Coburg

Umsonst, weil es Wert hat

Transition Coburg schafft sich einen festen Ort: Die Räume im Steinweg 21 sollen zum einen als Anlaufstelle dienen, zum anderen will der Verein hier einen Tauschladen schaffen für Dinge, die noch zu gebrauchen sind.
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Teresa Falter, Stefan Kornherr und Gaby Schuller (von links) freuen sich auf die Eröffnung des Transition-Ladens im Steinweg 21 am nächsten Samstag.  Foto: Simone Bastian
Teresa Falter, Stefan Kornherr und Gaby Schuller (von links) freuen sich auf die Eröffnung des Transition-Ladens im Steinweg 21 am nächsten Samstag. Foto: Simone Bastian

"Einfach. Jetzt. Machen!" Das ist das Motto der Transition-Bewegung, und die Coburger Gruppe nimmt es wörtlich: Nachdem die drei Warentauschtage große Erfolge waren, nachdem die Umsonst-Regale bei der VHS, im Mehrgenerationenhaus und im "Dialog" der Diakonie gut angenommen werden, gibt es nun den Umsonst-Laden.

Nächste Woche, am Samstag, 11. Januar, soll er eröffnet werden. Bis dahin ist noch einiges zu tun: In den Ladenräumen im Steinweg 21 liegen Regalteile; ein paar Hocker und Stühle sowie ein runder Tisch ermöglichen so etwas wie ein Pressegespräch. "Am Samstag kommt unsere Baugruppe", sagt Gaby Schuller mit Blick auf die gestapelten Regalbretter.

Die Ware für den Laden müssen die Besucher erst mitbringen. Es gilt das Tauschprinzip: "Wir wollen den Blick dafür schärfen, dass Produkte einen Wert haben", sagt Gaby Schuller. Selbst, wenn sie für ihren Besitzer wert-los geworden sind. "Es soll nichts im Müll landen, was noch gebraucht werden kann." Wer solche Dinge nicht bei einem Flohmarkt oder über Ebay verkaufen will, kann sie dem Umsonstladen spenden. Dort können sie kostenlos mitgenommen werden. Das sei keine Konkurrenz zu den bestehenden Sozialkaufhäusern, betont Stefan Kornherr, wie Gaby Schuller einer der Aktiven bei Transition Coburg. Denn im Steinweg 21 gehe es nicht nur um den Laden: "Es soll ein Informationsknotenpunkt werden für Nachhaltigkeit in Coburg."

Denn darum geht es bei "Transition". Das englische Wort bedeutet "Übergang" oder "Wandel" - hin zu einer regional geprägten Wirtschaft, zugunsten von Ressourcen-, Klima- und Umweltschutz. Was die weltweit aktiven Transition-Gruppen eint: Sie wollen selbst und vor Ort etwas tun, nicht nur politische Forderungen aufstellen. Die Coburger Gruppe hat sich vor etwa zweieinhalb Jahren gegründet, nach einer Vortragsreihe im "Dialog", dem Stadtbüro der Diakonie Coburg. Seither seien einige Aktionen auf die Beine gestellt worden, erinnert Gaby Schuller: Es wurden Einkaufstaschen aus Stoff genäht und gegen Plastiktaschen getauscht, ein Kino-Abend dadurch ermöglicht, dass mehrere Teilnehmer den Strom auf Ergometern erstrampelten, die Warentauschtage organisiert. "Mit einer Idee kann man eine Menge bewirken, wenn man die richtigen Leute hat", ist Gaby Schuller überzeugt.

Nun wagt sich die Gruppe an den Laden, hat, um einen Mietvertrag abschließen zu können, einen Verein gegründet. Die Wohnbau Stadt Coburg sei weit entgegengekommen, sagt Stefan Kornherr. Allerdings gilt der Mietvertrag vorläufig nur für ein Jahr, denn der Steinweg ist Sanierungsgebiet, und das Gebäude Nr. 21 sanierungsbedürftig.

Aber es ist ja auch für den Verein ein Experiment. Zwei feste Öffnungstage mit ehrenamtlichen Helfern sind bislang vorgesehen: Mittwoch ab 10 Uhr bis voraussichtlich 17 Uhr, Samstag von 10 bis 14 Uhr. "Montag peilen wir an", sagt Gaby Schuller energisch, während Stefan Kornherr noch etwas skeptisch dreinblickt. Auf jeden Fall werden die Öffnungszeiten auf der Homepage zu finden sein.

Die ersten Workshops im Transition-Laden sind schon geplant: Teresa Falter wird zeigen, wie man Kosmetika selber machen kann. Auch ein Nähworkshop ist vorgesehen. Offen ist noch, ob das "Foodsharing" (derzeit im Mehrgenerationenhaus und im Dialog) in den Laden gezogen wird. Das sei nur bei mehr Öffnungstagen sinnvoll, sagt Stefan Kornherr. Auch die "Lastenliesl", das ausleihbare Lastenfahrrad von Transition Coburg, könnte künftig beim Laden parken statt an der Creapolis am ehemaligen Schlachthof. Einschränkungen wird es beim Sortiment des Umsonstladens geben: Elektroartikel und Kleidung werden nicht angenommen. Elektroartikel nicht wegen des Haftungsproblems - es müsste gewährleistet werden, dass die Geräte nicht defekt sind. "Beim Warentauschtag haben die Leute vom Repair-Café alles überprüft", erläutert Kornherr. Ansonsten darf in die Regale, was sich im Haushalt findet und was man mit Händen tragen kann. Das Gleiche gilt fürs Mitnehmen: "Wir setzen auf Fairness", betont Gaby Schuller.

Die Gäste der Eröffnungsfeier am Samstag, 11. Januar, wurden eingeladen, Dinge mitzubringen. Allgemein geöffnet wird der Laden um 13 Uhr. Die Nachbarn im Steinweg hätten Transition Coburg freundlich aufgenommen, sagt Gaby Schuller. Sabine Höll, die einige Häuser weiter seit über 20 Jahren den Secondhandladen "Secondo" betreibt und hauptsächlich Kleidung führt, empfindet den Umsonstladen nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung für den Steinweg, wie sie betont. "Nachhaltigkeit ist gerade in der heutigen Zeit sehr wichtig."

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