Münchaurach

Unendliche analoge Geschichten

4000 Medien hat die Münchauracher evangelische Bücherei in ihrem Fundus. Für jeden ist etwas dabei, Sachbuch, Krimi, Kinderliteratur. Das Einzige, was fehlt, sind die vielen Leser, die Leben in die Bücherei bringen.
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Susane Traut (v.l.), Karin Engelhardt, Sigrid Schiffer und Dietmar Ottmar sind ein Teil der ehrenamtlichen Helfer in der Bücherei. Engagement und die Liebe zum Buch motivieren die Mannschaft.  Foto: Michael Busch
Susane Traut (v.l.), Karin Engelhardt, Sigrid Schiffer und Dietmar Ottmar sind ein Teil der ehrenamtlichen Helfer in der Bücherei. Engagement und die Liebe zum Buch motivieren die Mannschaft. Foto: Michael Busch
Michael Busch

Es ist der Geruch, der diesen Ort so faszinierend macht. Er ist schwer zu beschreiben, aber jeder weiß, wie es in Bibliotheken riecht. Ein wenig nach bedrucktem Blatt, ein Hauch vergilbtes Papier und irgendwie riecht es nach Geschichten und Geschichte. Trotz des Fortgangs der Zeit scheint eben diese in Bibliotheken oft stehengeblieben.
"Leider", sagen auch Susanne Traut und Dietmar Ortmaier. "Die Büchereien haben wohl ein wenig verpasst, mit der Zeit zu gehen." Die beiden arbeiten ehrenamtlich in der kleinen evangelischen Bücherei nahe der Klosterkirche in Münchaurach. Eine in einem alten Fachwerkhaus untergebrachte Bücherei. "Mit immerhin 4000 Medien", erklärt Traut. Neben den Büchern gibt es Hörspielkassetten und einige wenige CDs. Ein Schrank voller Brettspiele zeigt im Grunde auch die Zeit an, keine elektronischen Daddelspiele, sondern Brettspiele. Analog sozusagen.
"Die elektronischen Medien passen hier nicht unbedingt hin", sagt Ortmaier. Und ergänzt: "Wir wollen doch, dass gelesen wird."
Es wäre so einfach. Das Schwierigste ist die steile Treppe hoch, um in die Räume der Bücherei zu gelangen. Aber eine der 13 ehrenamtlichen Bibliothekare hilft auch an dieser Stelle gerne weiter. Dann wird es im Grunde einfach: Buch aussuchen, Ausleihschein ausfüllen lassen, gehen und lesen. Oder in der Leseecke bleiben und lesen. Kein großer Aufwand, vor allem keine Kosten. "Man muss nicht gleich ein teures Buch kaufen, um dann festzustellen, dass es nichts ist." In Münchaurach kostet die Entleihe nichts. "Das Einzige, was wir gemacht haben, dass wir vor kurze Zeit Mahngebühren eingeführt haben."
Das erzählt Traut aber eher zurückhaltend, die Bücherei ist nicht der Ort, wo Geld umgesetzt werden soll. Dabei wäre dieses so bitternötig. Denn im Grunde befindet sich diese Bücherei und viele andere in Bayern übrigens auch, in einem Dilemma. "In einem regelrechten Teufelskreis", betont Ortmaier.


Es gibt da eine Quote

Kurz dargestellt kann man das so erklären: Im Grunde soll jedes Buch in der Bücherei einmal im Jahr ausgeliehen werden, das ergibt dann die Quote Eins. Die Quote steigt bei einem Bestseller, der im Grunde die Bücherei nur zur Übernachtung braucht; die Quote fällt bei Ladenhütern, die angeschafft, aber eben nicht ausgeliehen werden. Und wie beim Fernsehen auch, spielt diese Quote eine Rolle bei der Förderung der Büchereien.
Ist diese bei Eins oder drüber gibt es ordentliche Zuschüsse, je kleiner der Wert, desto geringer die ausbezahlte Summe. Warum Teufelskreis? Weil die Büchereien dringend ein wenig mehr Geld bräuchten, um zumindest leseaktuell im Trend zu bleiben.
"Wir können nur bedingt Neuerscheinungen anschaffen", erklärt Traut. Die würden aber die Quote heben, trotz des schon schlechten Besuches. Dies stabilisiere dann wiederum die Zuschüsse. Vertrackte Situation!
Es sei aber nur ein Teil der Wahrheit, geben die beiden zu. "Es fehlen einfach die Leser", sagen sie unisono. Dass Sachbücher nicht mehr so gut laufen, sei nachvollziehbar. Die Konkurrenz des Internets sei einfach zu groß. "Wenn ich etwas wissen will, habe ich dort die Antworten schnell parat", sagt Traut. Bei den anderen Büchern gebe es aber gute Gründe diese in die Hand zu nehmen. "Es ist einfach etwas anderes, im Buch zu schmökern oder ein E-Reader in der Hand zu haben." Es sind die Bilder, die Generationen geprägt haben. Das Kind mit Taschenlampe unter der Bettdecke, die Eltern in der Badewanne liegend mit einem guten Buch, die Oma mit dem großen Märchenbuch und die Enkel um sich aufgereiht, die genussvoll und aufmerksam zuhören. Diese Bilder gibt es mit E-Reader noch nicht wirklich.


Angebot ausweisen

Was man tun kann? "Vieles", sagt Traut. Sie bildet sich momentan zur Fachfrau für Büchereiwesen und Literaturförderung weiter. Das täte sie nicht, wenn sie gar keine Hoffnung mehr hätte, dass es mit dem Büchereiwesen wieder ein wenig besser würde. "Ich gehe zum Beispiel bei uns in den Kindergarten und biete einen Bücherei-Führerschein an." In vier "Unterrichtseinheiten" wird den Kindern in der Bücherei die selbige nähergebracht. Es geht um die Büchereien im Allgemeinen, aber auch so manches Buch im Speziellen. Weiterhin weitet man das Angebot aus. Lesungen, Aktionen und Aktivitäten bei Veranstaltungen sollen auf das versteckte Kleinod aufmerksam machen. "Es gibt echt Münchauracher, die wissen gar nicht, dass es uns gibt!" Doch das will Traut mit den anderen Ehrenamtlichen ändern. Der Tisch steht voll mit kunstvoll verbastelten Büchern, die zum Beispiel am Weihnachtsmarkt am kommenden Sonntag rund um die Klosterkirche verkauft werden sollen.
Im Fazit erklärt Traut ganz selbstbewusst: "Die Bücherei Münchaurach in zehn Jahren? Natürlich immer noch da und dabei. Wir schaffen das!" Ein Satz, der hier im Fränkischen Tag notiert ist und sicher auch in zehn Jahren noch lesenswert ist.

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