Affalterthal

Überfälle an der Tagesordnung

Affalterthal lag vor 400 Jahren an einer strategisch wichtigen Altstraße von Gößweinstein nach Nürnberg. Das wurde dem Dorf im Dreißigjährigen Krieg zum Verhängnis. 1634 brannten Kroaten den Ort als Strafe nieder.
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Plünderung eines Dorfes durch die Schweden und ihre Söldner um 1640. So stellte man sich die Kriegszeit damals bildlich vor.  Repro: Reinhard Löwisch
Plünderung eines Dorfes durch die Schweden und ihre Söldner um 1640. So stellte man sich die Kriegszeit damals bildlich vor. Repro: Reinhard Löwisch
Die Zeit des Dreißigjährigen Krieges war auch für den kleinen Juraort Affalterthal eine starke Belastung, lag er doch strategisch günstig an einer Altstraße von Gößweinstein nach Gräfenberg (Nürnberg), und, was noch schwer wog: Die Besitzer des Dorfes, die Herren von Egloffstein, sind schon bald zum evangelischen Glauben konvertiert, weshalb es des Öfteren zu Konflikten mit dem Bamberger Bischof kam.
Der Landadel war es auch, der die Schweden mit König Gustav Adolf an der Spitze ins Land holte, um Hilfe zu finden im Kampf gegen den (katholischen) Kaiser.
Am 8. September 1629 rückten im Zuge der Gegenreformation "unter Zuziehung eines Bambergischen Wachtmeisters 30 Forchheimer Soldaten und 50 Bewaffnete aus dem Amt Leyenfels in Affalterthal ein, um den katholischen Pfarrer Johann Dietz, gegen den Willen der Bevölkerung und des Dorfbesitzers von Egloffstein, zu installieren".


Schwur und Rache

Sie vertrieben den evangelischen Pfarrer, so die Chronik weiter, öffneten gewaltsam die Kirchentüre und ließen eine heilige Messe lesen. Die Affalterthaler wurden mit einem Schwur, den jeder leisten musste, gezwungen, wieder den katholischen Glauben anzunehmen. Die Rache ließ nicht lange auf sich warten.
Am 29. Oktober 1631 berichtet der Vogt Wolf Reufl von Gößweinstein, dass Friedrich von Egloffstein sich unterstehe, Reiter zu werben, und zwar eine ganze Kompagnie. Acht Reiter habe er im Wirtshaus in Affalterthal einquartiert, die anderen sollten in Privathäusern in Bieberbach und Affalterthal untergebracht werden.
Diese haben einen "Refträger" von Etzdorf, der mit seinem Korb nach Nürnberg gehen wollte, überfallen und seiner Sachen beraubt; desgleichen haben sie den Pfarrer Helldörfer von Wichsenstein, der mit seinem Schulmeister zum Gottesdienst nach Moggast gehen wollte, überfallen, Pferd, den silbernen Kelch und die Kleider des Schulmeisters samt seines Mantels geraubt.


Immer wieder Überfälle

Ein halbes Jahr später überfielen die wieder evangelisch gewordenen Affalterthaler, Egloffsteiner und Thuisbrunner Bürger kaiserliche Truppen beim "Egloffsteiner Brücklein" und "metzgerten sie hin", wie der damalige Pfarrer von Pottenstein berichtete. Aus Strafe dafür brannten die Kroaten 1634 im Auftrag des Kaisers das Dorf Affalterthal nieder. Ein Jahr später hatte das Bistum Bamberg wieder die Oberhand und einen katholischen Pfarrer eingesetzt, der - ein Novum - nachweislich 1635 eine Wallfahrt von Affalterthal nach Gößweinstein in die Dreifaltigkeitsbasilika unternahm; offensichtlich in dem Glauben, das könnte die Affalterthaler endgültig überzeugen. Es half nichts. Ein Jahr später 1636 wurde Affalterthal endgültig evangelisch.
Wie schlimm die Zeit war, ist auch in der Affalterthaler Pfarrbeschreibung nachzulesen: 1629 gab es ein Unwetter, "dass die Kieselsteine vom Berg herabgewaschen wurden". 1632 und 1633 "konnte kein Zehnt eingesammelt werden, weil fast niemand zu Hause geblieben, wegen des kontinuierlichen Kriegswesens, insbesondere, da das Kriegsvolk alles verderbt und ruiniert hatte". 1641 hat "beiderseitiges Kriegsvolk" verhindert, dass die Bauern auf den Feldern Getreide anbauen konnten: "Dieweil die vielen Felder, so Kriegsgefahr halben, und aus Mangel an Saatgetreide nicht gebaut werden können, öde liegen."


Obertrubacher Pfarrmatrikel

Laut den Obertrubacher Pfarrmatrikeln von 1634 "hausten" die Bewohner der Dörfer monatelang in dichten Wäldern und Höhlen, aus Angst vor den Kriegshorden. Sie ernährten sich von Wurzeln und Rinde und mengten Sand unter das Getreide, "um wenigstens etwas mehr Brot zu haben".
Als ob das nicht schon schlimm genug war, entstand aus den hygienischen Mängeln heraus die Pest, die ebenfalls viele Menschen dahinraffte. 1632 bis 1636 trugen bayerische, schwedische, sächsische und österreichische Truppen Kämpfe aus, die die Gegend heimsuchten und für Verwüstungen, Verbrennungen, Raub und Mord sorgten.
Wahrscheinlich wurde 1632 das Schloss in Bieberbach durch die Kroaten verbrannt. 1647, noch kurz vor Ende des Krieges, lagen zwei Kompagnien Reiter des kaiserlichen Graf Buchheimschen Regiments in Affalterthal und ließen sich von den Einheimischen aushalten.
1647/48 waren in der Gegend auch Schweden einquartiert. Auch sie erhoben beträchtliche Strafzahlungen von den Bürgern. 1648 endete die jahrzehntelange Kriegszeit mit dem Westfälischen Frieden von Münster. Es dauerte noch Jahrzehnte, ehe sich das Land von dem Kriegstreiben erholt hatte.
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