Tettau

Tettau und der Todesstreifen

Am 3. Oktober wird Manfred Suffa mit seinem Lichtbildervortrag "Tettau zu Zeiten der innerdeutschen Grenze" an die Zeit vor 1989 erinnern.
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Am Ortsausgang von Tettau in Richtung Spechtsbrunn endete vor 1989 die Straße.  Foto: Manfred Suffa
Am Ortsausgang von Tettau in Richtung Spechtsbrunn endete vor 1989 die Straße. Foto: Manfred Suffa

Vor 30 Jahren fiel der Eiserne Vorhang. Anlass genug, daran zu erinnern, wie das Leben an der deutsch-deutschen Grenze in den Jahrzehnten davor aussah. Mit weit über hundert Dias, welche aufwendig digitalisiert wurden, erklärt und zeigt Manfred Suffa am Donnerstag, 3. Oktober, ab 15 Uhr in der Festhalle Tettau seinen Vortrag "Tettau zu Zeiten der innerdeutschen Grenze". Die Bilder auf der große Kinoleinwand der Festhalle entführen Interessierte in die Zeit vor 1989, als Zollbeamte und die Grenzpolizei zum Tettauer Ortsbild wie selbstverständlich dazugehörten.

Heute erinnert im "Tettauer Winkel" eigentlich nichts mehr an den Eisernen Vorhang und den Todesstreifen, welcher die beiden deutschen Staaten einst trennte. Lediglich ein Mahnmal und eine Straßentafel lenken den Blick auf die prägende Vergangenheit des nördlichen Frankenwaldes. Für die Tettauer Jugend ist es also selbstverständlich, "über die Grenze" nach Spechtsbrunn oder über den Sattelpass in Richtung Sonneberg zu fahren. Die eigentliche Grenze nimmt man auch nicht mehr war. Lediglich das Landkreiswappen lässt darauf schließen, dass der Freistaat Bayern verlassen wird. Auch das ins Auge stechende Schild "Letzte Tankstelle vor der Grenze" ist längst verwittert und verschwunden. Dies war aber nicht immer so.

Die knapp 1400 Kilometer lange innerdeutsche Grenze hinderte bis 1989 durch massive Befestigungen die Einwohner der DDR an Besuchen der BRD oder dem dauerhaften Verlassen in Richtung Westen. Entlang der Grenze bestand seit der Anordnung von 1954 auf dem Gebiet der DDR offiziell ein Sperrgebiet. Dieses setzte sich aus einer vorgelagerten 5-km-Sperrzone, gefolgt vom 500 Meter breiten Schutzstreifen und dem Kontrollstreifen unmittelbar vor dem Grenzzaun zusammen. Seit den 1960er Jahren wurde die deutsch-deutsche Grenze durch die DDR immer stärker ausgebaut, um die Massenflucht in den Westen zu unterbinden.

Offizielle Darstellungen der DDR deuteten die Grenzanlagen zu einem "antifaschistischen Schutzwall" um, der die DDR vor Übergriffen aus dem Westen bewahren sollte. An der Grenze waren etwa 30 000 Soldaten der Grenztruppen der DDR stationiert; sie hatten den Befehl, die Flucht auch mit Waffengewalt zu unterbinden.

Zur Grenzsicherung wurden auch Selbstschussanlagen installiert und etwa 1,3 Millionen Landminen verlegt. Erst auf Drängen seitens der Bundesrepublik Deutschland wurden die Landminen 1984 gesprengt und die Selbstschussanlagen abgebaut.

Die Republikflucht verhindern

Aber auch weit vor der Sperrzone wurden Personenbewegungen überwacht. Die Verhinderung von Republikflucht machte einen Hauptteil der Tätigkeit der Stasi aus, vielfach wurden Fluchtwillige bereits vor der Flucht observiert und mit dem Vorwurf der geplanten Republikflucht inhaftiert. Fuhr ein normaler Reisezug planmäßig in Orte, die in der Nähe der Grenze lagen, wurden verdächtige Reisende während der Fahrt von der Transportpolizei, der Volkspolizei oder von " freiwilligen Helfern der Grenztruppen" (von denen es circa 3000 gab) kontrolliert und zum Reiseziel befragt. Wurden Personen ohne Passierschein in der Fünf-Kilometer-Sperrzone angetroffen, wurden sie dem zuständigen Grenzkommando gemeldet.

Am Freitag, 24. November 1989, wurde der Grenzübergang nach Spechtsbrunn geöffnet. Es folgten die Öffnungen weiterer Übergänge nach Lichtenhain, Neuenbau, Hasenthal und Heinersdorf. Nachdem die "Deutsche Einheit" am 3. Oktober 1990 vollzogen wurde, begann man mit dem Abbau der Grenzanlagen rings um Tettau. Ein neuer Abschnitt für Bevölkerung und Industrie des Marktes Tettau nahm seinen Anfang.

Bei dem Vortrag am 3. Oktober wird für Bewirtung, Kaffee und Kuchen gesorgt sein, der Eintritt ist kostenlos. Spenden sind natürlich erwünscht. bb

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