Stockheim

Symbol für den Willen zur Einheit

Vor 40 Jahren wurde das neue Rathaus der damals noch jungen Großgemeinde Stockheim eingeweiht.
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Der 27. Oktober 1979 ging in die Geschichte der Gesamtgemeinde Stockheim ein. An einem kalten Herbsttag wurde im Beisein von Staatssekretär Franz Neubauer vom bayerischen Innenministerium im Beisein zahlreicher Bürger das neue Rathaus eingeweiht. Foto: Gerd Fleischmann
Der 27. Oktober 1979 ging in die Geschichte der Gesamtgemeinde Stockheim ein. An einem kalten Herbsttag wurde im Beisein von Staatssekretär Franz Neubauer vom bayerischen Innenministerium im Beisein zahlreicher Bürger das neue Rathaus eingeweiht. Foto: Gerd Fleischmann

Am Samstag, 27. Oktober 1979, kam es in der damals 5400 Einwohner zählenden und noch jungen Großgemeinde Stockheim zu einem zukunftsorientierten Ereignis: In einem feierlichen Rahmen wurde das neue Rathaus eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Als ranghöchste Politiker und Regierungsvertreter überbrachten Staatssekretär Franz Neubauer vom bayerischen Innenministerium sowie Regierungspräsident Wolfgang Winkler die Glückwünsche.

Mit diesem Neubau haben vor 40 Jahren die Erbauer mit Bürgermeister Michael Lang an der Spitze ein sichtbares Zeichen der Leistungskraft und des Leistungswillens der Großgemeinde gesetzt, die am 1. Januar 1975 durch den freiwilligen Zusammenschluss der ehemals selbstständigen Dörfer Burggrub, Haig, Haßlach, Neukenroth, Reitsch, Stockheim und Wolfersdorf entstanden war. Letztlich symbolisiert dieses Bauwerk, das rund zwei Millionen Mark verschlang, den Einheitswillen dieses neuen Gemeinwesens.

Nach zweijähriger Planungs- und Bauzeit entstand unter der Leitung des Kronacher Architekten, Diplom-Ingenieur Baptist Detsch, ein repräsentativer Bau mit historischem Charakter, der sich nicht nur als Verwaltungs-, sondern auch als Bürgerzentrum anbot. Der fränkische Baustil mit Fachwerkverblendung sowie Verschieferung fand eine breite Anerkennung.

Vergangenheit festgehalten

Erfreulicherweise legten bei der künstlerischen Gestaltung die Kommunalpolitiker das Hauptaugenmerk auf die eigene geschichtliche Vergangenheit der sieben Dörfer. Bereits beim Betreten des Gebäudes wird der Besucher mit der einst stolzen Tradition der Bergleute und Glasbläser konfrontiert. In Stein meißelte außerdem der akademische Bildhauer Heinrich Schreiber aus Kronach das 1632 von den Schweden zerstörte Haßlacher Schloss, das 1560 erbaute "Schwedenhaus" in Neukenroth sowie den historisch wertvollen spätgotischen Flügelaltar der St.-Laurentiuskirche zu Burggrub. Entsprechende Würdigung fand aber auch die einst weit verbreitete Holz- und Landwirtschaft. Die eindrucksvollen Sandsteinarbeiten des Kronacher Künstlers, die die fünf Eingangssäulen zieren, stellen einen gelungenen Blickfang dar. Zur Einweihung erinnerten 23 großformatige historische Fotos - von Gerd Fleischmann zusammengetragen - an die jüngste geschichtliche Vergangenheit der Gesamtgemeinde.

Durch den freiwilligen Gemeindezusammenschluss zum 1. Januar 1975 ergab sich die Notwendigkeit eines repräsentativen Neubaus, denn keine der ehemaligen Kommunen besaß ein entsprechend großes Verwaltungsgebäude. Bereits vor der Gemeindezusammenlegung stand deshalb der Rathausbau zur Diskussion. Erste Überlegungen zielten auf einen Standort zwischen Stockheim und Haßlach. Im Rahmen des Flächennutzungsplanverfahrens wurde jedoch der jetzige Standort gewählt.

Aus finanziellen Gründen - zahlreiche Investitionsmaßnahmen der ehemaligen Gemeinden mussten beendet und abfinanziert werden - konnte der dringend erforderliche Neubau zunächst noch nicht begonnen werden. Bürgermeister Michael Lang und das Verwaltungspersonal mussten sich deshalb mit den notdürftig hergerichteten Räumen im ehemaligen Stockheimer Rathaus zurechtfinden. Die immer vielfältiger werdenden Verwaltungsaufgaben und der damit verbundene "Papierkrieg" sowie die durchgeführte Funktionalreform, das heißt die Übertragung von Staatsaufgaben auf die Gemeinden, erzwangen den Aufbau einer leistungsfähigen Gemeindeverwaltung.

Der bisherige Zustand - Gemeinderatssitzungen und Eheschließungen in der Pausenhalle der Volksschule Stockheim, Buchführung der Gemeindekasse zum Teil in der Gemeindekanzlei Reitsch - waren für die drittgrößte Gemeinde des Landkreises Kronach untragbar.

1977 erlaubte es die finanzielle Situation, mit der Stadt Kronach endlich die Grundstücksverhandlungen aufzunehmen und abzuschließen. Nachdem die Gemeinde die Kosten des Rathausneubaues vorerst nicht mit Eigenmitteln decken konnte, genehmigte das Landratsamt mit Landrat Heinz Köhler an der Spitze angesichts der misslichen räumlichen Verhältnisse die Fremdfinanzierung der Baumaßnahme über die Firma Bayerngrund. Immerhin hatte die Kommune nach dem Zusammenschluss im Jahre 1975 bereits neun Millionen Mark in die Ortsteile investiert. Erfreulicherweise ergab sich dann doch noch eine relativ günstige Finanzierung.

2000 Menschen kamen

Die Einweihung wurde zu einem großen Ereignis für die Bürgerschaft. Die Bergmannskapelle Stockheim unter der Leitung von Albrecht Renk und der Gesangverein "Liederkranz" Haig mit seinem Ehrendirigenten Andreas Detsch sorgten für den musikalischen Rahmen. Die kirchliche Weihe erteilten Geistlicher Rat Karl Vollmer und Pfarrer Richard Rosenbauer.

Mit der symbolischen Schlüsselübergabe durch Architekt Detsch an Bürgermeister Lang war die offizielle Feier beendet. Über 2000 Besucher konnten beim anschließenden "Tag der offenen Tür" registriert werden. Großen Anklang fand auch die von Oberinspektor Werner Wind und Gerd Fleischmann konzipierte Festschrift.

Der Aufbau einer leistungsfähigen Verwaltung an der Spitze mit dem 27 Jahre alten geschäftsleitenden Beamten Werner Wind konnte beginnen. Von Anfang an dabei waren auch Roswitha Blumenröther, Heidi Beez und Jürgen Zoller. Nachfolger von Bürgermeister Michael Lang wurde Albert Rubel, der von 1987 bis 2011 regierte. Ab 2011 übernahm Bürgermeister Rainer Detsch die Verantwortung für die Einheitsgemeinde Stockheim mit ihren fast 5000 Einwohnern. Umfassend erneuert und modernisiert worden ist 2016 und 2017 das Rathaus für rund 782 000 Euro.

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