Hirschaid

Tüfteln ist angesagt

Der Festplatz in der Ortsmitte und der künftige Großparkplatz sorgen für reichlich Diskussion in Hirschaid.
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Viele Wenn und Aber setzte der Marktgemeinderat den Plänen des Burghaslacher Landschaftsarchitekten Frieder Müller-Maatsch für die Umgestaltung des Festplatzes in der Ortsmitte sowie des künftigen Großparkplatzes im "Leimhüll" entgegen. Der Vorschlag für den Pendlerparkplatz wurde erst mal nur "zur Kenntnis genommen". Da änderte auch der warnende Hinweis des Bauamtsleiters Stefan Endres nichts, es müsse damit gerechnet werden, dass die rund 100 Parkplätze an der Heinrichstraße ab 2020 für den ICE-Streckenausbau entfallen.

Und zur Umformung des Areals hinter dem Rathaus gab der Marktgemeinderat nur sein grundsätzliches Einverständnis, weil man dort möglichst bald ein öffentliches und behindertengerechtes Toilettenhäuschen errichten möchte (nahe dem bestehenden "Partnerschaftsstein").

So kann Bürgermeister Klaus Homann (CSU) wenigstens mit einem Planungsentwurf nach Bayreuth fahren, um den von der Regierung von Oberfranken in Aussicht gestellten 60-prozentigen Zuschuss zu sichern. Es zeichnet sich ab, dass der von einem Arbeitskreis abgestimmte Entwurf noch gründlich gewälzt wird. Albert Deml von der Ökologischen Liste will in die Neuplanung am liebsten die Bürger einbeziehen. "Wozu brauchen wir dann noch einen Gemeinderat?", ließ sich aus dem darauf einsetzenden Grummeln der übrigen Ratsmitglieder heraushören. Immerhin sagte Bürgermeister Homann zu, den Plan bei der Bürgerversammlung im Herbst zu präsentieren.

Inklusive Spielrasen

Müller-Maatsch sieht für das Gelände hinter dem Rathaus zwei von Pflasterstrecken eingegrenzte Nutzungsareale vor: gleich im Anschluss an das Gebäude eine Veranstaltungsfläche mit wassergebundener Decke und östlich angrenzend einen von großkronigen Bäumen beschatteten Spielrasen, dazu einige Sitz- und Liegeskulpturen. Die Idee des Planers: Die zum Verweilen einladenden Betonelemente sollen im Winterhalbjahr mit Erdwärme beheizbar sein - eine Verknüpfung zum benachbarten Energiepark. Die Fachhochschule Coburg würde ein Beleuchtungskonzept für das Rathausgelände beisteuern. Knapp 300 000 Euro soll die Umsetzung dieses Konzepts kosten, 120 000 Euro entfielen bei einem 60-prozentigen Zuschuss auf die Gemeinde.

"Eine gute Maßnahme, aber zum falschen Zeitpunkt", kommentierte Zweite Bürgermeisterin Elke Eberl (CSU). Die Refinanzierung durch künftige Parkgebühren ist ihrer Meinung nach ungeklärt, ebenso der spätere Unterhalt. Dritter Bürgermeister Hans Wichert (WG Sassanfahrt-Köttmannsdorf-Rothensand) forderte die Begrenzung auf 250 000 Euro Kosten, "Abspecken!", ergänzte sein Fraktionskollege Gerhard Lieberth. Markus Zillig (WG Röbersdorf) warnte davor, in das Rathaus- und Parkplatzprojekt einzusteigen, bevor das in Auftrag gegebene Gesamtverkehrskonzept vorliegt. Andererseits verteidigten Sigrid Oppelt (Freie Wähler) und Horst Auer (SPD) den im Arbeitskreis gründlich erwogenen Planungsentwurf. Bei einer zeitlichen Streckung über zwei Jahre könne ein Projekt verwirklicht werden, das für alle ein Gewinn sein werde, meinte Auer. Und Roland König (Ökologische Liste) assistierte: "Nicht kleckern, sondern klotzen - das haben sich die Hirschaider verdient!"

CSU-Sprecher Heinrich Dorn dämpfte den Diskussionseifer mit dem Hinweis, dass man über Details des Konzepts doch noch später reden könne und es nun dringend darum gehe, ein öffentliches WC im Ortskern zur Verfügung zu stellen. Immerhin: Weil es in gewisser Weise pressiert, stimmte der Marktgemeinderat mit 19:3 dafür, den vorliegenden Plan zur Genehmigung einzureichen. Nur zwei waren dagegen, dem Toilettenhäuschen Vorrang einzuräumen.

Beim Parkplatzprojekt im Leimhüll gingen die Meinungen im Marktgemeinderat weit auseinander. Die von der DB zunächst nur gepachtete, 320 Meter lange Fläche entlang des Bahnkörpers zwischen der Maximilianstraße und dem ehemaligen Baywa-Lager ist groß genug für rund 200 Stellplätze, darunter welche für Frauen, Behinderte, für E-Mobile und Zweiräder mit oder ohne Motor; dazwischen und zur Straße hin viel Grün, das jetzige Jugendzentrum ausradiert.

Keine Begeisterung

Über die Kosten wurde erst gar nicht geredet - auch hier wird die Marktgemeinde nur 40 Prozent selbst beisteuern müssen -, aber von irgendeiner Begeisterung an dem schönen Plan war nichts zu hören. Stattdessen wurde gemäkelt: Roswitha Dirmeier (CSU) wünschte die Ausdehnung des Konzepts auf die Nordseite des Bahnhofs und Roland König die Einbeziehung des historischen Gebäudes für Unterstellmöglichkeiten und öffentliche Toilette. Josef Haas (SPD) schlug die Verdoppelung der Behindertenparkplätze vor. Hans Wichert wünschte die Errichtung eines Parkhauses als Lärmschutzanlage, zumal allein für die Realschule 80 Parkplätze erforderlich seien. Stefan Paptistella (CSU) sieht eine Chance für den Erhalt des Jugendzentrums, wenn auf einen Teil der Stellflächen verzichtet werden würde. Gerhard Lieberth warnte davor, dem Projekt zuzustimmen, so lange die Marktgemeinde nicht Eigentümerin des Geländes ist (Kaufverhandlungen sind im Gange, Anm. d. Red.).

Elke Eberl forderte einen zweiten Parkplatz auf der östlichen Seite, da man nicht den gesamten Verkehr, auch die Pendler aus dem Jura, ins Zentrum lenken könne. Ihre Sorge um Verkehrsstauungen zerstreute Peter Dresel (CSU). Zu- und Abfahrten am Pendlerparkplatz verteilten sich über mehrere Stunden, berichtete Dresel aus eigener Anschauung. Landschaftsplaner Müller-Maatsch hatte freilich schon einen Plan B für einen Parkplatz im Bereich Hohe Beete gezeichnet: Zukunftsmusik, da das Gelände nur sehr aufwendig erschlossen und auf Umwegen an den Haltepunkt der Bahn angebunden werden könnte.

Nach dieser Breitseite gegen den Parkplatzplan stellte Bürgermeister Homann fest: "Einen Beschluss brauchen wir da nicht zu fassen." Es soll aber weiter an dem Projekt getüftelt werden und auch die Anlieger will man einbeziehen, denn ohne Pendlerparkplatz in Bahnhofsnähe geht's eben auch nicht.

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