Bamberg
Biodiversität 

Trainieren für den Freiflugschein

Dem FT-Leser und aufmerksamen Vogelfan Heinrich Hoffmann sind Bewohner auf der Altenburg aufgefallen: Die Jungtiere des dort angesiedelten Turmfalkenpaares bitten zur Flugstunde.
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Der Nistkasten am "Burgfried" der Altenburg  Foto: Ronald Rinklef
Der Nistkasten am "Burgfried" der Altenburg Foto: Ronald Rinklef
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Es hat sich ausgebrüllt auf der Altenburg. Nur noch ein ausgestopftes Exponat zeugt von "Poldi", dem letzten Burgbären Deutschlands. Lautes Kreischen lässt die Besucher jedoch aufhorchen und die Köpfe recken: Auf der Altenburg herrscht wieder tierisches Treiben, denn Turmfalken ziehen ihre Kreise über Bamberg.
Die Bamberger Altenburg sei schon immer ein attraktiver Nistplatz für verschiedene Gebäudebrüter gewesen, schildert Thomas Köhler, Vorsitzender des Verbands "Artenschutz in Franken". Köhler sieht die Sanierungsarbeiten an der Altenburg ab 2009 als Ursache für das plötzliche Verschwinden der Dohlen, Fledermäuse und Turmfalken. Hierbei seien beispielsweise Maueröffnungen verschlossen worden, die ein beliebtes Habitat für die Flugtiere waren. Die damalige Dringlichkeit der Baumaßnahmen stelle der Verbandsvorsitzende Köhler keineswegs infrage, jedoch hätte seiner Meinung nach das Wohl der Tiere in den Planungen oftmals einen vergleichsweise kleinen Stellenwert.
Der Verband "Artenschutz in Franken" beschloss daraufhin, den Gemäuerbrütern wieder eine ansprechende Anflugstelle auf der mittelalterlichen Burg in Bamberg zu schaffen. Zu diesem Zweck wurde 2010 ein Nistkasten am 33 Meter hohen "Burgfried" angebracht. Während die Brut im ersten Jahr nach der Installation noch dürftig ausfiel, verzeichneten die fränkischen Artenschützer im Juni 2012 bereits drei Jungtiere eines angesiedelten Turmfalkenpaares in dem neu errichteten Brutplatz. In den ersten Sommerwochen lernt der Vogelnachwuchs dann das Fliegen von den Vogeleltern, was unser Leser Heinrich Hoffmann mit anhaltender Freude verfolgte und begeistert Fotos schoss. Nach Ausbilden der Flugmuskulatur verlassen die jungen Turmfalken mit knapp zwei Monaten das elterliche Nest. Oftmals, so Köhler, kämen sie dann Anfang Herbst wieder zur Altenburg zurück, um einen passenden Lebenspartner zu finden.
Der Verband "Artenschutz in Franken" initiierte nicht nur einen Nistkasten auf der Altenburg: In ganz Bamberg sind rund zehn solcher Brutplätze befestigt. So spanne sich ein "Netz der Biodiversität" über Bamberg, sagt Köhler etwas stolz.
Wem der Aufstieg zur Altenburg doch zu kraftaufwendig ist, der kann ganz bequem die Turmfalken über eine im Brutkasten montierte Kamera beobachten. Die Bilder lassen sich über die Website des Verbands www.artenschutz-steigerwald.de abrufen.
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