Erlangen

Über 12 000 beim Poetenfest

Lesungen, Diskussionen, Ausstellungen: Die Veranstaltung kommt beim Publikum an.
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Mit zwei aufeinanderfolgenden Autorenporträts mit Daniel Kehlmann und Christoph Ransmayr feierte das 38. Erlanger Poetenfest am Sonntag im doppelt ausverkauften Erlanger Markgrafentheater ein fulminantes Finale. Parallel dazu bildeten María Cecilia Barbetta und Angelika Klüssendorf in der Spätsommer-Sonne des Erlanger Schlossgartens den Abschluss der zweitägigen Revue der Neuerscheinungen. Insgesamt wurden bei den verschiedenen Veranstaltungen rund 12 000 Besucher gezählt, wie das Kulturamt als Veranstalter mitteilte.

An den Abenden zuvor waren der Romancier, Lyriker und Essayist Marcel Beyer und die in Fürth geborene Schriftstellerin Natascha Wodin im Markgrafentheater zu Gast; anlässlich ihrer Auszeichnung mit dem Georg-Büchner-Preis war auch Terézia Mora nach Erlangen gekommen.

Der Auftakt des Poetenfests war in diesem Jahr dem Ursprung der Poesie gewidmet: Marcel Beyer, Norbert Hummelt, Jan Kuhlbrodt, Tristan Marquardt, Brigitte Oleschinski und Lea Schneider erwiesen der Kunst des Minnesangs ihre Ehre, während Raoul Schrott sich damit auseinandersetzte, wie die Ideen in die Politik kommen.

Im Zentrum stehen traditionell die langen Lesenachmittage mit Buchpremieren. Wegen Regen am Samstagnachmittag zunächst in Innenräumen, später im Erlanger Schlossgarten, sonntags dann bei idealem Spätsommerwetter stellten die Autoren ihre teilweise druckfrischen Neuerscheinungen vor.

Neben dem literarischen Programm sind Gesprächs- und Diskussionsrunden zu politischen und gesellschaftlichen Themen ein ebenso wichtiger Bestandteil des Erlanger Poetenfests. Im Rahmen des aktuellen Podiums zum Thema "Migration und Demokratie" forderte Ferda Ataman, Journalistin und Sprecherin der "Neuen Organisationen" dazu auf, Integration nicht einseitig auf Migranten zu beziehen, sondern auf alle, die abseits der Gesellschaft stehen: "Wir brauchen auch Integrationsangebote für Hut- und Wutbürger."

Für ein starkes Europa

Im Zusammenhang mit der #metoo-Debatte bemerkte die Bachmann-Preisträgerin Nora Gomringer, dass es Zeit wäre für die Frauen, "wie Lysistrata zu handeln. Frauen müssen die Männer wieder erheben. Aber wie erhebt man einen, der einen

gequält, vergewaltigt hat?" Die Teilnehmer der Sonntagsmatinee - diesmal in der Moderation von Ulrike Ackermann mit dem Titel "Welt Macht Verschiebungen" - forderten im weltpolitischen Vakuum ein attraktives und starkes Europa als "globale Avantgarde" (Nicole Deitelhoff), den Dialog mit Russland und China, vor allem aber, dass Amerika der Partner ist, mit dem wir die meisten Werte teilen. Werte, die - so die Spiegel-Korrespondentin Susanne Koelbl - infrage gestellt werden müssen, solange der Wohlstand des Westens "mit der Ignoranz gegenüber dem Elend der anderen erkauft ist".

Das 38. Erlanger Poetenfest wurde begleitet von einigen Ausstellungen. Besonderes Aufsehen erregten im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek die eindrücklichen Bildfolgen und Collagen des Kriegsreporters Wolf Böwig, der über vierzig Konflikte fotografisch begleitet hat. red

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