Bad Staffelstein
Unser Thema der Woche // GLEICHBERECHTIGUNG

"Traut euch, ihr könnt das!"

Die CSU-Europaabgeordnete Monika Hohlmeier rät allen Frauen, sich stärker politisch zu engagieren und sich in kommunale Gremien wählen zu lassen. Frauen, sagt sie, wollen keinesfalls Dekoration sein, sie wollen mitreden.
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Monika Hohlmeier mit Karikaturen, die ihren Vater Franz Josef Strauß zeigen. Archivfoto: Matthias Einwag
Monika Hohlmeier mit Karikaturen, die ihren Vater Franz Josef Strauß zeigen. Archivfoto: Matthias Einwag

Die Europaabgeordnete Monika Hohlmeier (CSU) wirkt seit Jahrzehnten auf vielen politischen Ebenen. Mit ihr sprachen wir über die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Politik. Frage: In der Lokalpolitik sind noch immer viel mehr Männer als Frauen zu finden? Fehlt es den Frauen an Zeit, Interesse oder Engagement?

Monika Hohlmeier: Insgesamt hat sich das Bild schon verändert. Es gibt viel mehr Bürgermeisterinnen, Stadt-, Gemeinde- oder Kreisrätinnen, als dies vor 25 Jahren der Fall war. Alle Parteien wissen mittlerweile, dass eine Kandidatenliste ohne Frauen völlig inakzeptabel ist. Es sind jedoch vielerlei Faktoren, weshalb immer noch weniger Frauen als Männer in der Lokalpolitik aktiv sind. Für junge arbeitende Mütter spielt die Zeit eine erhebliche Rolle und die Akzeptanz ihrer politischen Arbeit durch Lebenspartner oder Ehemänner.

Manche Frauen sind genervt von der Art der Arbeitsstrukturen in den Parteien und von den Hierarchien in den parteipolitischen Gremien. Manche glauben, dass sie nichts bewegen können. Andere wiederum engagieren sich ehrenamtlich im sozialen, kulturellen oder sportlichen Bereich und sehen deshalb kein Potenzial mehr für die Politik.

Ich möchte Frauen jeden Alters ermutigen, sich politisch zu engagieren, denn wir müssen die Politik in unseren Kommunen auf die Bedürfnisse der gesamten Gesellschaft ausrichten und brauchen deshalb die Expertise der verschiedenen Generationen sowie von Männern und Frauen.

Warum ist es offenbar für Frauen unattraktiv, einer politischen Partei beizutreten und für ein kommunales Amt zu kandidieren?

Dem würde ich sogar widersprechen. Wir haben heute deutlich mehr Frauen, die sich auf kommunaler Ebene engagieren. Aber es gibt schon noch Spielraum zur Verbesserung.

Parteien müssen sich aktiv darum bemühen, Frauen anzusprechen. Frauen wollen sehr konkret tätig sein, also müssen die Ortsverbände Frauen Gestaltungsmöglichkeiten bieten und die Möglichkeit, Ideen in oder mit Hilfe der Partei zu realisieren.

Von sinnlosen Debattierrunden oder langweiligen Gremiensitzungen, die sich im Detail verlieren und ohne Ergebnis enden, sind Frauen eher abgestoßen.

Frauen wollen aktive Unterstützung, müssen aber auch lernen, dass sie sich innerhalb einer Partei einem Wettbewerb stellen und nicht singulär allein die Henne im Korb sind.

Aber auch das gesellschaftliche Umfeld wie Freunde, Unternehmen oder Vereine sollten politisches Engagement in demokratischen Parteien anerkennen.

Politisches Engagement darf nicht zum Hindernis für die berufliche Karriere oder im persönlichen Umfeld kritisch beäugt oder gar belächelt werden. Auch da gibt es teilweise Nachholbedarf.

Sind Frauen anders gestrickt als Männer, fehlt es ihnen an Durchsetzungsfähigkeit?

Frauen können durchsetzungsfähig sein, manchmal schrecken sie aber davor zurück, sich den Machtspielen oder auch schäbigen Personalauseinandersetzungen zu stellen, wenn es um Posten oder aussichtsreiche Kandidatenplätze geht.

Frauen sind oft teamorientierter. Deshalb ist es wichtig, dass sie von Anfang an beginnen, ein Netzwerk von Unterstützern, Mentoren und Freunden beziehungsweise Freundinnen zu bilden. Ein aktives Netzwerk ist die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche politische Karriere. Ich kann jeder Frau nur empfehlen: Traut euch, ihr könnt das!

Unsere junge Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner ist das beste Beispiel für eine mutige, kompetente und tolle junge Frau, die sich im politischen Zirkus durchsetzt.

Was müsste geschehen, um mehr Frauen zu bewegen, in Gemeinde- oder Stadträten sowie in Kreistagen mitzuwirken?

Frauen müsste klar signalisiert werden, dass ihre Mitarbeit gewünscht wird. Sie wollen nicht lästiges Anhängsel, Quotenobligation oder Dekoration sein. Sie wollen mitreden, mitentscheiden und für ihre Art zu arbeiten akzeptiert werden. Sie wollen, dass die Themen, die sie für richtig und wichtig halten, genauso wichtig sind oder sogar noch wichtiger werden, als die Themen, die schon immer traditionell auf der Tagesordnung standen.

Öffentliche Anerkennung für ihre Arbeit spielt auch eine große Rolle. Da reicht das typisch fränkische "Basst scho!" oder das ebenso typische wohlwollende Schweigen nicht. Frauen sind da kommunikativer und erwarten das auch von ihrem Gegenüber.

Was die Aufstiegschancen betrifft sind Frauen in der Politik längst gleichberechtigt. Sie können Kanzlerin, Parteivorsitzende und Bundestagsabgeordnete werden. Sind viele Frauen vielleicht gar nicht darauf aus, Karriere zu machen?

In dieser Frage spielen die Lebenspartner und Ehemänner eine große Rolle. Fast jede politisch erfolgreiche Frau hat einen verständnisvollen Mann an ihrer Seite oder keinen.

Manche Männer haben große Schwierigkeiten damit, wenn ihre Frauen eine höhere Stufe auf der Karriereleiter erklommen haben und sie als Väter und Partner mehr Verantwortung im Haushalt, in der Familie und für die Kinder übernehmen müssen. Das führt dann zu innerfamiliären Konflikten, die manche Frauen mit einem Karriereverzicht beantworten.

Ich will dies nicht als Schuldzuweisung an Männer verstehen. Frauen müssen sehr früh klar zu ihren Ambitionen stehen und diese offen ihrem Partner kommunizieren, um einen gemeinsamen harmonischen Weg zu finden, die familiären und politischen Interessen gut in Einklang zu bringen. Gott sei Dank gelingt dies immer häufiger. Die Fragen stellte Matthias Einwag.



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