Lichtenfels
Konzert 

Über 1000 Zuhörer da

Optische und vor allem musikalische Extravaganz bot Pianistin Younee in Lichtenfels.
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Über 1000 Zuhörer waren zum Benefizkonzert auf den Lichtenfelser Marktplatz gekommen. Foto: Andreas Welz
Über 1000 Zuhörer waren zum Benefizkonzert auf den Lichtenfelser Marktplatz gekommen. Foto: Andreas Welz
Lichtenfels — Die südkoreanische Starpianistin Younee überschritt bei ihrem Konzert am Donnerstag auf dem Lichtenfelser Marktplatz die eigenen Grenzen auf das virtuoseste. Die Komponistin und Songwriterin bewies am Steinway-Flügel den über 1000 begeisterten Zuhörern eindrucksvoll, dass sie derzeit zu den innovativsten Künstlern gehört. Sie zündete mit atemberaubender Fingerfertigkeit und mit Eigenkompositionen ein brillantes Feuerwerk zwischen Furioso und Pianissimo, nahm ihre Hörer mit auf eine hochemotionale Reise in eine neue Welt der Klaviermusik. Bis zum letzten Ton passierte alles intuitiv.
Auch mit ihren humorvollen Erläuterungen zu den einzelnen Kompositionen, in Deutsch vorgetragen, gewann sie die Herzen der Konzertbesucher. Bei dem Klavierzyklus "Bilder einer Ausstellung" - Erinnerungen an Viktor Hartmann - stellte sie vergnügt fest: "Ich bin neugierig wie es klingen wird."
Und dann belebte sie aus ihrer ganz eigenen Sichtweise Klassik fast zum Jazz reichender Populärmusik. Auch wenn die anspruchsvollen Stücke der Künstlerin konditionell einiges abverlangten, saß sie aufrecht auf der Kante des Klavierhockers, immer konzentriert und hochmotiviert. Bei der Komposition "Hello, Hello", eine Neuinterpretation der Mendelssohns-Heine Paarung "Auf Flügeln des Gesangs", bewies die Koreanerin, dass ihr Gesang ihrem Klaviergenie in nichts nachsteht.


Prägnantes Anfangsmotiv

Vor der Pause interpretierte sie Beethovens 5. Sinfonie, auch Schicksalssymphonie genannt, auf ihre Weise. Das populärste Stück klassischer Musik identifizierte Younee mit den drei markanten Achteln auf "G", denen in derselben Dynamik ein langgezogenes "Es" folgt (da-da-da-daa). Das prägnante Anfangsmotiv wiederholte sie zwischen den furiosen Variationen bis zum fulminanten Schlussakkord.
Mit dem "Piano-Virus" im zweiten Teil des Konzerts brauchte Younee ihre Zuhörinnen und Zuhörer nicht mehr zu infizieren. Alle waren von der grazilen und extravagant gekleideten Pianistin begeistert. Von den wehenden Blusen in Rosa und flammend Rot über die schwarzen Hosen mit lila- und orangefarbenen Schlägen bis zu den samtenen Highheels mit glitzernden Pailletten strahlte sie auch optisch Extravaganz aus. "Für mich ist immer Sonntag, auch wenn heute Donnerstag ist", bekannte sie vor dem jazzigen "Blue Saturday". Ihre Liebe zu Deutschland brachte die Pianistin mit einer Hommage an ihre Wahlheimat Bayern zum Ausdruck. In den alten Städten wie in Ansbach oder Lichtenfels fühle sie sich, als ob sie in einer anderen Zeit lebe.
Die Probleme der heutigen Welt griff sie mit ihrem "Toccata-Blues" auf. Sie hämmerte in die Tasten, die lange Mähne flatterte im Luftzug der Nebelmaschinen auf der Bühne. Sie wolle den "Ärger im Bauch" loswerden, kündigte Younee an. Neben dem seelischen Schmerz erinnerte sie sich musikalisch auch an einen "Hexenschuss", der ihr größte körperliche Schmerzen bereitet hätte. Und zum Schluss dankte sie den Besuchern mit dem Geständnis: "Ich war glücklich heute Abend."
Erst nach zwei Zugaben wurde sie von den stehend applaudierenden Zuhörern zur Autogrammstunde am Rathaus entlassen, wo sie auch ihr neues Album "Jugendstil" vorstellte.
Das kostenlose Benefizkonzert veranstaltete die Stiftung "Unser Lichtenfels". 2. Bürgermeisterin Sabine Rießner betonte: "Die Stiftung möchte einen Beitrag zu einem lebendigen Lichtenfels leisten."

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