Coburg

Summen, stechen, beißen

Martin Florschütz, Kreisobmann des Bauernverbandes, akzeptiert grundsätzlich den Willen der Bürger - nicht jedoch mit welchen Mitteln gekämpft wurde. Die Zusammenarbeit mit den Naturschützern steht auf dem Prüfstein.
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Keiner will sie missen: Die Bienen - hier eine Bienenkönigin auf der Wabe. Foto: Simone Bastian
Keiner will sie missen: Die Bienen - hier eine Bienenkönigin auf der Wabe. Foto: Simone Bastian
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Wer geglaubt hatte, nach dem Stichtag zum Volksbegehren Artenschutz kehre Ruhe in die aufgestachelte Diskussion ein, hat sich geirrt. Die Stimmung ist nach wie vor aufgeheizt - vor allem im Bauernverband. Kreisobmann Martin Florschütz will nächste Woche bei einer Zusammenkunft im BBV Coburg überlegen, inwieweit eine Zusammenarbeit mit den Akteuren des Naturschutzes in Coburg noch sinnvoll ist.

"Naturschutz ist eine der ureigensten Aufgaben der Landwirte, so sehen wir auch unseren Beruf. Die bisherigen Bemühungen waren anscheinend erfolglos", schreibt er resigniert ans Tageblatt.

Hintergrund ist eine Flugblatt- und Flyeraktion der Initiative "Mütter für Bienen Coburg". "Der Satz: ,Die Spritzmittelindustrie setzt den Bauernverband unter Druck' geht zu weit und diffamiert die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter des Bauernverbandes", schimpft Florschütz.

Es würden Klischees bedient und Grenzen überschritten, echauffiert er sich. Er spricht davon, dass schon "fast Krieg" herrsche und er emotional sehr mitgenommen sei, nachdem er am Dienstag beim Einsammeln von Flugblättern bei der Presse angeschwärzt worden sei. Das Flugblatt, auf dem es heißt, es würden jährlich 40 000 Tonnen Spritzmitteln auf deutschen Äckern verteilt, will er nun rechtlich prüfen lassen.

Claudia Wiesner, Initiatorin des Mütter-Bündnisses, betont ihrerseits keinen Konflikt mit Martin Florschütz zu haben. Sie versteht überhaupt nicht, weshalb so viel Hass und Aggression in der Diskussion seien. Mit ihrer Aktion habe das Bündnis niemanden an den Karren fahren wollen. "Unser Anliegen ist es, die Coburger aufzurütteln und so gemeinsam für den Schutz der Bienen, Schmetterlinge und Vögel, Frösche, Störche zu begeistern", sagt sie leidenschaftlich - und setzt die Messlatte hoch. Denn sie fordert jetzt zum Handeln auf. "Bis das Volksbegehren greifen wird, werden ein bis drei Sommer ins Land gehen. In denen draußen in der Flur weiter gestorben wird. Leise. Schwach. Verzweifelt. Schmerzhaft. Parteiübergreifend", prangert sie an. Mit kleinen Aktionen wie einer ganzjährigen Vogelfütterung oder dem Aussäen von Wildblumen könne jeder schon jetzt etwas gegen das Insektensterben tun. "Wir sehen, dass die Bauern schon viel gemacht haben. Natürlich in der Hoffnung, dass es etwas nutzt, was es in einem gewissen Rahmen auch getan hat. Nur die Zahlen machen klar, dass es, gemessen am Ausmaß des Insekten- und Tiersterbens, viel zu wenig ist", macht sie ihr Engagement deutlich.



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