Döllnitz
konzert

Sylvia Kirchherr im Blauen Haus: Musik mit Seltenheitswert

Es ist einer jener Abende, die Seltenheitswert haben. Einer von jenen, die im Gedächtnis bleiben, weil man nicht damit gerechnet hat. Da kommt ins Blaue Haus, für seine besonderen Auftritte längst bek...
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Ein etwas anderer Auftritt: Sylvia Kirchherr. Foto: Horst Wunner
Ein etwas anderer Auftritt: Sylvia Kirchherr. Foto: Horst Wunner

Es ist einer jener Abende, die Seltenheitswert haben. Einer von jenen, die im Gedächtnis bleiben, weil man nicht damit gerechnet hat. Da kommt ins Blaue Haus, für seine besonderen Auftritte längst bekannt, eine Frau namens Sylvia Kirchherr - eher unbekannt. Der Besuch ist entsprechend, gerade mal 20 Besucher haben sich nach Döllnitz verirrt. Aber sie erleben Außergewöhnliches.

Die 42-Jährige, am Fuß der Alpen geboren, wie sie es formuliert, setzt sich hin, nimmt die Gitarre, lächelt abwartend, sucht die Nähe zum Publikum. Man spürt vom ersten Ton an, dass sie einen mitnehmen will auf eine Seelenreise. Und zwar mittels Jodeln.

Passt das zusammen? Ja, wenn man es so macht, wie diese Künstlerin. Tief aus der Kehle kommen die Lieder, die Freude am Leben ausdrücken und ins Bewusstsein dringen. Spanische Texte und bayerisches Volksempfinden verbinden sich, lang gezogene Tonbögen bis zu Extremen in hoher Stimmlage mit einer unglaublichen Reinheit.

Sylvia Kirchherr gibt sich intuitiv, schreit zuweilen auch den Schmerz hinaus und fängt ihn zart wieder ein. Echohafte Bruchstücke, jedoch gekonnt verwoben, alle Tonskalen auslotend, lassen einen träumen. Die Frau hat die Gabe zur Suggestion und zieht den Zuhörer wie eine Schamanin in den Bann. Hypnose wäre übertrieben, aber ein Stück davon ist spürbar.

"Viva la vida" oder "Kinibergjodler" heißen die Titel, "Sole", "Pajarido" und "Jeder Tag ein Sonnenstrahl". Fast stereotype, sich aneinanderreihende Tonfolgen, jedoch sehr melodiös, finden zur inneren Ruhe.

Dann wird es mal wieder richtig lustig, die Bardin weckt Neugier mit Gebärdensprache und leisem Humor, nie vordergründig oder aufzwingend. Als sie mit dem Handpan auf dem Knie loslegt, beschwörend und in sanfter Melancholie, glaubt man sich ans offene Feuer versetzt, weit draußen in den Bergen. Auf der Trommel spielt Sylvia Kirchherr wie in Trance, und der Ukulele entlockt sie temperamentvolle Kaskaden. Gab es schon zwischen den Stücken starken Beifall, wollte das Publikum zum Finale mit dem Klatschen gar nicht mehr aufhören.

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