dehler ihn so: "Hans Wölfel, der um der Wahrheit willen einen ungerechten Tod erlitt, lehrt uns, die Wahrheit lieben und das Unrecht verachten: die Wahrheit bekennen, auch wenn sie den Machthabern nicht gefällt und wissen, daß Unrecht Unrecht bleibt, auch wenn der Machthaber vorgibt, es nütze dem Volk und werde dadurch zum Recht. In diesem Geiste wollen wir einen neuen Staat der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens schaffen! Wenn sich unser Gelöbnis erfüllt, dann ist Hans Wölfel nicht umsonst gestorben."

Eine Deutung

Dehler, von 1949 bis 1953 Bundesjustizminister, hat damit weitsichtig umrissen, wie das bittere Lebensende des Bamberger Rechtsanwalts und katholischen Laienführers Hans Wölfel gedeutet werden kann. Vor genau 75 Jahren, am 3. Juli 1944, wurde er im Gefängnis Brandenburg-Görden hingerichtet, nachdem er am 10. Mai 1944 vom Volksgerichtshof wegen "Wehrkraftzersetzung" zum Tod verurteilt worden war. "Das in dem Todesurteil zum Ausdruck kommende Rechts- und Staatsverständnis zeigt den totalitären Staat in seiner ganzen Perversion, der die Unterdrückung der eigenen Bürger und willkürliche Hinrichtungen als Mittel der Staatsräson betrachtete. Das Urteil über Hans Wölfel durch die damalige Justiz macht auch deutlich, dass sich diese zum Handlanger des ‚braunen Terrors‘ machte", erklärte Herbert Lauer.

Handlanger waren aber auch die einfachen Bürger, die als glühende Anhänger des Regimes und NSDAP-Parteigenossen Andersdenkende und Unliebsame denunzierten. Einer solchen fiel Hans Wölfel zum Opfer, die mehr durch Zufall seine kritischen Bemerkungen über die politische und militärische Lage Deutschlands hörte. Im Kreis von Bekannten hatte Wölfel im Juli 1943 etwa gesagt, dass Hitler der größte Wortverdreher aller Zeiten sei.

Schon in jungen Jahren entwickelte Hans Wölfel, der 1922 am Alten Gymnasium in Bamberg das Abitur machte, eine distanzierte Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus und eine positive Einstellung zur Demokratie. Auf der Grundlage seiner religiösen Einstellung und seiner engagierten Zugehörigkeit zur katholischen Kirche war er früh bereit, Verantwortung für das Gemeinwohl als Gegengewicht zur nationalsozialistischen Bewegung zu übernehmen. Dies tat er unter anderem ab 1929 als Rechtsanwalt mit Kanzlei in der Bamberger Luitpoldstraße.

Hans Wölfel verteidigte Bürger, die wegen angeblich staatsgefährdender Vergehen vor dem Sondergericht angeklagt waren. Der größte Teil seiner Mandanten waren Arbeiter, Handwerker, Bauern, Frontsoldaten und Kriegshinterbliebene, die ihm oft kein Honorar zahlen konnten. Wölfel-Biografin Mechthildis Bocksch wertet seinen beruflichen Einsatz auch als "Widerstand gegen das NS-Unrechtsregime". Denn während das NS-Strafrecht Sühne und Abschreckung als vorrangige Strafzwecke ansah, sei es Hans Wölfel um das Recht und um die Menschen gegangen. Mit seiner Auffassung "Recht muss Recht bleiben" habe er im deutlichen Gegensatz zur NS-Rechtsauffassung gestanden, die besagte "Macht geht vor Recht und Recht ist, was arische Männer für Recht befinden", so Bocksch.

Widerchristliche Staatsgewalt

Nicht alle, die vor dem Volksgerichtshof standen und wegen Wehrkraftzersetzung angeklagt waren, wurden zum Tode verurteilt: "Die Hinrichtung Wölfels muss daher als die bewusste Beseitigung eines Mannes gedeutet werden, der die Ideologie und den Machtanspruch des Nationalsozialismus ablehnte." So sieht es der "Förderkreis zur Pflege des Erinnerns an Hans Wölfel e.V." mit dessen Vorsitzenden Gerhard Förch. Der frühere Domkapitular und Dompfarrer führt Wölfels Suche nach Einheit im Leben an, das er nach christlichen Grundsätzen geformt habe: "Das befähigte ihn zum Widerstand gegen eine ungerechte und widerchristliche Staatsgewalt."

Förch gebraucht noch einmal den Begriff "Widerstand": "Ich wünsche mir, dass das Gedenken an Hans Wölfel so weit geht, dass gerade die Jugend heute Widerstand gegen Extreme leistet." So ist der Priester dankbar, dass Schülerinnen des Maria-Ward-Gymnasiums ein Zeichen setzen und aktiv an der heutigen Gedenkfeier zum 75. Todestag Hans Wölfels an seinem Ehrengrab auf dem Hauptfriedhof mitwirken. Die Feier beginnt um 18 Uhr.

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