Kulmbach

"Und wir sind immer noch da"

Die Fridays-for-Future-Bewegung ist jetzt seit fast einem Jahr in Kulmbach aktiv - und lässt in ihrem Protest nicht nach.
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Laura Meile und Anna-Lena Müller stimmten den Fridays-for-Future-Song an.  Foto: Uschi Prawitz
Laura Meile und Anna-Lena Müller stimmten den Fridays-for-Future-Song an. Foto: Uschi Prawitz

Seit 49 Wochen gehen sie für ihre Zukunft auf die Straße, "und wir sind immer noch da!" Laura Meile, Mitinitiatorin der Fridays-for-Future-Bewegung in Kulmbach, feierte am Freitag nicht nur ihren 17. Geburtstag, sondern sie ließ es sich nicht nehmen, mit ihren Mitstreitern vor dem Kaufplatz Aufstellung zu nehmen.

"Das Klimapaket reicht nicht aus, und dennoch wird nichts gemacht", ärgerte sie sich. Merkel wolle mit Deutschland als Vorbild beim bevorstehenden Weltklimagipfel auftreten, "aber sie hat nichts, was Vorbildfunktion hätte". Laura Meile setzt ihre Hoffnung auf das EU-Parlament, das diese Woche den Klimanotstand ausgerufen hat. "Dadurch kann sich etwas ändern, aber es muss gut angepackt werden. Es reicht nicht, den Leuten durch solche Absichtserklärungen etwas vorzugaukeln."

In Kulmbach habe sie viel Bewegung festgestellt, seit Fridays for Future durch die Demonstrationen und Schulstreiks für Aufmerksamkeit sorgte. "Viele Leute erzählen mir, dass sie seitdem einiges am eigenen Lebensstil verändert haben."

Um die 130 Jugendliche und Erwachsene waren am Freitagmittag direkt nach Schulschluss gekommen, um ihrer Sorge und ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen, aber auch um Anregungen zu geben, wie man selbst etwas zum Klimaschutz beitragen kann. "Man kann kleine Schritte machen und weniger Fleisch essen", sagte eine Teilnehmerin, "kauft Langlebiges und wenn möglich im örtlichen Handel", lautete eine weitere Empfehlung. "Besucht keine Fast-Food-Restaurants", forderte der 16-jährige Lasse auf, und Jasmin Prawitz zitierte aus einem Lied von Willy Astor: "Wir sägen mit Eifer am eigenen Ast und eigentlich sind wir nur zu Gast."

Luca Beetz, der die Versammlung moderierte, riet dazu, den Egoismus zu reduzieren. "Wir müssen versuchen, unsere schöne Natur zu bewahren, damit auch die Menschen in hundert Jahren noch etwas davon haben." Da beispielsweise die Herstellung von Kleidung sehr viel Wasser und Energie verbrauche, sei es sinnvoll, Gebrauchtes zu tragen. "Wir haben deswegen im November eine erste Kleidertauschaktion im Mehrgenerationenhaus Kulmbach durchgeführt", sagte er, die sei bereits ein Erfolg gewesen. Den nächsten Termin am 7. März kommenden Jahres solle man sich schon mal merken.

Die Jugendlichen von Fridays for Future in Kulmbach engagieren sich darüber hinaus in der Klimawerkstatt des Landkreises Kulmbach, sie veranstalten Müllsammelaktionen, planen die Einrichtung eines sogenannten Repair-Cafés oder suchen Kooperationen, wie anlässlich der Demo am Freitagmittag.

"Laura Meile hat uns angesprochen und eingeladen, dabei zu sein", erklärte Annegret Schmidt von der Foodsharing-Gruppe Kulmbach. Sie hatten einen Stand aufgebaut, an dem man kostenfrei Lebensmittel mitnehmen konnte, die ansonsten entsorgt worden wären. "Etwa neun Kilogramm Lebensmittel pro Person werden monatlich allein in deutschen Haushalten weggeworfen."

Doch auch kritische Stimmen gab es bei der Demonstration. Der 16-jährige Vinzenz Büchs begrüßte es, dass durch die Bewegung mehr Aufmerksamkeit für den Umweltschutz erregt wird, denn "vor allem gegen die Plastikflut muss dringend etwas getan werden." Die Forderungen der Bewegung nach dem Kohleausstieg jedoch unterstütze er nicht.

Klaus Julius Springmann vom Energiewende-Bündnis Kulmbach meldete sich ebenso zu Wort. "Die Klimakrise ist heute nicht ein Problem unter vielen anderen, sie ist das Problem der Menschheit schlechthin." Sie könne nur gemildert werden durch einen schnellen Ausstieg aus allen fossilen Energieträgern. Die Kulmbacher Stadtwerke böten zwar 100 Prozent Ökostrom an, jedoch würden in Kulmbach nur 9 Prozent Ökostrom selbst erzeugt. Dieser Anteil müsse erhöht werden.

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