LKR Bamberg

Tour zu künftigen Baustellen

Bei seiner jährlichen Rundfahrt durch den Landkreis informiert sich der Bau- und Wirtschaftsausschuss des Kreistags vor Ort über laufende und kommende Bauvorhaben.
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Der Bau- und Wirtschaftsausschuss ist ein eher unauffälliges Gremium des Kreistags. Bei den Beratungen geht es in der Regel unaufgeregt und sachlich zu, die meisten Beschlüsse werden einstimmig gefasst. Dabei werden hier große Summen bewegt - und was damit gemacht wird, bewegt und betrifft die Menschen. Zumeist geht es um Straßenbau. Mehr als neun Millionen Euro sind im Kreishaushalt für dieses Jahr vorgesehen. Fast ein Drittel aller Investitionen, die mit 26,5 Millionen Euro auf Rekordniveau sind.

Tradition ist es, dass der Bauausschuss einmal im Jahr eine Busrundfahrt durch den Landkreis unternimmt, um die Früchte seiner Arbeit in Augenschein zu nehmen, aber auch, um sich über kommende Aufgaben zu informieren.

In diesem Jahr hatte Michael Dotterweich, Fachbereichsleiter Tiefbau und Organisator der Rundfahrt, den Fokus auf künftige Projekte gelegt. An drei von sechs Besuchspunkten ging es um Vorhaben, die noch nicht über Vorüberlegungen hinweg sind: die Ortsdurchfahrt Lichteneiche der Kreisstraße BA 4, die BA 39 zwischen Rattelsdorf und Daschendorf sowie die BA 34 zwischen Appendorf und Oberhaid.

Kreisel oder nicht

Am weitesten fortgeschritten ist noch die Ortsdurchfahrt Lichteneiche. Dort waren im Vorfeld 2017 Kanal und Wasserleitungen erneuert worden, die BA 4 (Gundelsheimer Straße) war für den Durchgangsverkehr monatelang gesperrt. Nun soll auf etwa 600 Meter Länge die Fahrbahn erneuert werden, während die Gemeinde die maroden Gehwege und die Stellplätze in Angriff nimmt, wie Dotterweich ausführt.

Dass bis zum Einstieg in die konkrete Planung noch einige Knackpunkte zu verhandeln sind, wurde klar, als der Memmelsdorfer Bürgermeister Gerd Schneider (parteilos) zustieg. Er äußerte recht deutlich seine Vorstellungen. Unter anderem wünscht er einen Kreisverkehr an der Einmündung Schlesienstraße. Beim Kreis-Tiefbau stößt das nicht unbedingt auf Gegenliebe, da der Hauptverkehrsstrom - rund 5000 Fahrzeuge pro Tag sind hier unterwegs - von und nach Gundelsheim gehemmt würde.

Vollausbau wird nötig

Die Mitglieder des Bauausschusses wissen nun, was auf sie zukommt, wenn sie über das Vorhaben zu beschließen haben. Immerhin soll möglichst noch in diesem Jahr die Planung vergeben und nächstes Jahr ein Förderantrag gestellt werden, damit 2021 der Ausbau erfolgen kann.

Noch ein Jahr weiter in der Zukunft liegt der Ausbau der Kreisstraße BA 39 von Rattelsdorf über Höfen nach Daschendorf. Der befindet sich zwar im Ausbauprogramm des Landkreises in der ersten Dringlichkeit, wurde jedoch "aufgrund der Komplexität noch nicht in Angriff genommen", so Dotterweich.

Keine Probleme bereitet der Abschnitt zwischen Rattelsdorf und Höfen. Die Fahrbahn ist mit sechs Metern ausreichend breit, der Verlauf durch drei Flutbrücken über die Itz vorgegeben. Doch dann wird es schwierig: In Höfen ist die erste von drei engen 90-Grad-Kurven. Im weiteren Verlauf verengt sich die Straße laut Dotterweich bis auf 4,60 Meter. Zudem ist der Unterbau so schlecht, dass ein Vollausbau erforderlich ist.

Schutzgebiete links und rechts

Die "Defizite in der Linienführung" lassen sich nur schwerlich beheben, da links und rechts der Straße Schutzgebiete sind (FFH, Vogelschutz, Naturdenkmal), weite Bereiche als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen sind und streckenweise ein Hangrutschgebiet oberhalb der Straße liegt. "Ein bestandsnaher Ausbau ist deshalb besser", sagt Dotterweich. "Wir müssen die 90-Grad-Kurven entschärfen" - was bei der in Höfen selbst eigentlich gar nicht geht.

Zudem soll ein Radweg her. Eine Herausforderung für die beiden beteiligten Bürgermeister und Kreisräte Bruno Kellner (Rattelsdorf, VU, FW) und Ekkehard Hojer (Baunach, CBB, BBL). Sie müssen Flächen für dessen Verlauf finden und gegebenenfalls erwerben.

Ein Radweg entlang der Kreisstraße zwischen Appendorf und Oberhaid wird ebenfalls sehr gewünscht. Vor allem der Lauterer Bürgermeister Armin Postler (CSU) setzt sich für diese wichtige Verbindung ins Maintal ein. Dabei ginge es nicht nur um Touristen, sondern auch um die Berufspendler, die in Zeiten von E-Bikes immer häufiger auf Zweiräder wechselten.

Radweg wird schwierig

Eine knifflige Aufgabe für die Planer. Denn die Straße führt durch den dichten Wald bei Sandhof. Bei der Fahrbahn selbst müssten vor allem die unfallträchtigen Kurven entschärft werden. "Wir müssen eine schöne Linie reinkriegen, aber nicht zu gerade, sonst wird noch mehr gerast", formuliert Dotterweich die eine Herausforderung.

Die andere ist der Raum, der für einen Radweg benötigt wird. Da ist Grunderwerb nötig und es müssen Bäume weichen. Flächenverbrauch und -versiegelung werden durch das Umschwenken der Staatsregierung im Zuge des Artenschutzvolksbegehrens in Zukunft aber kritischer betrachtet werden, wie Landrat Johann Kalb (CSU) schon am Beispiel Höfen - Daschendorf ausgeführt hatte. "Radwege bauen wird wegen der künftigen Gesetzgebung schwieriger", sagte er.

Dass nicht nur Zukunftspläne geschmiedet werden, sondern knifflige Aufgaben auch abgearbeitet werden, davon konnte sich der Bauausschuss auf der Rundfahrt ebenfalls überzeugen. Zum Beispiel auf der Giechburg. Dort wird seit Jahren unter Federführung des Kreis-Hochbaus das Gemäuer restauriert. Grundlage ist eine burgenkundliche Untersuchung, die der Landkreis 2011 in Auftrag gegeben hatte.

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