Bad Staffelstein

Über das "Ruhrgebiet Oberfrankens"

Die nördliche Frankenalb und auch der Jura waren im frühen Mittelalter Orte, wo Eisenerz abgebaut und weiterverarbeitet wurde.
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Die Frankenalb wie hier östlich von Nürnberg taugt auch sehr gut zum Wandern.  Foto: TV Franken
Die Frankenalb wie hier östlich von Nürnberg taugt auch sehr gut zum Wandern. Foto: TV Franken
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Der Archäologe Michael Lebsak aus Nürnberg bezeichnet die nördliche Frankenalb als "Ruhrgebiet Oberfrankens". In seinem CHW-Vortrag im Stadtmuseum referierte er über die Eisenverhüttung im Frühmittelalter.

"Die Steiermark, das Lahn-Dill-Gebiet oder auch die Oberpfalz sind Regionen, die viele Menschen mit dem historischen Abbau und der Verhüttung von Eisenerz in Verbindung bringen", so der wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität Bamberg. Auch der Jura sei eine einstige Bergbaulandschaft. Sie hätte im 8. und 9. Jahrhundert eine große wirtschaftliche und strategische Rolle gespielt.

Die Verhüttung erforderte riesige Mengen an Holzkohle. So wurde in der gesamten Region der Wald vernichtet, es herrschte ein einziger Kahlschlag, ein Raubbau an der Natur. Das hatte schlimme Folgen für die Bevölkerung, die sich vom Wald ernährte. Erst die Bischöfe vom 1007 gegründeten Erzbistum Bamberg setzten dem Treiben ein Ende.

Siegeszug der Eisenverhüttung

Mit der Erfindung des Kalksteins als Reduktionsbeschleuniger bei der Verhüttung von Eisenerz reduzierte sich die zugeführte Energie drastisch und die Eisenverhüttung begann ihren Siegeszug. Da waren aber die Meiler und Schlackeöfen in der nördlichen Frankenalb längst erloschen.

Akribisch hatte der Wissenschaftler archäologische Funde untersucht, Textquellen und Urkunden erforscht. Flur- und Ortsnamen waren ihm dabei behilflich. Auch die Standortfaktoren wie Holz und Wasser spielten eine Rolle. "Die Quellenlage ist sehr schwierig und weitere Untersuchungen werden stattfinden", sagte Michael Lebsak. Er zeigte alte Landkarten, auf denen große gradlinige Straßen eingezeichnet waren, die dem Transport der Rohstoffe dienten. Ein Zentrum war das Gebiet südöstlich von Hollfeld, insbesondere der Ortsteil Stechendorf. Dort habe man große Mengen an Schlacke, Tonscherben und Hausrat gefunden.

Unter anderem wurden Drehschleifscheiben entdeckt, die eine gehobene Schmiedetätigkeit belegten. Die Scheiben seien zum Schleifen von Schwertern und Werkzeugen verwendet worden. Auch sogenannte Probiersteine habe man gefunden, mit denen der Reinheitsgrad von Gold festgestellt werden konnte.

Der Einfluss der Slawen in der Frankenalb könne an den Funden von Tonwannen festgestellt werden. Die slawischen Tonwannen seien für das Rösten von Lebensmitteln benutzt worden.

Scherben in Weismain

Ein weiterer Beleg für die Existenz der Slawen seien Fragmente bauchiger Tongefäße, die überall in der Gegend gefunden wurden. Scherben habe man sogar in Weismain gefunden. Dass Eisen eine strategische Bedeutung hatte, zeigten Aufzeichnungen von Geschichtsschreibern, machte der Archäologe deutlich. Er zitierte Notker von Sankt Gallen, der 883 schrieb: "Die Verteidiger von Pavia seien erstarrt von dem Anblick des vielen Eisens in dem Heere Karls des Großen bei der Belagerung der Stadt Pavia im Jahre 773." Er fügte hinzu: "Möchten doch unseren Fürsten Gold und Silber ebenso wertlos und Eisen ebenso wertvoll erscheinen."

Im jüngeren Mittelalter und in anschließenden Zeiten haben in Nordostbayern zahlreiche Hammerwerke an Wasserläufen bestanden, die aus benachbarten oder entfernten Bergwerken bezogenes Eisenerz verhütteten, erläuterte der Referent anhand einer Karte, auf der er die Standorte der Kohlemeiler, Hammerwerke, Eisenhütten, Röststätten, Erzvorkommen und Abbauorte eingezeichnet hatte. awe

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