Dormitz

Umgehung: Dormitz will Konsens

18 Hektar Land gehen durch die Umgehungsstraße verloren. Zudem sieht es für die Stadt-Umland-Bahn schlecht aus. Bis 11. Juni können Einwendungen erhoben werden. Die Naturschutzorganisationen klären auf.
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Auf Holzständer sind die Pläne der Ortsumgehung gepinnt. Vor Ort baten Gegner der Umgehung zum Pressegespräch. Foto: Petra Malbrich
Auf Holzständer sind die Pläne der Ortsumgehung gepinnt. Vor Ort baten Gegner der Umgehung zum Pressegespräch. Foto: Petra Malbrich

Die Getreideähren und Grashalme wiegen sich im Wind. An den Bäumen wachsen die noch unreifen Kirschen heran. Unterbrochen wird das idyllische Landschaftsbild von zwei durchgehenden rotweiß-gestreiften Baustellenbändern links und rechts des schmalen Wegs entlang. Die Bänder zeigen die Breite der hier geplanten Umgehungsstraße von Dormitz an.

Von 40 Metern an der breitesten Stelle und einer Hubhöhe von 21 Metern, um die Höhe anzugleichen, ist die Rede. Eine Folge der Dormitzer Einsprüche. Bis 11. Juni können Bürger ihre Einwendungen erheben und sich vorher ein Bild des Ausmaßes vor Ort machen.

Auf Holzständer sind die Pläne der Ortsumgehung gepinnt und machen vor allem den geplanten Flächenfraß deutlich: "18 Hektar Fläche verschwinden", sagt Karin Weber vom Bund Naturschutz (BN) in die Runde. Der BN zählt neben "Munk" e.V., den Jagdpächtern und dem Hegeverband, der BI Schwabachtal und der Interessensgemeinschaft der Landwirte zu den Gegnern der Umgehungsstraße. Als Überraschungsgast kam Bürgermeister Holger Bezold (FW) dazu. Zufällig habe er davon erfahren.

Aus zwei Gründen

Ihn interessiert das Thema in zweierlei Hinsicht: Als Bürgermeister, der in dieser Funktion die Interessen aller Dormitzer wahren müsse und als Dormitzer, der leidenschaftlicher Radfahrer sei, aber an der Hauptstraße "groß" wurde. Diese Hauptstraße durch die Umgehungsstraße zu entlasten, für die Anwohner die Feinstaubbelastung zu reduzieren und einen sicheren Schulweg zu schaffen, seien die Gründe für den Bau der Umgehungsstraße.

Dem gegenüber steht der Schutz der Natur, und hier haben die Dormitzer Bürger mit 28,1 Prozent, dem höchsten Ergebnis im Landkreis, eine eindeutige Aussage getroffen, findet Karin Weber. "Wir lehnen den Straßenbau ab", bekräftigt Bernhard Kreisel für die Landwirte. Nach dem Bau würden durch die Zerschneidung unrentable Restflächen bleiben und somit mehr als 18 Hektar Fläche verloren gehen. Derzeit würden hier viele Kulturen produziert. Kreisel nennt den Spargel und die Kartoffel als Beispiele.

Abgesehen davon, dass der Naherholungswert verloren gehe, habe der Bau auch Folgen für die Vegetation. "Und er vernichtet Lebensraum", machte Wilfried Rehm für die Jagdpächter und den Hegering deutlich. Mit sieben Prozent Waldanteil sei Dormitz am stärksten im Landkreis vertreten. Das Revier würde durch die Umgehungsstraße geteilt, der Lebensraum der Rebhühner würde beeinflusst werden. "Der Hegering, zu dem zwölf Gemeinden aus dem Landkreis gehören, hat bereits 1000 Hektar Fläche verloren", betonte Rehm.

Umdenken gefordert

Viele Biotope und Auenlandschaften seien massiv betroffen, fügte Weber an. Hier aber leben geschützte Arten. Ein Umdenken forderte Esther Schuck von der BI Schwabachtal.

Die Planung der Umgehung möge 1967 noch eine gute Idee gewesen sein. Den Verkehr zu verlagern, sei keine Lösung. "Es wurde ignoriert, dass sich mit der Stub etwas tut", meinte Schuck, die damit auch Bettina Wittmann ("Munk" e.V.) aus dem Herzen sprach. "Wenn die Straße gebaut wird, sieht es für die Stub schlecht aus. Diese beiden Projekte hängen zusammen", erklärte Wittmann.

Eine CO2- Reduzierung könne im Ort durch eine Geschwindigkeitsreduzierung erreicht werden, durch einen Pflanzstreifen, durch Flüsterasphalt und durch einen Fahrradschutzstreifen, meinte Bernhard Birnfeld (BN). Die Petition "Fahrradschnellstraße" habe Bezold unterstützt. Dass auch mit dem vor Bezolds Zeit ausgewiesenem Gewerbegebiet eine andere Lösung gefunden werden könnte, brachte Kreisel ins Gespräch.

Das Gewerbegebiet habe noch keine Anbindung. Diese hätte mit der Umgehung geschaffen werden sollen. "Soll das überhaupt Gewerbegebiet bleiben?", fragte der Bürgermeister.

Tendenz hat sich gedreht

Die Prognose gehe immer von einer Erhöhung des Verkehrs aus. Laut der Zählungen der Gutachten habe der Verkehr aber um neun Prozent (Weiher) abgenommen, sagte Schuck. Das bestätigte der Bürgermeister, der das in der Siemens-Auslagerung nach Forchheim begründet sieht.

"Selbst Bürger aus der Hauptstraße sagen nun, dass sie die Umgehung nicht wollen", bekräftigt Weber.

Gespräch im Rathaus

Doch es gibt auch viele andere Bürger, die sich schon beschweren. Über den Lärm, die Unsicherheiten des Schulwegs und über die Feinstaubbelastung. Diese Dormitzer sagen ihre Meinung nicht öffentlich. Um jeden zu hören, und eine Konsenslösung für das Verkehrs- und Umweltproblem zu finden, schlug Bezold ein Gespräch im Rathaus vor.

Dieser Vorschlag wurde von den Umwelt- und Naturschützern begrüßt. Das Gespräch soll am 12. Juni stattfinden. Bis dahin werden Mitglieder der Naturschutzorganisatoren jeden Sonntag in der Flur stehen und aufklären.

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