Kronach
Initiative

Über sechs Millionen Plastikverschlüsse ermöglichen 37 000 Impfungen

"Schade, dass wir nicht weiter sammeln können. Das war doch eine so gute Sache, den Kindern in armen Ländern zu helfen. Wirklich sehr, sehr schade, dass das jetzt vorbei ist." So äußerten sich ein wen...
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Wirklich schade, dass die Aktion beendet ist. Das meinen nicht nur Daniel und Jörg (vorne von links) vom Haus Schmeilsdorf, sondern auch die Verantwortlichen der beiden Deckel-drauf-Initiativen, Jens Schuwald (Kulmbach) und Klaus Stengl (hinten von links). Foto: privat
Wirklich schade, dass die Aktion beendet ist. Das meinen nicht nur Daniel und Jörg (vorne von links) vom Haus Schmeilsdorf, sondern auch die Verantwortlichen der beiden Deckel-drauf-Initiativen, Jens Schuwald (Kulmbach) und Klaus Stengl (hinten von links). Foto: privat

"Schade, dass wir nicht weiter sammeln können. Das war doch eine so gute Sache, den Kindern in armen Ländern zu helfen. Wirklich sehr, sehr schade, dass das jetzt vorbei ist." So äußerten sich ein wenig wehmütig Daniel und Jörg, zwei junge Bewohner des Hauses Schmeilsdorf der Behindertenhilfe der Rummelsberger Diakonie in Mainleus, die in den vergangenen Monaten gemeinsam mit anderen Mitbewohnern eifrig Hartplastikdeckel für die Aktion Deckel-drauf gesammelt und im Zwischenlager Kulmbach sortiert hatten.

Beim Jahresfest der Schmeilsdorfer Einrichtung zogen die Verantwortlichen der ehrenamtlich tätigen Deckel-drauf-Initiativen aus Kronach und Kulmbach, Klaus Stengl und Jens Schuwald, eine Bilanz dieser im Juni zu Ende gegangenen Aktion.

Schuwald und Stengl begründeten das Ende der bundesweiten Sammlung vor allem mit sinkenden Rohstoffpreisen und zudem mit einer EU-Verordnung, die schon bald eine feste Verbindung der Kunststoffflaschen mit den Verschlüssen vorsieht.

Jens Schuwald erläuterte, dass die Aktion Deckel-drauf bundesweit in fünf Jahren über 3,3 Millionen Impfungen gegen Kinderlähmung in Ländern der Dritten Welt finanzieren konnte.

Für Kronach, aus der die Initiative hervorgegangen ist, bilanzierte Klaus Stengl, dass dort innerhalb von drei Jahren an zuletzt über 70 öffentlichen und internen Abgabe- und Sammelstellen in Schulen, Kindergärten, Getränkemärkten, Gaststätten und Firmen rund 4,5 Millionen Hartplastikverschlüsse von Getränkeflaschen gesammelt wurden. Nach der Verdreifachung des Verkaufserlöses durch die Bill-Gates-Stiftung konnte die Kronacher Initiative dadurch zirka 27 000 Polio-Schluckimpfungen ermöglichen.

70 Schwerlastsäcke

Um die Dimension zu verdeutlichen, ergänzte Stengl, dass in Kronach und Kulmbach insgesamt 70 Schwerlastsäcke (Big Bags) voller Plastikverschlüsse aus halb Oberfranken mit einem Gesamtgewicht von über 13 Tonnen zusammengetragen und dann recycelt werden konnten.

Klaus Stengl dankte abschließend allen Sammlerinnen und Sammlern aus ganz Westoberfranken und darüber hinaus, den Helfern der beiden Initiativen sowie den Sponsoren und Unterstützern. Besonders hob er die Landkreise Kronach und Kulmbach hervor, ohne deren logistische Unterstützung diese Aktion nicht möglich gewesen wäre. "Alle gemeinsam können wir stolz auf die zusammen 37 000 Impfungen gegen Kinderlähmung sein, die wir durch über sechs Millionen Plastikverschlüssen erwirtschaftet haben. Damit können viele Kinder und Jugendliche in der Dritten Welt vor einer Polio-Erkrankung bewahrt werden können."

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