Bad Staffelstein

Super: Sommer, Sonne, Söllner

Karibik-Feeling und unbequeme Wahrheiten gab's bei 33 Grad Celsius auf der Staffelsteiner Seebühne.
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Hans Söllner mit Band beim Auftritt auf der Seebühne Foto: Mathias H. Walther
Hans Söllner mit Band beim Auftritt auf der Seebühne Foto: Mathias H. Walther

Ihn auf Liedermacher und bayerischen Grantler zu reduzieren, wird ihm nicht gerecht. Der Söllner Hans ist, nunmehr im 64. Lebensjahr angekommen, weitaus mehr. Er "grantelt" nicht, er hat Wahrheiten im Gepäck, die er seinem Publikum schonungslos direkt um die Ohren haut.

Überwiegend im Dialekt seiner Heimat im Berchtesgadener Land. Aber auch - wie auf seinem letzten Album "Genug" - in Hochdeutsch. Damit ihn die, die es angeht, auch verstehen.

Am Sonntag gastierte er bei wolkenlosem Himmel und 33 Grad Celsius mit seiner Band "Bayaman Sissdem "auf der Seebühne im Kurpark von Bad Staffelstein. Und der Söllner hatte was zu sagen. Sein aktueller christsozialer Lieblingsgegner Markus Söder bekam dabei ebenso sein Fett weg wie all jene Fanatiker, die es mit ihrem Tun einfach nicht zulassen, dass Menschen in Frieden und Freiheit Mensch bleiben können.

Gegen Fanatiker jeder Couleur

Söllner bezieht Stellung wie eh und je: Gegen Rassisten, gegen Islamisten, gegen Fanatiker jeder Couleur. Die Fans, nicht zuletzt auch wegen seiner groovigen Musik zur Seebühne gekommen, danken es ihm. Auch die im Alter von Söllner-plus, die über 60-Jährigen, die den Altmeister noch von "Hey Staat" kennen. Sie sitzen und lauschen. Viele der jüngeren Zuhörer staunen mitunter, wenn der Rebell und ewige Mahner aus Bad Reichenhall seiner Wut freien Lauf gibt, wenn er schimpft, zetert, schreit und mehr als einmal zum zivilen Ungehorsam aufruft. Wenn er gegen die Impfpflicht wettert, "Jensi" Spahn zur Zielscheibe seiner Verbalattacken wird.

Musikalisch hat sich Söllner mehr und mehr dem Reggae verschrieben. Was nicht Wenigen in die Beine fährt, zum Tanzen animiert. Was aber auch nicht ausschließt, dass der oberbayrische Widerborst unter den Rastafari-Farben seine politischen und gesellschaftskritischen Mahnungen unters Volk bringt. Natürlich fehlen nicht Kult-Songs wie "Edeltraud" ("Du host a sauguats Gras obaut").

Hans Söllner hat nichts von seiner Zugkraft eingebüßt, auch nichts von seiner Aufmüpfigkeit, von seiner Authentizität. Auch wenn er sich heute nicht mehr auf Teufel kommt raus mit der Obrigkeit anlegt, von Altersmilde ist nichts zu spüren. Nach wie vor sind Frieden und Freiheit seine Themen, nach wie vor geißelt er Dummheit und Verlogenheit, stellt sich gegen Unrecht und Ungerechtigkeit und fordert auf zu Menschlichkeit und Respekt.

"Morgen san's alle tot"

Authentisch ist er geblieben, etwa wenn er fordert: "Hör ned auf Politiker, wenn's betteln um dei Gunst, weil's sonst a Wahl verlieren, hör ned auf die Mächtigen, heit san's groß und mächtig, morgen san's alle tot." Hans Söllner - mit einer Stimme, die sich anhört, als sei sie in all den Jahren mit grobem Schleifpapier der Körnung größer als 600 µm (zum Entfernen von Farbschichten) bearbeitet worden - hat vielen seiner alten Songs neue Reggae-Rhythmen verpasst. Was sich beileibe nicht negativ auswirkt, sondern für frischen Wind sorgt.

Seine systemkritischen Texte haben nicht an ihrer Brisanz verloren. Das "bayerische Urgestein des deutschen Reggae", wie der Barde einmal bezeichnet wurde, ist älter geworden - aber nicht leiser. Auch im Alter hat er nichts von seiner Bissigkeit verloren und seine Fans lieben seine direkte Art. Freilich, den Glauben an die Menschheit hat Hans Söllner indes nicht verloren. Der Mensch sei schließlich das einzige Lebewesen, das aufgrund der Fähigkeit bewusst zu denken, Dinge beginnen und auch wieder beenden könne. Das gelte für von ihm angeprangerte, nicht artgerechte Tierhaltung ("Ich tät mich freuen, wenn ihr ein Jahr lang kein Hendl esst, nur ein Jahr lang") ebenso wie für soziale Netzwerke: "Wenn du da das Richtige schreibst, lockst du die dümmsten Deppen raus."

Wenn sie nur zugehört hätten

Und die Sache mit dem Marihuana? Der Barde hat mehr als einmal betont, dass er zwar "Gras" legalisiert sehen möchte, dass er aber mit Drogen wie Koks und Alkohol nicht am Hut habe. Schön wäre es gewesen, wenn das auch einige seiner Fans, die die Wirkung übermäßigen Biergenusses bei 33 Grad unterschätzt hatten, begriffen hätten.

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