Bad Kissingen

Überall Käferalarm

In vielen Fichtenbeständen in der Region breitet sich seit gut zwei Wochen der Borkenkäfer dramatisch aus. Die Förster richten den dringenden Appell an Privatwaldbesitzer, ihre Wälder zu kontrollieren und bei Befall schnell zu handeln.
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Wieder eine Borkenkäfer-Fichte, die gefällt werden musste. Foto: H. Beudert
Wieder eine Borkenkäfer-Fichte, die gefällt werden musste. Foto: H. Beudert
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Der Münnerstädter Stadtförster Jörg Mäckler zeigt auf dürre Fichten in einem kleinen Waldstück nahe des Münnerstädter Schindberges. Noch vor zwei Wochen standen die Bäume voll im Saft. Täglich registriert Mäckler jetzt neuen Befall. "Es ist ein Rennen gegen die Zeit." So wie ihm ergeht es derzeit vielen Förstern in der Region. Hitze und Trockenheit haben jetzt dazu geführt, dass der Borkenkäfer sich massenhaft vermehrt. Hubert Türich, Forstdirektor am Amt für Landwirtschaft in Bad Neustadt, bekommt derzeit fast täglich neue Befallmeldungen herein: Oerlenbach, Maßbach, Theinfeld. "Die Lage wird zunehmend kritisch", sagt auch Forstdirektor Bernhard Zürner, der am Amt für Landwirtschaft für den restlichen Bereich Bad Kissingen zuständig ist. Ihm werden neuerdings Borkenkäfernester im Raum Burkardroth gemeldet. Im südlichen Landkreis ist die Situation deshalb nicht so prekär, weil die Fichte dort kaum eine Rolle spielt.
Lediglich in der Hochrhön ab Höhen von 600 Metern gilt nach Auskunft von Hubert Türich nur eine Warnstufe. Forstdirektor Wolfram Zeller von den Bayerischen Staatsforsten Bad Brückenau bestätigt, dass die "Rhön bislang großes Glück hatte". Doch jetzt gibt es ebenfalls erste Brennpunkte, so im Salzforst. Alle Mitarbeiter müssen die Bestände regelmäßig kontrollieren. Mittels Smartphone und App wird jedes neue Nest sofort gemeldet, damit zügig gehandelt werden kann, erläutert Zeller.
"Wir machen nur noch Schadensbegrenzung", sagt Jörg Mäckler. Im Münnerstädter Stadtwald gibt es derzeit keinen Fichtenbestand, der nicht betroffen ist. Die beiden Forstwirte der Stadt sägen sich durch die Bestände.


Forst braucht Hilfe der Privaten

Es ist die lange Trockenheit in Zusammenhang mit der Hitze, die die Situation so verschärft hat, betonen alle Forstleute. Die Dürre hat die Widerstandsfähigkeit der Bäume geschwächt. Hinzu kommt, dass die Fichten heuer außerordentlich viele Zapfen angesetzt haben, was wiederum für Stress sorgt. Ihnen fehlt die Kraft, sich durch eine vermehrte Harzproduktion gegen die Schädlinge zu wehren. Und die kommen einfach zu massenhaft. In der Region schwärmt 2018 mittlerweile die dritte Borkenkäfer-Generation aus. Wenn das Wetter so bleibt, könnte es eine vierte geben, was sonst unvorstellbar war. Hubert Türich wählt die Sprache des Militärs, um die Situation bildhaft zu beschreiben. "Es ist ein Trommelfeuer auf die Bäume."
Jörg Mäckler, Hubert Türich und Bernhard Zürner appellieren dringend an alle privaten Waldbesitzer mit Fichtenbeständen, jetzt regelmäßig und vor allem schnell ihre Bäume zu kontrollieren. Befallene Fichten müssen sofort gefällt und aufbearbeitet werden, sonst werden immer mehr Fichten befallen. Die Forstleute wollen nur noch vermeiden, dass ganze Flächen kahl werden.


Kahlflächen drohen

Denn auf solchen Kahlflächen ist eine Neuaufforstung wegen der fehlenden Beschattung deutlich schwieriger und damit kostenintensiver. Außerdem hofft Mäckler, die noch gesunden Bäume gut über die Runden zu bringen, damit diese wenigstens später auf dem Markt einen vernünftigen Preis erbringen. Denn derzeit ist die Preislage schlecht, weil einfach zuviel Holz auf dem Markt ist. Noch schlimmer als in Unterfranken sieht die Situation in Gebieten aus, in denen die Fichte schwerpunktmäßig wächst.
Doch ohne die privaten Waldbesitzer drohen alle kommunalen und öffentlichen Bemühungen um eine Schadensbegrenzung zu verpuffen, wissen die Forstexperten. Denn der Borkenkäfer schaut nicht, in welchem Wald er frisst. Hubert Türich weist daraufhin, dass jeder Waldbesitzer in der Verantwortung steht, seine Bestände selbst zu kontrollieren und für Abhilfe zu schaffen. Weiteres Problem: Es ist Ferienzeit, viele sind vielleicht gar nicht da. Andere wissen gar nicht, wo die von Eltern oder Großeltern angelegten Waldstücke liegen. Die Forstbehörde meldet sich bei Waldbesitzern nur, wenn die Förster auf ihren Inspektionen zufällig Schäden feststellen.


Klimawandel sei schuld

Und es gibt noch ein weiteres Dilemma: Durch die Sturmschäden vom Winter liegt immer noch viel Fichtenholz an den Waldwegen, weil es noch nicht abgefahren wurde. "Das steckt voller Käfer", sagt Wolfram Zeller, und auch das muss dringend aus dem Wald. Der Freistaat hat bereits reagiert und erlaubt nach Absprache höhere Transportlasten bei der Holzabfuhr, erläutert Hubert Türich.
Einig sind sich alle Forstleute, dass der massive Borkenkäferbefall jetzt eine sichtbare Auswirkung der Klima-Erwärmung ist. Der Fichte geben die Forstleute in unserer Region dauerhaft keine Chance mehr, ähnlich sehen Türich und Mäckler die Situation für die Schwarzkiefer. Hubert Türich betont, dass es jetzt um einen zügigen Waldumbau hin zu stabilen Mischwäldern geht.
Doch solche Trockenphasen setzen auch den Laubbäumen zu, betont Wolfram Zeller. "Wir brauchen dringend Regen", ist der einhellige Tenor. Für viele Fichten kommt der aber dann schon zu spät. Denn dort scheint die Käfer-Invasion in vollem Gange zu sein.
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