Rentweinsdorf
Hauptversammlung

ÜWG benennt sich in FW-ÜWG um und befasst sich mit Dilemma der Haßberg-Kliniken

Mit einer Satzungs- und damit auch einer Namensänderung befassten sich die Mitglieder der ÜWG bei ihrer Hauptversammlung in Sendelbach. Einstimmig wurde die...
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Über das Thema "Haßberg-Kliniken" sprach die WG-Kreisvorsitzende Birgit Bayer. Vorsitzender Matthias Sperber dankte für den offenen Bericht. Foto: Sabine Weinbeer
Über das Thema "Haßberg-Kliniken" sprach die WG-Kreisvorsitzende Birgit Bayer. Vorsitzender Matthias Sperber dankte für den offenen Bericht. Foto: Sabine Weinbeer
Mit einer Satzungs- und damit auch einer Namensänderung befassten sich die Mitglieder der ÜWG bei ihrer Hauptversammlung in Sendelbach. Einstimmig wurde die neue Satzung verabschiedet. Die überparteiliche Wählergemeinschaft heißt nun FW-ÜWG Rentweinsdorf. "Wir wollen damit deutlich machen, dass wir zu den Freien Wählern Bayern und Deutschland gehören", erklärte Vorsitzender Matthias Sperber. Kurt Weißheimer hatte der Versammlung die neue Satzung vorgestellt, zu der es keine weiteren Diskussionen gab.
Dass die FW-ÜWG ein reger Verein ist, zeigte der Jahresrückblick des Vorsitzenden. Wegen des Rentweinsdorfer Weihnachtsmarktes, der nach vielen Jahren nun nicht mehr am Volkstrauertag stattfinden darf, hat die ÜWG sogar eine Petition an den bayerischen Landtag gerichtet. Matthias Sperber war live im Maximilianeum dabei, "aber das wurde ganz lapidar abgehandelt und an die Kommunen zurückverwiesen".
Auch wenn der Markt mittlerweile auf den Samstag verlegt wurde, diskutierten die Mitglieder den Vorgang nochmals. Schließlich gebe es im benachbarten oberfränkischen Rattelsdorf nach wie vor einen solchen Markt am Volkstrauertag.


Haßberg-Kliniken: rote Zahlen

Unverständnis gab es auch in Richtung Ebern: "Der Eberner Bürgermeister war zwar gegen unseren Markt, aber in Ebern fand ein jagdliches Schießen am Volkstrauertag statt. Ob das zu dem Tag passt, darf man sich dann auch fragen", meinte Kurt Weißheimer.
Über die schwierige Situation der Haßberg-Kliniken informierte Birgit Bayer. Die Fraktionsvorsitzende der WG Haßberge im Kreistag ist auch Verwaltungsrätin der Kliniken, die seit Jahren steigende rote Zahlen schreiben und um deren Fortbestand der Kreis derzeit ringt.
Einfache Lösungen gebe es dabei leider nicht, erklärte Bayer, denn die Problemlagen seien sehr differenziert. Da sei zum einen die Kostenerstattung durch die Krankenkassen, die bei ländlichen Krankenhäusern der Grundversorgung derzeit nicht kostendeckend seien. Dann gebe es das Problem, qualifizierte Ärzte für eine ländliche Klinik zu gewinnen, und schließlich ein Ergebnis der gutachterlichen Untersuchung, "das uns alle ziemlich erschüttert hat, nämlich, dass nur 40 Prozent der Landkreisbürger die Kliniken bei den Eingriffen nutzen, die wir anbieten können. Da müssen wir uns auch alle an die eigene Nase fassen", sagte Bayer ganz offen. Ein weiteres Problem, das sich beim Kampf um den Erhalt der Haßberg-Kliniken stellt, sei es, dass der Landkreis von größeren Kliniken umgeben sei, zu denen sich die Bewohner der Randgemeinden eher orientierten.
Natürlich gebe es auch hausgemachte Probleme, die inzwischen jedoch intensiv bearbeitet würden, erläuterte Bayer. Seit 2012 schrieben die Kliniken ein beständiges Minus, das sich heuer auf weit über drei Millionen Euro belaufe. Die Schließung des Hauses Hofheim sei mittlerweile umgesetzt. Schweren Herzens werde die Geburtshilfe Ende 2018 folgen müssen, wenn der Freistaat nicht einen Zuschlag gewährt.
Eine wichtige Entscheidung sei die Einrichtung der Akutgeriatrie gewesen, wo betagte Patienten nach einer Operation gepflegt werden. Hier gebe es mehr Personal, weil viele der Patienten mit den verschiedensten Nebenerkrankungen - von Diabetes bis Demenz - ins Krankenhaus kommen, auf die in der nachoperativen Behandlung eingegangen werden muss.


Sparpotenzial

Für das Haus Ebern habe der Vorstand den Auftrag, bis Mitte 2018 ein Konzept zu entwickeln. Hier sollen künftig überwiegend planbare Operationen ausgeführt werden. Auch hier soll das Pflegekonzept auf Hochbetagte abgestimmt werden. Grundsätzlich gebe es ein beachtliches Sparpotenzial in einer besseren Planung der OP-Nutzung.
Viele schlaflose Nächte hätten die Haßberg-Kliniken die Kreisräte in den vergangenen Monaten gekostet, erklärte Birgit Bayer. Zwei Dinge seien klar: Ein dauerhaftes Defizit zwischen drei und vier Millionen Euro könnten die Kreis-Kommunen nicht tragen, aber eine schwarze Null werde wohl auch nicht zu schaffen sein. Das sei mittlerweile auch den meisten Bürgermeistern klar, die ja über die Kreisumlage mitbezahlen.
Der Kreistag und der Verwaltungsrat der Haßberg-Kliniken müssten auf die Belastungsfähigkeit der Kommunen achten. "Aber wir wollen auch nicht nur auf die Zahlen schauen, wie das die Medizin-Konzerne tun. Glauben Sie mir, das ist eine schwierige Geschichte, und wir ringen hart um Lösungen", schloss Bayer ihren Vortrag.
Bei der Diskussion wurde verdeutlicht, dass viele Bürger nicht wüssten, welche Operationen in den Haßberg-Kliniken möglich sind. Und oft werde auch von den niedergelassenen Ärzten nicht darauf hingewiesen. Das gelte zum Beispiel für Knie-Prothesen. Das Haus Ebern habe hier hervorragende Ergebnisse. Auch an diesem Kommunikationsproblem werde gearbeitet, erklärte Birgit Bayer. sw
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