Bamberg

Therapie statt Gefängniszelle

Wegen Beihilfe zum Rauschgifthandel in nicht geringer Menge ist ein 45-Jähriger zu 19 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Wegen seiner Drogensucht landet er in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung.
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Weil die Polizei Gepräche abhörte, flog das Drogengeschäft auf.  Symbolfoto: Frank Leonhardt, dpa
Weil die Polizei Gepräche abhörte, flog das Drogengeschäft auf. Symbolfoto: Frank Leonhardt, dpa

Eine Kurierfahrt, bei der rund 2,4 Kilogramm Marihuana von Offenbach nach Bamberg geliefert wurden, sind einem 45-jährigen Mann aus Bad Homburg nun zum Verhängnis geworden. Die Rauschgift-Lieferung hatte Anfang Februar auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants in Bamberg stattgefunden. Nun wurde der Deutsche vom Schöffengericht wegen Beihilfe zum Rauschgifthandel in nicht geringer Menge zu 19 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Allerdings kommt er wegen seiner Drogensucht umgehend in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung.

Als Lukas F. (Name von der Redaktion geändert) in Bad Homburg von einem afghanischen Bekannten angesprochen wird, ob er ihn und ein Päckchen mit Marihuana nicht nach Bamberg bringen könnte, sagt Lukas F. zu. Denn der Bekannte hat weder Auto noch Führerschein. Dafür hat er 200 Euro Bargeld, das Lukas F. vor Ort als Honorar bekommen soll. In Offenbach landet die Reisetasche mit dem wertvollen Inhalt, der für insgesamt 12 000 Euro den Besitzer wechselt soll, im Kofferraum. In Bamberg warten schon die Abnehmer. Eine deutsche Familie aus dem Landkreis hat sich die Arbeit aufgeteilt. Seit mindestens drei Jahren schon. Von 15 bis 20 Lieferungen mit zwei bis zehn Kilogramm geht die Staatsanwaltschaft aus. Immer mit anderen Zuträgern.

Den Stoff organisiert

Der Sohn organisiert den Stoff, die Mutter kümmert sich um den Transport, der Vater verkauft die Tütchen in seinen psychotherapeutischen Praxen, hauptsächlich an seine Patienten. Bei 2,4 Kilogramm und einem Einkaufspreis von fünf Euro sowie einem Einzelhandelspreis von acht Euro pro Gramm kommen da schon einmal 7200 Euro zusammen.

Auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants findet die Übergabe statt. Während sein afghanischer Bekannter das Drogengeschäft abschließt, ist Lukas F. gerade dabei, neben einem Möbelmarkt ein anderes Geschäft zu machen. Als er zurückkommt, ist alles schon vorbei. Es geht heimwärts nach Hessen. Seine Prämie allerdings will er von seinem Beifahrer nicht bekommen haben. Dafür besucht ihn bald die Polizei, denn sein Auftraggeber hat unvorsichtigerweise nicht das Smartphone mit der Spezialverschlüsselung verwendet, das ihm der große Unbekannte im Hintergrund zur Verfügung gestellt hatte, sondern das von Lukas F. Dadurch konnten die Kriminalbeamten der KPIZ Oberfranken in Bayreuth die Gespräche abhören und die Kurznachrichten mitlesen. Da war dann von "Backzutaten" die Rede.

Für eine harte Bestrafung plädierte Staatsanwalt Patrick Keller, der angesichts der erheblichen Menge zwei Jahre und sechs Monate beantragte. Auch wenn Lukas F. noch nie mit Drogendelikten auffällig geworden war, seit über fünf Monaten in Untersuchungshaft in der JVA Schweinfurt sitzt und sich durch seinen Rechtsanwalt Klaus-Christoph Schramm aus Bad Homburg geständig gezeigt hatte. "Mein Mandant war das kleinste Rädchen am Wagen."

Allerdings gab Lukas F. an, dass er weder das Marihuana noch den Umschlag mit dem Bargeld in Händen gehalten hätte. Ob er schon öfters solche Kurierfahrten gemacht habe, war auch auf Nachfrage nicht zu erfahren. Er habe damit seinen eigenen Kokainkonsum finanzieren wollen, so Lukas F. Bis zu fünf Mal täglich griff er zu dem weißen Pulver, das er als "Freebase" rauchte, um einen noch schnelleren, noch stärkeren Rausch zu erleben.

"Große Dummheit"

Seine in U-Haft befindlichen Komplizen verweigerten wegen noch laufender Strafverfahren die Aussage, um sich nicht selbst zu belasten. Lukas F. bezeichnete die Tat als "große Dummheit", die er im zugedröhnten Zustand begangen habe. "Nun nach einigen Monaten ohne Stoff ist mein Kopf freier."

In seinem Urteil ordnete der Vorsitzende Richter Michael Herbst die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Damit dort die Drogenabhängigkeit therapiert werden könne, wie es der psychiatrische Sachverständige Christoph Mattern aus Bayreuth vorgeschlagen hatte. Bis zu 15 Monaten muss sich Lukas F. dort seiner Sucht stellen. Die Erfolgsaussichten seien gut, handele es sich doch nicht um einen typischen Fall.

Lukas F. hatte erst im Alter von 28 Jahren begonnen, Kokain zu nehmen. Eine Bewährung komme nicht infrage, so Strafrichter Herbst. Zum Angeklagten gewandt: "Weil es Ihnen völlig egal war, was und wie viel sie da transportiert haben und dass es in Umlauf gekommen ist."

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