Lauenstein

Üben für das Horrorszenario

Beim fränkisch-thüringischen Traumatag übten Einsatzkräfte in Lauenstein, was bei einer Katastrophe zu tun ist.
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"Waidmannsheil und Quer zu Sau", "Wenn die Blase platzt", "In luftiger Höhe" und "Heißer Morgen": Harmlos klingen sie, die Titel der vier Außenstationen des thüringisch-fränkischen Traumatags, die die acht teilnehmenden Viererteams in einem Parcours durchliefen. Doch hinter diesen die Fantasie anregenden Bezeichnungen verstecken sich wahre Horrorszenarien.

Explosion im Zeltlager

In "Waidmannsheil und quer zu Sau" wird bei einer Treibjagd eine Person von einem Querschläger getroffen und trägt dabei eine stark blutende Wunde davon. Beim "Heißen Morgen" explodiert bei einem Zeltlager einer Jugendgruppe eine Propangas-Flasche. Ein junger Mann erleidet schwere äußerliche und innere Verletzungen und muss künstlich beatmet werden.

"In luftiger Höhe" muss die Bergwacht einen Wanderer retten. Der Mann klagt beim Besteigen der über 25 Meter hohen Thüringer Warte über akute Brustschmerzen und muss mit Verdacht auf einen Infarkt innerhalb des Gebäudes in einem Rettungssack abgeseilt werden. "Wenn die Blase platzt oder Lichtblicke durch den Frankenwald" simuliert ein Entbindungsszenario in einem Rettungswagen. Erstmals überhaupt wurde dabei eine sogenannte Real Mom in einem Rettungswagen in Deutschland eingesetzt. Der von einer amerikanischen Firma hergestellte Frauen-Ganzkörper-Simulator ist erst ab kommendem Januar auf dem Markt. Das diese Simulation bereits jetzt zum Einsatz kommt, ist den "Gründungsvätern" des Thüringisch-Fränkischen Traumatags, Rettungsassistent Sascha Heidrich und Notfallsanitäter Andreas Schubert, zu verdanken. Die beiden Mitarbeiter des DRK-Rettungsdienstes Saalfeld verfügen über hervorragende Kontakte und ein großes Netzwerk, so dass auch bei den anderen Außenstationen durchwegs allerneueste Technik zum Einsatz kam.

So realistisch wie möglich

Was 2014 auf ihre Initiative hin als lokale Weiterbildung einiger Interessierter in fränkisch-thüringischer Waldluft begann, hat mittlerweile weit überregionale Beachtung gefunden und Bedeutung erlangt. Ihr besonderer Dank galt den regionalen Firmen für die großzügige Unterstützung, ohne die die Veranstaltung nicht in dieser Form hätte stattfinden können. Der Zuspruch war auch heuer enorm. Erstmals dabei waren beispielsweise Peter Kopp und Manuel Rosenmüller. Die beiden Notfallsanitäter der Johanniter-Rettungswache Rudolstadt zeigten sich insbesondere von den interessanten und lehrreichen Fallbeispielen mit hohem Praxisbezug begeistert. "Ich nehme viel für die Praxis und Realität mit. Es ist eine gute Auffrischung und zugleich ein Motivationsschub", lobte Kopp. Enorm wichtig sei das länderübergreifende Konzept, um auf eine gemeinsame Zusammenarbeit im Notfall vorbereitet zu sein.

Mehrere Schwerverletzte

Am Nachmittag kam unangekündigt eine fünfte Station hinzu. Dabei wurde eine Extremsituation nachgestellt: Eine Gruppe alkoholisierter junger Leute baut im Wald einen Verkehrsunfall. Es gibt mehrere Schwerverletzte innerhalb und außerhalb des Fahrzeugs. Hinzu kommt, dass im Wald Baumfällarbeiten stattfinden und deswegen die dadurch versperrte Zufahrt erst einmal freigeräumt werden muss.

Gefahr terroristischer Anschläge

Das Programm begann am Freitag mit einem umfassenden Vortragsteil im BRK-Seniorenhaus Ludwigsstadt. Neben der Besprechung von Behandlungsprinzipien ging man dabei auch auf aktuelle Themen wie Terrorgefahr und rechtliche Grundlagen des Handelns der Notfallsanitäter ein. In zwei Jahren wird es die fünfte Auflage geben.

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