Stegaurach

Todesfalle für Nachtschwärmer

Weißes LED-Licht lockt Insekten an. Die Gemeinde Stegaurach will darum einen neuen Weg bei der Straßenbeleuchtung gehen.
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Nachtaktive Insekten fliegen auf weißes Licht. Foto: Armin Weigel/dpa
Nachtaktive Insekten fliegen auf weißes Licht. Foto: Armin Weigel/dpa

Artenschutz und Klimaschutz gehen Hand in Hand - sollte man meinen. Doch manchmal ist es nicht ganz so einfach, wie sich jetzt in Stegaurach herausgestellt hat. So plant die Gemeinde vor den Toren Bambergs nun auch alle Nebenstraßen mit LED-Technik zu beleuchten. Konkret geht es um rund 600 Leuchten für rund 200 000 Euro, die eine Stromeinsparung von 160 000 Kilowattstunden pro Jahr bringen könnten.

Doch bei einer Bürgerversammlung kam die Sprache auch auf das Thema Lichtverschmutzung sowie deren Auswirkung auf Mensch und Tier. Und eines ist inzwischen klar: Standard-LED-Leuchten mit einer Lichttemperatur von 4000 Kelvin (K) sind Todesfallen für nachtaktive Insekten. Zwar stehen die LED-Leuchten hier nicht schlechter da als die früher üblichen Quecksilberdampflampen. Gegenüber den zwischenzeitlich oft verbauten Natriumdampflampen sind sie diesbezüglich aber wieder ein Rückschritt.

Rat aus der Rhön

Es gibt jedoch auch Alternativen. Und Dinge, die bei der Installation zu beachten sind, damit man zu einer insektenfreundlicheren Beleuchtung kommt. Das alles führte Sabine Frank aus, beim Landkreis Fulda zuständig für den Sternenpark im Biosphärenreservat Rhön, die in Stegaurach auf Einladung der Gemeinde in der Bücherei einen gut besuchten Vortrag über Lichtverschmutzung hielt. Ihre Empfehlung an die Stegauracher: warmweiße LED-Lampen mit maximal 3000 K, oder besser noch bernsteinfarbene LEDs mit 1800 K, bei denen der blaue Farbanteil fast vollständig herausgefiltert wird.

Allerdings, so der Hinweis der Lichtexpertin, verbrauchen Letztere wieder bis zu einem Drittel mehr Strom. Bei 3000 K hält sich der Mehrverbrauch in Grenzen. Für die Gemeinde bedeutet das, dass sich die Amortisationszeit der Leuchten (in der die Einsparung bei Energiekosten die Anschaffungskosten deckt) von 5,7 Jahren (4000 K) auf 5,9 Jahre (3000 K) oder 7,3 Jahre (1800 K) verlängern würde.

Neues Angebot nötig

Inzwischen hat auch der Stegauracher Gemeinderat nochmals über das Thema beraten. Das Ergebnis: "Um einen Beitrag zur Biodiversität und insbesondere gegen das fortschreitende Artensterben zu leisten, sollen weitestgehend Leuchten aufgestellt werden, die zwischen 1800 und 2700 Kelvin Farbtemperatur haben", heißt es in dem Beschluss. Bayernwerk soll entsprechende Angebote vorlegen. Bisher hatte die Eon-Tochter lediglich ein Angebot über 4000-K-Leuchten gemacht, das der Gemeinderat im April zunächst auch akzeptiert hatte.

Laut Zweitem Bürgermeister Bernd Fricke (Grüne) bezieht sich Bayernwerk bei seinen Angeboten auf eine DIN-Straßenbeleuchtungsnorm. Diese sei aber dem Bayerischen Gemeindetag zufolge nicht verbindlich. Dass Alternativen möglich sind, habe Sabine Frank bei ihrem Vortrag in Stegaurach deutlich gemacht, betont Fricke. So hätten in der Rhön schon etliche Kommunen ihre Straßenbeleuchtung entsprechend umgerüstet. In der Handlungsempfehlung des Biosphärenreservats Rhön für Umrüstungen der öffentlichen Straßenbeleuchtung, Wege und Parkplätze heißt es: "Zur Vermeidung von Streuung, Blendung und zum Schutz der Insekten soll nur bernsteinfarbenes (amber) bis warmweißes Licht mit geringem Ultraviolett- und Blauanteil eingesetzt werden."

Im Landkreis Bamberg ist Stegaurach wohl die erste Kommune, in der bei der Einführung von LED-Beleuchtung über dieses Thema breit diskutiert wird. Dass der "Staubsaugereffekt", mit dem Straßenleuchten Insekten anlocken und deren Tod verursachen, nicht zu vernachlässigen ist, zeigen Studien, die den Ausführungen von Frank zugrunde liegen.

Bei der Straßenbeleuchtung kommt es aber nicht nur auf ein möglichst warmes Licht an. Auch die Art der Ausleuchtung spielt eine große Rolle. So empfehlen die Lichtexperten vom Sternenpark Rhön voll abgeschirmte Leuchten, die waagrecht montiert sind und nur nach unten abstrahlen, Reflektoren können zudem das Licht genau und nur dorthin lenken, wo es auch benötigt wird. Damit sollen Büsche, Bäume und auch Hauswände möglichst wenig angestrahlt werden um nachtaktive Tiere, aber auch schlafende Menschen nicht durch Streulicht zu irritieren.

Gezielte Beleuchtung

Dem trägt auch der neue Gemeinderatsbeschluss Rechnung. Bei der Aufstellung soll darauf geachtet werden, "dass möglichst nur der Straßen- und Gehwegkörper beleuchtet werden und keine privaten Grundstücke, Hauswände und Sträucher", heißt es darin. Gleichzeitig will man "die Bevölkerung über die Hintergründe der ,Lichtverschmutzung' aufklären" und darauf hinwirken, "bewusster mit der Beleuchtung im eigenen Grundstück umzugehen". Sollte es mit der insektenfreundlicheren Beleuchtung klappen, könnte Stegaurach tatsächlich den an dieser Stelle notwendigen Spagat zwischen Klima- und Artenschutz schaffen.

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