Lichtenfels
Gericht

Unbelehrbarer muss 2280 Euro zahlen

"Nachdem ich erfahren habe, dass es eine Beleidigung war, habe ich mich sofort entschuldigt", erklärte am Dienstagvormittag ein 32-jähriger Lagerist gegenüber Richter Alexander Zenefels. Allerdings wa...
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"Nachdem ich erfahren habe, dass es eine Beleidigung war, habe ich mich sofort entschuldigt", erklärte am Dienstagvormittag ein 32-jähriger Lagerist gegenüber Richter Alexander Zenefels. Allerdings war dieses Sofort kein sofortiges, sondern ein nachträgliches.

In einem Brief entschuldigte sich der Michelauer bei den beiden Polizeibeamten, für die er am 16. Oktober 2018 nur "Ihr spinnt doch, ihr Wichser" übrig hatte. Der Grund: Die Beamten trafen den Mann an diesem Tag nicht erstmalig an, wurden sie vorher doch schon zur Schlichtung eines Streits mit seiner Lebensgefährtin gerufen. "Es war ein Beziehungsstreit und er wurde belehrt, dass, wenn er Fahrrad fährt, Ärger bekommen wird", so einer der beleidigten Beamten im Zeugenstand.

Es war nämlich so, dass der Angeklagte alkoholisiert war. "Seine Freundin hat versichert, sie werde aufpassen", sagte der Polizist weiter aus. Doch das gelang der Freundin wohl nicht, und so setzte sich ihr Freund 20 Minuten später aufs Fahrrad und fuhr los. Wie eine Alkoholprobe ergeben hatte, war er gegen 0.50 Uhr mit 1,94 Promille unterwegs. Kurios klang auch, wie der Polizist das Ertappen des Mannes schilderte: "20 Minuten später (nach ihrer Wegfahrt vom ersten Besuch) sind wir zurück nach Michelau gefahren und haben ihn unterwegs fahrend angetroffen. Der Angeklagte hat behauptet, er sei nicht gefahren. Aber er ist vom Rad gesprungen, als er das Polizeiauto gesehen hat."

Allzu viele Einwände gegen diese Schilderung hatte der Beschuldigte nicht vorzubringen. Überdies wurde er von Zenefels mit dem Verdacht konfrontiert, dass es ihm womöglich "nicht fremd" ist, "andere Leute mit (...) unsauberen Wörtern zu betiteln". Was diesen Verdacht nährte, dürfte wohl aus dem Bundeszentralregister des Michelauers zu entnehmen gewesen sein. Acht Einträge über vorsätzliches Handeltreiben mit Betäubungsmitteln, Diebstahl, vorsätzliche Körperverletzung und eben auch Beleidigung standen zu Buche. Mehr noch: Der Lagerist stand zum Zeitpunkt seiner Verfehlung unter Bewährung. "Ich würde mir an Ihrer Stelle mal Gedanken machen (...) durch solche Aktionen machen Sie sich Ihr Leben kaputt", bescheinigte Staatsanwalt Mario Geyer dem Angeklagten in seinem Plädoyer. So habe dieser schon ordentlich Schulden durch vormalige Verstöße angehäuft und erfolgreich abgearbeitet. Das ist seit Dienstag Geschichte. Durch Zenefels' Urteilsschuldspruch, der wegen Beleidigung eine Geldstrafe in Höhe von 2280 Euro zeitigte, wird der Michelauer wieder etwas zum Abarbeiten haben. Allerdings 920 Euro weniger als vom Staatsanwalt gefordert.

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