Geschwend

Tod nach schwerer Feldarbeit

Eine Marter bei Geschwend von 1845 erinnert an den Bauern Johann Pfadenhauer und sein Schicksal.
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Trotz eines Regenschauers fand die Wiederaufstellung der restaurierten Sandsteinmarter 1993 ihren Abschluss (von links): Restaurator Günter Gehring, Werner Lang, Helmut Link, Stefan Wicklein, Georg Pfadenhauer jun., Georg Pfadenhauer sen. und Roland Graf. Fotos: Archiv Roland Graf
Trotz eines Regenschauers fand die Wiederaufstellung der restaurierten Sandsteinmarter 1993 ihren Abschluss (von links): Restaurator Günter Gehring, Werner Lang, Helmut Link, Stefan Wicklein, Georg Pfadenhauer jun., Georg Pfadenhauer sen. und Roland Graf. Fotos: Archiv Roland Graf
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Geschwend —  Am südlichen Ortsrand von Gifting zweigt rechter Hand eine schmale Straße ab. Sie führt über eine enge Sandsteinbrücke, direkt ins beschauliche Kremnitztal. Folgt man dieser Straße weiter, dann erreicht man nach etwa einem Kilometer die am Berghang verstreut liegenden Bauernhöfe von Geschwend.

Der letzte Hof hat bezeichnenderweise den Hausnamen "Hinterer Bauer" und ist im Besitz der Familie Pfadenhauer. Autofahrer sollten daran denken, dass die Straße bei diesem Hof endet und sie wieder die gleiche Strecke zurückfahren müssen. Dem Wanderer jedoch stehen alle Wege offen, die wohltuende Stille des abgeschiedenen Tales zu genießen, welches sich etwas später aufteilt in Kremnitztal und Dobertal. Folgt man der Kremnitz, dann gelangt man zur Finkenmühle, folgt man der Dober, erreicht man die Effeltermühle und anschließend die Dobermühle.

Zum Bauernhof von Georg Pfadenhauer gehört auch eine Sandsteinmarter aus dem Jahr 1845. Sie steht 200 Meter bergauf unter den Baumkronen zweier Lindenbäume. Ihre Inschrift am konkav-konvexen Sockel lautet: "Joh. Pfadenhauer von Geschwend hat die Bildnis M L (= machen lassen) 1845". Dies bezeugt, dass die Stiftung in der Familiengeschichte begründet liegt.

Im Weitererzählen über Generationen hat sich das traurige Geschehnis bis heute erhalten. Es berichtet von einem heißen Sommertag zur Erntezeit. Oberhalb des Hofes, auf dem "Leutenberger Acker", war man im genannten Jahr dabei, das "Gedraa" (Getreide) zu schneiden. Die mühselige Arbeit mit Sensen, die Hitze und der steile Berghang verlangten den Menschen alle Kraft ab. Als für Johann Pfadenhauer die körperliche Schinderei zu viel wurde, legte er sich an den Rain des Feldes, um sich von seinem Unwohlsein zu erholen. Da aber keine Besserung eintrat und sich sein Zustand verschlechterte, brachte man ihn ins Haus zurück, wo er bald darauf verstarb. Im Gedenken an das Seelenheil des Verstorbenen ließ seine Familie die Marter setzen.

Das kleine Kunstwerk trägt alle Stilmerkmale des 18. Jahrhunderts, was den barocken Einfluss bis weit in das 19. Jahrhundert hinein belegt. So sind alle vier Felder des unterteilten Schaftes mit Bandelwerk verziert. Den Abschluss des Schaftes bildet ein gestuftes Kapitell, auf dem der quadratische Aufsatz mit seinen Heiligendarstellungen aufgesetzt ist. Dargestellt sind die Dreifaltigkeit, die Glosberger Muttergottes, der hl. Nepomuk und der hl. Josef mit dem Jesuskind. Das religiöse "Mahnmal" wird von einer Steinkugel und einem Kreuz bekrönt.

Lange Jahre pflegte die Pfarrgemeinde Lahm/Hesselbach den Brauch, in einer Prozession zu dieser Marter zu ziehen, um gemeinsam mit den Bewohnern von Geschwend hier Maiandacht zu feiern.

Im Jahre 1992 befand sich das Denkmal in einem stark beschädigten Zustand, denn die eisernen Verbindungsdübel hatten Sockel, Schaft und Aufsatz gespalten. Um ein Einstürzen zu vermeiden, ließ der Besitzer unter der Mitwirkung des Kreisheimatpflegers, des Bezirks Oberfranken und des Landesamtes für Denkmalpflege umgehend eine Renovierung durch die Fachfirma Eduard Gehring, Kronach, vornehmen. Unterstützt durch ehrenamtliche Mithelfer vom Arbeitskreis für Heimatpflege des Landkreises Kronach konnte im August 1993 die Wiederaufstellung der Marter am ursprünglichen Standort erfolgen. Alle an der Aufstellung beteiligten Helfer waren froh und dankbar, dass die nicht ungefährliche Arbeit ohne Komplikationen verlaufen war. Deshalb nahm man nach der mühsamen und schwierigen Arbeit am Steilhang die Einladung des Besitzers zu einer deftigen Brotzeit dankbar an. Unvergessen sind die Gespräche in geselliger Runde.

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