Ziegelhütten

Theater mit Tiefgang

Theodor Storm hat seine "Regentrude" vor über 150 Jahren geschrieben. Doch das Thema ist aktueller denn je.
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Maren und die Spinne Ekelschön  Foto: Uschi Prawitz
Maren und die Spinne Ekelschön Foto: Uschi Prawitz

Bereits seit einiger Zeit stellt Rüdiger Baumann an jedem dritten Mittwoch im Monat seine Theaterbühne für seinen "Experimittwoch" bereit. Die Zuschauer dürfen sich dann auf ein abwechslungsreiches Programm mit garantierten Überraschungen freuen. Im Februar gastierte das Marionettentheater "Muggenpfiffer" (fränkisch für Fliegenpilz) im "Baumann" und verzauberte mit seinen wunderschönen Puppen und einer Adaption von Theodor Storms "Regentrude" das Publikum.

Normalerweise spielen die sechs Damen aus Stockheim vor Kindern, doch am Mittwoch zeigte sich, dass ihr Marionettentheater durchaus auch erwachsenentauglich ist. Die Geschichte der "Regentrude" ist, obgleich sie von Storm bereits 1863 geschrieben wurde, topaktuell. Ein übermäßig warmer Sommer lässt Pflanzen verdorren und Vieh verdursten. Die Regentrude muss eingeschlafen sein, und nur eine holde Jungfrau kann sie mit einem Spruch erwecken.

So machen sich Andrees und seine Angebetete Maren auf den Weg, die Regentrude zu finden, auf dass es endlich wieder regnen möge.

Putzige Figuren

"Die Menschen haben mich vergessen", verkündete die Regentrude schließlich nach erfolgreicher Mission und gab Andrees und Maren eine Botschaft mit auf den Heimweg: "Sagt den Menschen, dass sie die Natur mit Respekt und Achtsamkeit behandeln müssen."

Eine Botschaft für kleine Menschen, die aber auch an Erwachsene richtig adressiert ist. Natürlich haben die Marionettenspielerinnen (Elke Schülner, Ruth Lehnhardt, Anni Falat, Diane Kreul, Christina Zehnter und Anne Schlick) das Stück kindertauglich angepasst und wegen des Unterhaltungswerts um einige putzige Figuren ergänzt. Da wäre etwa das variationsreiche Schaftrio, das sich von den Menschen missbraucht fühlt, "denn wir werden immer gezählt, wenn sie nicht einschlafen können".

Weiterhin gibt es die Spinne Ekelschön mit niedlichem Akzent und einen kleinen Oktopus, der sich in Kronacher Dialekt verständigt. Puppen, Bühnenbild, Stückaufbau, Musik und Text - alles machen die "Muggenpfiffer" dabei selbst, und das seit inzwischen 20 Jahren.

"Unsere Gründerin hatte Kinder und bekam eine Marionette geschenkt", erzählte Anni Falat. Da begann sie zu spielen, suchte Gleichgesinnte und die Muggenpfiffer wurden geboren. Etwa ein halbes Jahr dauert es, bis ein Stück bühnenreif ist, im Falle der "Regentrude" sogar fast acht Jahre.

Wichtige Botschaft

"Ich habe Storm in der Schule gehasst", sagte Christina Zehnter mit einem Augenzwinkern, deswegen habe es so lange gedauert. Gut für die Zuschauer, alt wie jung, dass sich das Team dazu durchringen konnte. Denn mit der "Regentrude" haben sie ein unterhaltsames und kurzweiliges Stück auf die Bühne gebracht, das gleichzeitig mit einer wichtigen Botschaft aufwartet.

Die wundervollen, handgefertigten Pappmaché-Puppen haben dabei ihren ganz eigenen Charme und sorgen dafür, dass auch das Innerste im Zuschauer berührt wird. Die "Muggenpfiffer" spielen sehr gerne vor Kinderpublikum und können von Schulen oder Kitas engagiert werden. Informationen hierzu gibt es unter der Telefonnummer 09265/8079680.

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