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Zeil am Main
Himmlische Aussichten

Überall in der Welt gibt es "Samenkörner der Wahrheit"

Liebe Leserin, lieber Leser! "Der Islam gehört nicht zu Bayern", so wurde die Angst vor dem Islam im fast beendeten Wahlkampf des Öfteren thematisiert. Leider so, dass nicht die Auseinandersetzung mit...
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Rudi Reinhart
Rudi Reinhart

Liebe Leserin, lieber Leser!

"Der Islam gehört nicht zu Bayern", so wurde die Angst vor dem Islam im fast beendeten Wahlkampf des Öfteren thematisiert. Leider so, dass nicht die Auseinandersetzung mit ihm geschieht, sondern eher zur Abgrenzung oder Ausgrenzung führt. Auch die ersten Christen lebten in einer Welt mit vielen unterschiedlichen Religionen. Sie haben sich gefragt, was das für sie bedeutet und wie sie mit dieser Situation umgehen sollen. Ein früher christlicher Denker, Clemens von Alexandrien, versuchte dem im dritten Jahrhundert gerecht zu werden. Clemens beschreibt die Religionen als Musik, die den Menschen etwas geben. Für ihn ist Jesus ein neuer Sänger eines gänzlich neuen Liedes. Er betont also ausdrücklich, wo für ihn die wahre Musik zu finden ist, tut das aber, ohne die Verbindung zur Musik anderer Religionen abzubrechen. Damit versucht er, eine bloße Konfrontation zu vermeiden und die eigene Überzeugung mit einer Wertschätzung anderer zu verbinden. Für Klemens finden sich überall in der Welt "Samenkörner der Wahrheit". Mit dieser Aufwertung der anderen Glaubensformen will er die Glaubenden zu Gesprächspartnern auf der Suche nach der Wahrheit machen.

Auch das zweite Vatikanische Konzil betont, dass Christsein vom Dialog, konkret von der Wertschätzung des anderen und vom Gedankenaustausch im Interesse der gemeinsamen Suche nach Wahrheit lebt.

Jeder religiöse Dialog lebt davon, dass Gott die Mitte der Welt ist und nicht das, was wir Menschen daraus gemacht haben. Es geht durchaus um Abgrenzung, aber keinesfalls um Abwertung. Dialog ist Begegnung und Austausch. Klar muss uns Christen sein, wenn wir uns in den Dialog begeben, dass wir dann angefragt werden, was unser Christliches ist, was unseren Glauben an Jesus ausmacht und was uns wertvoll ist. Lasst uns darüber untereinander, aber auch mit den anderen Religionen ins Gespräch kommen.

Rudi Reinhart, Betriebsseelsorger

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