Lichtenfels
Gericht

Tritte gegen Polizisten führen hinter Gitter

Es sollte ein Prozess werden, der den ganzen Tag andauerte. Doch am Abend des vergangenen Mittwochs stand das Urteil gegen einen 35-jährigen Burgkunstadter fest: Insgesamt zwei Jahre Haft wegen Widers...
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Es sollte ein Prozess werden, der den ganzen Tag andauerte. Doch am Abend des vergangenen Mittwochs stand das Urteil gegen einen 35-jährigen Burgkunstadter fest: Insgesamt zwei Jahre Haft wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, versuchter Körperverletzung in mehreren tateinheitlichen Fällen, wegen vorsätzlicher Körperverletzung, wegen fahrlässiger gefährlicher Körperverletzung und mehrfachen Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz.

Gegen 9 Uhr betrat der Angeklagte in Fußfesseln den Saal 14 des Amtsgerichts. In dem Verfahren gegen den derzeitig in Haft sitzenden Mann erhielten besonders Videoaufnahmen Beweiskraft, die von einem Helikopter aus gefilmt wurden. Zu sehen waren Szenen vom 8. Mai 2015, auf denen der Mann auf einem Feld beim Altenkunstadter Friedhof gegen Polizisten austrat. Diese suchten den Mann zunächst mit Worten dazu zu bewegen, sich helfen zu lassen. Der Grund: Man fand einen Abschiedsbrief von ihm, der auf Selbstmordabsichten hinwies. Erst sah es so aus, als ob der gestellte Mann mit sich würde reden lassen, dann aber, so die im Zeugenstand auftretenden Polizisten, habe dieser "zum Selbstschutz" doch fixiert werden müssen. In Fesseln trat der Mann, der zudem unter 1,7 Promille Alkohol stand, aber aus und in den Unterleib eines Beamten. Auch Beleidigungen wurde der Mann los, ganz massive.

30 Minuten Anklageverlesung

Im Grunde wurden vier Anklagepunkte vorgetragen, unter anderem auch die nachweislichen, ihm aber untersagten Kontaktaufnahmen zu seiner Lebensgefährtin. Dieser schrieb er im Oktober 2016, dass sie bald ihren letzten Geburtstag haben würde, dass es ein baldiges Wiedersehen geben werde und mehr. Allein die Anklageverlesung durch Staatsanwalt Harun Schütz sollte eine halbe Stunde in Anspruch nehmen. Bezüglich des Widerstandes, den der Mann auf dem Feld leistete, suchte seine Rechtsanwältin Olga Sommer herauszustellen, dass auch Gewalt seitens der Polizei ausging und sie stellte in den Raum, dass Gewalt bei dieser Suizidfestnahme nicht notwendig gewesen sei. Allerdings war auf den Videosequenzen auch zu sehen, dass sich die Beamten auch erst lange bemühten, mit dem Angetrunkenen ins Gespräch zu kommen und ihn im Gespräch zu halten.

Dazu äußerte ein 44-jähriger Polizist im Zeugenstand aber auch, dass man auf die eigene Gefahrabwehr bedacht sein müsse und "irgendwann muss er ja angefasst werden". Der Polizist, der den schmerzlichen Tritt abbekam, hatte an dem damaligen Tag sogar frei und war nur zufällig in der Nähe. Über die Beleidigungen gegen ihn ging er einigermaßen hinweg: "Es gehört heute schon zum guten Ton, dass man beleidigt wird."

Auf dem Video war der Tritt, gezielt und mit gestrecktem Bein gegen den Beamten ausgeführt, klar erkennbar. Auch die einstige Lebensgefährtin des Angeklagten sollte zu Wort kommen, sie hielt sich aber bei der Bestätigung der Vorwürfe einigermaßen knapp und nüchtern. Das Urteil sollte von Richter Alexander Zenefels nicht zur Bewährung ausgesetzt werden. Ein Umstand, den der Angeklagte mit wenig Regung zur Kenntnis nahm.

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