LKR Haßberge

"Überschneidungen werden nicht ausbleiben"

Ob das Landratsamt durch die Einrichtung eines eigenen Familienzentrums einen Interessenskonflikt gegenüber dem Mehrgenerationenhaus Haßfurt geschaffen hat, darauf ging Landrat Wilhelm Schneider bei der jüngsten Kreistagssitzung ein. Der Politiker war auf Konsens aus.
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Das Mehrgenerationenhaus Haßfurt hat ein breitgefächertes, preisgekröntes Angebot für zahlreiche gesellschaftliche Belange geschaffen. Dieses Bild entstand beim Ehrenamtsfest von MGH und Lebenshilfe im September 2017.  Foto: Sabine Weinbeer/Archiv
Das Mehrgenerationenhaus Haßfurt hat ein breitgefächertes, preisgekröntes Angebot für zahlreiche gesellschaftliche Belange geschaffen. Dieses Bild entstand beim Ehrenamtsfest von MGH und Lebenshilfe im September 2017. Foto: Sabine Weinbeer/Archiv

Andreas Lösch Macht eine kommunale Einrichtung am Landratsamt (Familienzentrum) dem unter der Trägerschaft des Roten Kreuzes agierenden Mehrgenerationenhaus Haßfurt (Vielzahl an ehrenamtlich geleisteten Angeboten) Konkurrenz? "Nein", sagte Landrat Wilhelm Schneider gestern bei der Kreistagssitzung im Landratsamt in Haßfurt.

Beides seien "sinnvolle und erfolgreiche Einrichtungen". Für ein Kompetenzgerangel in Bezug auf ähnliche Angebote beider Institutionen sieht er keinen Anlass: "Überschneidungen sind da, werden auch immer da sein", sagte er. Die aber "wollen wir weiter reduzieren". Er betonte, dass er Zusammenarbeit "zum Wohle der Kinder und Familien" anstrebe, nicht Streit und Konkurrenzdenken.

Unstimmigkeiten

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Das Thema war auf der Tagesordnung gelandet, weil das Linke Bündnis Haßberge einen Dringlichkeitsantrag zum Konflikt zwischen Familienzentrum und Mehrgenerationenhaus (MGH) gestellt hatte. Kreisrätin Sabine Schmidt erklärt darin, dass das linke Bündnis "aus verschiedenen Pressemittelungen" mitbekommen habe, dass es zwischen beiden Einrichtungen Unstimmigkeiten gebe. Insbesondere die Arbeit der ehrenamtlich Tätigen im MGH sollte nicht durch ein professionelles kommunales Angebot "in Mitleidenschaft gezogen werden". Zudem kritisierte die Kreisrätin, dass es für den Kreistag nachteilig sei, von dem Konflikt aus der Presse zu erfahren. Hintergrund: Freunde des MGH Haßfurt hatten sich im vergangenen Jahr in einem Schreiben an Landrat Schneider beklagt, dass ihre Einrichtung bereits über Jahre ein Angebot zur Betreuung, Förderung und Unterstützung von Familien aufgebaut habe und nun das Familienzentrum im Landratsamt mit einem ähnlichen Angebot die bereits geschaffenen Strukturen torpediere. Schmidt forderte: Es "sollte ein Konsens gefunden werden, mit dem alle Akteure leben können", bevor sich die Situation verhärte.

Auf diesen Konsens war auch Landrat Schneider aus, der sich vor dem Kreistag ausführlich zu der Thematik äußerte. Ihm sei daran gelegen, dass beide Einrichtungen zusammenarbeiten und zum Wohle der Kinder und Familien für ihre Ziele werben und "gemeinsam dafür eintreten". Er lobte ausdrücklich die Arbeit beider Häuser, sie erzeugten "einen besonderen Mehrwert für unsere Gesellschaft". Das seit zehn Jahren bestehende MGH habe sich "sehr positiv entwickelt" und ein breites Angebot geschaffen, das "schon viele Auszeichnungen herhalten" habe. "Mein Dank gilt den Hauptamtlichen, aber besonders den vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Unterstützern."

Dass das Familienzentrum 2017 in Betrieb genommen wurde, hat auch damit zu tun, "dass die Zugangsschwelle zum Jugendamt" niedrig sein soll. Es gehe vorrangig um den Gedanken der Prävention, um Familien "harte Eingriffe", die "einschneidend, unumkehrbar und kostspielig sind" zu ersparen.

Kosten vermeiden

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Ersparen kann es auch hohe Ausgaben, die entstehen können, wenn präventive Maßnahmen nicht stattfinden oder nicht fruchten: "Zu erwähnen ist, dass eine Heimerziehung zwischen 50 000 und 140 000 Euro" pro Jahr und Kind kostet. Der Landkreis hat derzeit laut Schneider mehrere Einzelfallhilfen mit Kosten von jeweils 130 000 Euro pro Jahr zu finanzieren. Die jährlichen Kosten für stationäre (Heimerziehung, Vollzeitpflege), teilstationäre und ambulante Maßnahmen betragen laut Landrat "mehrere Millionen Euro pro Jahr", die der Landkreis selbst tragen müsse. "Eine solche Stationäre Heimunterbringung stellt eine finale Entscheidung für Kind und Familie dar, die wir weiter reduzieren wollen." Generell sinken laut Schneider die Fallzahlen der Jugendhilfe "in unserem Landkreis seit 2012 durchgängig, während die anderen Landkreise und Städte steigende Fallzahlen haben." Dies hänge mit den Bemühungen des Kreises Haßberge zusammen, "frühzeitig und präventiv einzugreifen". Vorläufer des Familienzentrums war das Familienbüro.

Miteinander statt gegeneinander

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Auch das MGH spiele dabei einwichtige Rolle und diese soll auch nicht in Frage gestellt werden: Die Menschen, die nicht zur Zielgruppe des Familienzentrums gehören, "werden und wurden auch in der Vergangenheit" bedarfsorientiert "an die Angebote anderer Träger, zum Beispiel an das MGH weiterverwiesen".



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