Nürnberg
Konzert

Und Graham Nash sagt: "Träumt von eurer Jugend"

Alt ist er geworden, in Ehren ergraut: Graham Nash (77) war schon lange vor dem Woodstock-Festival, das vor genau 50 Jahren die (Musik-)Welt veränderte, ein Popstar. Die Faszination seiner Stimme ist ...
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Graham Nash beim Konzert in Nürnberg  Foto: Helmut Ölschlegel
Graham Nash beim Konzert in Nürnberg Foto: Helmut Ölschlegel

Alt ist er geworden, in Ehren ergraut: Graham Nash (77) war schon lange vor dem Woodstock-Festival, das vor genau 50 Jahren die (Musik-)Welt veränderte, ein Popstar. Die Faszination seiner Stimme ist geblieben. Mit der britischen Gruppe "The Hollies" stürmte er schon Anfang der 1960er in die europäischen Hitparaden, danach wechselte er über den großen Teich zu einer Supergruppe, die in Woodstock ihren ersten offiziellen Auftritt hatte und danach der (Rock-)Welt als "Crosby, Stills, Nash" (mitunter auch mit Young) immer wieder neue Hymnen schenkte.

Viele davon erklangen am Dienstagabend im lauschigen und intimen Nürnberger Serenadenhof bei einem entspannten Althippie- und Nostalgie-Treffen. "Lehnt Euch zurück, lasst Euch entführen. Träumt von eurer Jugend. Reist mit dem Marrakesh-Express, marschiert mit in den Protestmärschen - gegen Krieg, gegen Atomwaffen, gegen Unterdrückung": So könnte die Botschaft lauten, als Graham Nash zusammen mit seinen beiden Mitstreitern die Bühne betritt und dem Auditorium mit einem Glas Rotwein zuprostet.

Kein Schlagzeug, kein Bass

Ein gemütlicher Ritt durch über 50 Jahre Schaffenszeit, ein hörenswerter Mix aus eigenen und Band-Nummern, beginnend mit "Pre-road down", endend mit der Hymne für alle Lehrer und Eltern: "Teach your children".

Dazwischen 90 Minuten voller Poesie und Harmonie. Kein Schlagzeug, kein Bass, nur zwei Gitarren und ein dezentes Keyboard. Dreistimmer Gesang par excellence. Im Programm auf dieser Europatour mit drei Auftritten in Deutschland: Eine Nummer aus Hollies-Zeiten ("Bus-Stop" wurde in Nürnberg durch "King Midas in revers" ersetzt) und eine Beatles-Nummer ("A day in a life"). Zwischen all den Wohlfühlklängen gab's aber auch kritische Töne: "Die aktuelle US-Politik ist ein Mist" bei "Missippi burning", gegen Kriegstreiberei ("Military madness") und gegen den Walfang ("Wind on the water"). "Die Japaner sagen, sie brauchen den Wal für ihre Ernährung. Wann habt Ihr zum letzten Mal Wal gegessen?" Unterstützt wird der 77-Jährige an der Gitarre von Shane Fontayne mit seinem einfühlsamen Spiel ohne aufdringliche Soli.

Trotz der zwischenzeitlich immer wieder aufgetretenen internen Zwistigkeiten verbeugt sich Graham Nash vor seinen Kollegen, nimmt auch deren Kompositionen ins Programm: "4 + 20" oder das vielbejubelte "Love the one you're with" von Stephen Stills zum Beispiel.

Nachlassende Stimme

Höhepunkte bilden aber "Right between the eyes", "Wasted on the way", "Our house" als Gemeinschaftsprodukte, "Just a song before I go" sowie das mächtige "Cathedral", die allerdings nach 90 Minuten schloss.

Schade, auf der Wunschliste für die Setliste fehlte noch so mancher Haken, aber - auch das war nicht zu überhören - zum Ende hin ließ Nashs Stimme merklich nach, so dass ein frühes Ende sicher besser war als ein Ende mit Schrecken. Es hätte viele aus dem relaxten Midsummer-Night's Dream gerissen.

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